D.K.G. Events 1921

Fünf Ordentliche Sitzungen und eine Festsitzung

Im Anschluss an die Hauptversammlung fand auch gleich die 5. Ordentliche Sitzung der D.K.G. statt. Diese Ordentlichen Sitzungen waren meistens Vortragssitzungen, auf denen zu Beginn oder zum Ende auch einige organisatorische Dinge der D.K.G vorgetragen wurden. Diesmal sprach Geheimrat Professor Dr. Miethe über das Thema "welche Aussichten sich der Kinematographie in natürlichen Farben bieten, und zwar nach dem gegenwärtigen Stand der Technik". Er kam zu der Meinung, dass es in der Kinematographie nur das Dreifarbenverfahren, und zwar prinzipiell unterteilbar nach der Additiv- oder Subtraktivmethode geben wird. Da die Subtraktivmethode damals auch nicht denkbar schien, blieb nur die additive mit Farbfilter-Auszugsbildern, bei der eine panchromatische Sensibilisierung des Films erforderlich ist.

 

Bei der 6. Ordentlichen Sitzung der D.K.G. am 15. Februar 1921 im großen Vorführraum der neuen Kopieranstalt der Deulig-Filmgesellschaft in Berlin gab es vorher eine eingehende Besichtigung dieser neuesten deutschen Filmkopieranstalt. Anschließend sprach Brandmeister Wagner von der Berliner Feuerwehr über die Auswertung der bei vielen Bränden gemachten Erfahrungen in Bezug auf die Einrichtung von Filmbetrieben und Filmlagern. Seit 1909 gab es in Berlin 29 solcher Brände. Bei einem Filmbrand entstehen vor allem besondere Druck- oder Saugkräfte, so dass es meist zum Einsturz von Trennungswänden kommt. Im Wesentlichen ging er aber darauf ein, welche bauliche Beschaffenheit die Filmbetriebe erfüllen sollten. Und er erläuterte die gerade unlängst erschienenen Anforderungen für Lagerräume für Zelluloidfilme vom 24. Mai 1920. Es ergab sich eine außerordentlich lange Diskussion.

 

  • Zum Ende der Sitzung wurde der vorher bereits verteilte Antrag der D.K.G. angenommen, eine Versuchs- und Prüfanstalt für Kinotechnik an der Technischen Hochschule zu Charlottenburg ins Leben zu rufen. Als wissenschaftlich-technischer Leiter wurden Geheimrat Miethe, Geheimrat Forch, Professor Mente und Guido Seeber bestimmt, die auch die Vertretung der Anstalt gegenüber den Behörden übernehmen werden. Es soll ein Assistent gegen festes Gehalt angestellt werden. Die Anstalt soll als Institution der D.K.G. arbeiten und nur Anregungen zur Untersuchung aus Kreisen dieser Gesellschaft entgegennehmen.
  • Den letzten Punkt der Sitzung bildete ein Vorschlag von Prof. Dr. E. Goldberg. Dieser wies auf die unerfreuliche Erscheinung hin, dass es gegenwärtig schwierig sei, festzustellen, ob irgend ein Gerät oder Apparateteil durch ein Patent geschützt sei bzw. ob dieses Patent noch Gültigkeit hat. Um diesen Weg ernsthaften Interessenten zu eröffnen, soll eine solche Anfrage für den Fragesteller hoch gebührenpflichtig sein. Die Einnahmen flössen der D.K.G. zu. Es herrschte allseitig Zustimmung zu diesem Vorschlag, der allerdings dann noch zu einem späteren Zeitpunkt detaillierter diskutiert werden sollte.
  • Den Abschluss bildete eine Filmvorführung, bei der passend zum Vortrag Brandschutz ein von der Firma Karl Geyer entwickelter Film-Aufbewahrungskasten in seiner Funktion dargestellt wurde.

 

In der Zeitschrift "Die Kinotechnik" erschien ein erstes Mitgliederverzeichnis der D.K.G.

 

Die 7. Ordentliche Sitzung der D.K.G. fand am 15. März 1921 wie üblich im Hörsaal des photochemischen Labors der Technischen Universität zu Charlottenburg statt. Dabei ging es in einem Vortrag von Dr. W. Schlichter um die Frage, wann eine Aufnahme richtig belichtet sei. Er stellte ein von ihm entwickeltes Photometer vor, über das sehr ausführlich diskutiert wurde.

 

  • Anschließend verlagerte sich die Versammlung in das Restaurant „Zum Spaten“ am Knie (heute Ernst-Reuter-Platz) und dieser zweite, offiziöse Teil der Sitzung übertraf nach dem Urteil der Anwesenden noch den ersten an Interesse. Professor Dr. Goldberg stellte dort nämlich in natura die amerikanische Akeley-Aufnahmekamera vor. Diese typisch amerikanische Maschine zeigte in ihrer von allen herkömmlichen Kameras abweichenden Bauart alle Vorzüge einer amerikanischen Konstruktion aber nach Meinung des Referenten auch deren typische Nachteile. Als Vorteil wurden genannt die vorzügliche Konstruktion aus hervorragendem Material, treffliche neue Ideen im Aufbau, äußerste Ausnutzung des Raums, ausgezeichnete Möglichkeit der Betrachtung des Bildes während der Aufnahmen, und als mangelhaft wurde angesehen die Kassette für 60 m Film mit sehr primitiver Filmführung, keine Wechselmöglichkeit des Objektivs und ein besonders hohes Gewicht.

 

Die 8. Ordentliche Sitzung der D.K.G. fand am 19. April 1921 bei der Deulig-Filmgesellschaft in Berlin statt. Dabei wurde die Frage aufgeworfen, ob die im Verlauf eines Vortrags oder in der Diskussion auf einer D.K.G.-Sitzung abgegebenen Werturteile über irgendwelche Erfindungen oder Geräte in die nachfolgende Berichterstattung aufzunehmen wären. Schließlich sei es nicht angängig, die in der Niederschrift wiedergegebenen Werturteile etwa als das offizielle Urteil der D.K.G. hinzustellen.

 

Der Vortrag des Abends galt der Vorstellung des Hochfrequenz-Aufnahmeapparats mit der Firmenbezeichnung "Zeitlupe" der Ernemann-Werke (der Begriff Zeitlupe wurde erst allmählich zu einem Synonym für hochfrequente Filmaufnahmen, ähnlich wie auch das Wort Kino ursprünglich eine Typenbezeichnung für Projektoren des gleichen Unternehmens waren). Der Referent, Dr. A. Klughardt aus Dresden, berichtete, dass im Jahre 1916 das erste Modell der „Zeitlupe“ von dem inzwischen verstorbenen Physiker Dr. Hans Lehmann konstruiert wurde. Es handelt sich um eine Kamera mit der Maximal-Aufnahmefrequenz von 500 Bildern pro Sekunde, die nach dem Prinzip der rotierenden Spiegeltrommel arbeitet. Ein ausführlicher Beitrag erschien in einer späteren Ausgabe der Kinotechnik, Heft 6, 1921). In der Diskussion ergaben sich bemerkenswerte Anregungen, insbesondere auch übrigens von Emil Mechau, der sich schon damals mit der Idee des Filmprojektors mit optischen Ausgleich beschäftigte:

 

Das Innere der „Zeitlupe“

 

Am 24. Mai 1921 gab es in den Festsälen der Kammersäle Berlin, Teltower Straße, eine Festsitzung zur Feier des einjährigen Bestehens der D.K.G. Vor dem Vorstand und vielen auswärtigen Mitgliedern begrüßte Prof. Dr. A. Miethe die Teilnehmer. Dann ergriff der Geschäftsführende Vorsitzende, Dr. Rolle, das Wort und berichtete kurz über die Entstehung der Gesellschaft. Er zeichnete in großen Zügen ein Bild des ständigen Wachstums der D.K.G., die bei ihrer Gründung 22 Mitglieder zählte und heute zur Festsitzung 126 umfasst, darunter 25 kinotechnische Firmen als korporative Mitglieder. Die Erfolge, die das Wirken der D.K.G. zeigten, verkörpern eine bedeutende Anzahl von kinotechnischen Neukonstruktionen, von denen einige anlässlich der Festsitzung ausgestellt wurden. Weitere Vorhaben sind die Schaffung einer kinotechnischen Bücherei, eine Sammlung von Patentschriften, es sollen Broschüren kinotechnischen Inhalts, die der „Kinotechnik“ angegliedert werden, herausgegeben werden, und man überlegt die Veranstaltung einer möglichst internationalen kinotechnischen Ausstellung in Deutschland unter der Leitung der D.K.G.. Schließlich ging er auf die von vielen Seiten geforderte Schaffung einer Filmhochschule oder Fachschule ein, wie das eigentlich vor einiger Zeit in Berlin beabsichtigt worden war und nun in München gegenwärtig realisiert werden solle.

 

Der zweite Teil der Veranstaltung sah die Ausstellung kinotechnischer Neukonstruktionen vor, die in zwei Nebensälen ausgestellt wurden. Den Abschluss der Festsitzung krönte ein gemeinsames Abendessen, nach dessen Beendigung wissenschaftliche und Kulturfilme der UFA vorgeführt wurden. Bei einem Glase Bier blieb ein kleiner Kreis bis gegen 23:00 Uhr. Inoffiziell wurde gar verlautbart, dass eine Gruppe völlig unentwegter Kinotechniker unter fesselnden Fachdebatten die Sonne des folgenden Tages habe heraufziehen sehen.

 

Gruppe der Teilnehmer von der Festsitzung der D.K.G. am 24. Mai 1921

 

Auf der Vorstandssitzung am 30. Mai 1921 wurde beschlossen, die Zeitschrift "Kinotechnik" vom Juli 1921 an alle 14 Tage erscheinen zu lassen. Von der beabsichtigten Herausgabe kinotechnischer Broschüren neben der Zeitschrift wurde deshalb vorläufig Abstand genommen.

 

Die 9. Ordentliche Sitzung fand am 13. Juni 1921 wieder im photochemischen Labor der TU Berlin statt. Redner war Prof. Dr. E. Goldberg aus Dresden, der über „die Kinematographie als technisches Problem“ sprach. Er führte durch die Historie der filmtechnischen Entwicklung, behandelte das noch keineswegs gelöste Problem der Flimmerfreiheit und ging auf einige neue Entwicklungen ein, so zum Beispiel auf den Übergang von der Bogenlampe zu Glühlampe. Die Zukunft, so der Referent, scheint der Vakuum-Bogenlampe, speziell der Wolfram-Bogenlampe, zu gehören. — Sollte es gelingen, das Auflösungsvermögen der fotografischen Schicht zu verbessern, könne auch das Bildformat erheblich verkleinert werden. Das Problem der Farbe und der Stereoskopie wird mit Gewissheit gelöst werden, auch wenn bis dato noch alle Ansätze zu einer Bewältigung fehlen.

 

Auf einer Vorstandssitzung am 11. Juli wurde beschlossen, Hans Pander, Berlin, mit dem Amt eines offiziellen Berichterstatters der D.K.G. zu betrauen. Er soll in Zukunft von jeder Sitzung der Gesellschaft einen offiziellen, gemeinverständlichen Sitzungsbericht an alle infrage kommenden Zeitungen und Zeitschriften verteilen

 

Die 10. Ordentliche Sitzung der D.K.G. am 11. Oktober 1921 fand im Projektionssaal der Optischen Anstalt Goerz in Berlin-Friedenau statt, deren Direktor, Dr. Weidert, in einem Vortrag über die Herstellung optischer Gläser berichtete. Der zweite Teil brachte die Demonstration einer Bell & Howell-Kamera, die der D.K.G. durch die Vermittlung von Direktor Waschneck seitens der Europäischen Film-Allianz zur Verfügung gestellt worden war. Die Kamera ist handlicher und kleiner als dies die zahlreichen bekannten Abbildungen vermuten ließen. Sie gefiel durch die gediegene und saubere Art ihrer Konstruktion sowie die Zuverlässigkeit des Funktionierens. Sie ist erheblich stabiler und widerstandsfähiger als beispielsweise die Kamera von Debrie, die jedoch in aufnahmetechnischer Hinsicht konstruktiv überlegen zu sein scheint.

 

Die 11. Ordentliche Sitzung der D.K.G. fand am 15. November 1921 wieder in der TU in Berlin statt. Professor Dr. A. Miethe referierte über das, was sich bisher bei der Prüf- und Versuchsanstalt für Kinotechnik ergeben hat. Er erwähnte, dass Oberregierungsrat Dr. Forch zum Honorarprofessor an der Hochschule ernannt worden sei und einen Lehrauftrag für Kinotechnik erhalten habe. Oberregierungsrat Professor Dr. Forch und Dr. Lehmann seien für die Ausführung der wissenschaftlichen Arbeiten der Anstalt gewonnen worden, Ersterer als Physiker, letzterer als Chemiker. Es bestünde schon bei verschiedenen Studenten der Hochschule die Absicht, ihre Diplom- und Doktorarbeiten an der neu gegründeten Kinotechnischen Versuchsanstalt zu machen.

 

Bereits Mitte Oktober war in der „Kinotechnik“ das Gründungs-Statut der Prüf- und Versuchsanstalt für Kinotechnik an der Technischen Hochschule Berlin veröffentlicht worden. Sie wurde in Zusammenarbeit der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft mit dem preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ins Leben gerufen. Zugleich wurde ein Lehrstuhl für Kinotechnik, der mit der neuen Prüf- und Versuchsanstalt Hand in Hand arbeiten soll, an der Abteilung für Chemie und Hüttenkunde an der Technischen Hochschule zu Berlin errichtet. Der Vorstand der Kinotechnischen Gesellschaft hat im Einvernehmen mit der Regierung einen Ausschuss der Kinotechnischen Gesellschaft für die Prüf und Versuchsanstalt ernannt.

Er teilte außerdem der Gesellschaft mit, dass die geplante Zusammenarbeit mit der Deutschen Filmschule in München leider nicht in der Weise durchführbar war wie dies seitens der D.K.G. beabsichtigt und zugesagt worden sei. Da das bayerische Kultusministerium hinsichtlich der festen Anstellung einer bestimmten Person an der Staatlichen Höheren Fachschule für Photo- und Kinotechnik in München, den die D.K.G. in Vorschlag gebracht hatte, Schwierigkeiten mache, müsse die D.K.G. ihre Verantwortung für die Besetzung des Kinotechnischen Lehrstuhls ablehnen.

 

  • Anmerkung: Tatsächlich wurde am 4. November die Deutsche Filmschule in München eröffnet. Die deutsche Filmschule e.V. war eine private Lehranstalt – mit Ausnahme der technischen Abteilung, der bereits zu Beginn eine staatliche Eigenschaft gegeben wurde, so dass die Angliederung an die staatliche Lehr-Versuchsanstalt für Photographie erfolgen konnte, die sich dann Höhere Fachschule für Photo und Kinotechnik nannte. In seiner Rede zur Eröffnung betonte Ministerialrat Korn als Vertreter des Verwaltungsrates dass er hoffe, die Unkultur und den Kitsch von den Lichtspielbühnen damit fernhalten zu können.

 

Die D.K.G. zählte zum gleichen Zeitpunkt 153 ordentliche Mitglieder, darunter 34 korporative.