Full-HD- und UHD-Gerätetest mit einfachen Mitteln ohne Messgeräte

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Unser FKTG-Mitglied Florian Friedrich informierte mich davon, dass er gerade zusammen mit Joe Kane, einer bekannten Hollywood-Größe, Ehrenmitglied der SMPTE zum Beispiel und Produzent der DVE HD Basics, ein Set aus den wichtigsten Testbildern für Full HD und UHD veröffentlicht hat. Man findet die Produktseite unter http://quality.tv/full-hd_uhd_universaltest . Dieser „Quality.TV Universaltest“ entstand unter anderem in Zusammenarbeit mit mehreren Redaktionen, zum Beispiel  von audiovision, Audio Video Foto Bild, CE Markt und anderen. Es wirkten weitere internationale Testredaktionen mit, um praktische Optimierungen für den möglichst effizienten Testalltag einfließen zu lassen.

Ziel: Ideales Bildqualitätswerkzeug

Ziel war es, ein ideales Bildqualitätswerkzeug zu entwickeln, das sowohl dem privaten heimischen Fernsehinteressierten, dem Fachhandel, Institutionen oder Labors zur Verfügung stehen kann und gleichzeitig auch eine Ausgangsbasis für die Tests bekannter Zeitschriften und Online-Portale bieten soll. Das Ergebnis sind elektronisch erzeugte Test-Files, die über das Fernsehgerät, Display, Projektor usw. wiedergegeben werden und mit deren Hilfe eine perfekte bzw. die jeweils maximal möglich optimierte Einstellung der Bildparameter auf einfachste Weise erreicht werden kann. Interessant ist auch, dass die Testfiles so preiswert sind, dass sie selbst für jeden privat an der Thematik interessierten keine finanzielle Hürde darstellen. Es ist in meinem Blog normalerweise nicht üblich,  Preise zu nennen, aber keine Regel ohne Ausnahme: Der Preis beträgt je 14,95 Euro für die Full-HD- oder UHD-Version, für alle beiden Versionen zusammen 19,95 Euro.

Das Paket für Full-HD (1920x1080 Pixel) bietet ein MP4 codiertes File (H.264) und ein M2TS-File, die man downlädt und dann zum Beispiel auf ein USB-Stick kopiert und über den Fernseher abspielt. Ferner bietet dieses Paket ein ISO-Image zum Brennen einer Blu-ray, falls man das Signal über einen Blu-Ray-Player einspeisen will. Die UHD-Version (3840x2160 Pixel) bietet ebenfalls ein H.264 codiertes MP4- und ein HEVC codiertes File.

Testmöglichkeiten

Jedes File (Videofilm) hat eine Laufzeit von 5 Minuten und enthält 10 hintereinander laufende Testbild-Einzelvideos. Die Testbilder ermöglichen die

  • Einstellung von Helligkeit und Kontrast im Universaltestbild (siehe Foto) sowie mit black level- und white level-Testbildern
  • Einstellung der Farbsättigung im Universaltestbild sowie mit dem neuen "R,G,B only" Testbild mit Farbsättigungs- und Farbluminanz-Stufe
  • Optimierung der Bildschärfe  im Universaltestbild sowie mit dem Overscan- oder Pixel Phase-Testbild
  • Feststellung und Beseitigung von unerwünschten Nebeneffekten so genannter "Bildverbesserungs-Schaltungen" im Universaltestbild sowie in der RGBW-Zonenplatte
  • Bewegungsdarstellung im Kino-Look oder mit Zwischenbildberechnung (Video-Look) mit einem Lauftext-Testbild
  • Test der wichtigsten Qualitätsfaktoren eines Fernsehers inklusive Scaling, Farbdecoding, Framerate Conversion
  • Feststellung des Dynamikumfangs bei HDMI-Zuspielung (Full range oder limited range)

Insgesamt lassen sich damit auch Tests  mit verschiedenen Playern, Einstellungen und Signalverbindungsarten ausführen und bieten so bereits nach einem Durchlauf von 5 Minuten einen weitreichenden Überblick über die Bildqualität eines Geräts. Irgendwelche Messgeräte sind nicht nötig.

Eigene Erfahrungen

Ich hatte Gelegenheit, meine häuslichen Geräte mit dem Full-HD-Paket durchchecken zu können, ein UHD-Gerät besitze ich nicht. Nach Download der zwei Files stellte ich sie in meinen Server, um sie mit einem üblichen 42-Zoll-TV-Empfänger, einem Laptop mit über HDMI angeschlossenem 27-Zoll-Monitor, dem Samsung Tablet Note 10 und dem iPAD Version 3 wiederzugeben. Es ergaben sich zum Teil ganz unerwartete Resultate. So zeigte sich, dass der bei mir am Fernsehgerät eingestellte Hersteller-„Standard“ einen Overscan von etwa 4% hatte und sich zwischen 50 und 100% HD dadurch deutlich erkennbare Rundungsfehler ergaben. Nach individueller Einstellung auf Null Prozent Overscan war auch der Rundungsfehler weg und eine 100%ig hervorragende Schärfe. Bei meinem relativ neuen Windows-Laptop war beim Laptop-Display doch gegenüber dem angeschlossenen 27-Zoll-Monitor eine deutlich geringere Dynamik der Leuchtdichte zu sehen. Was mich viel mehr verblüffte war ein Vergleich verschiedener Media-Treiber. So schien das Laufbild mit dem Windows-Mediatreiber durchaus gut zu sein, als ich dann aber den bisher noch nie benutzten aber „mit gekauften“ Toshiba-Medienplayer verwendete (weil es ein Laptop dieses Unternehmens ist), habe ich „Bauklötzer gestaunt“, über die deutlich verbesserte Bildverbesserung ohne jegliche erkennbare Artefakte, sodass dieser Player ab sofort mein Standard sein wird. Und was die beiden Tablets anbelangt, so hatte insbesondere das iPAD mit dem hauseigenen Treiber eine deutlich harmonischere Farb- und Grauwiedergabe als sie das Android-Tablet, vielleicht auch aufgrund seiner reduzierten Einstellmöglichkeit des Gammas, nicht erreichte.

Ich will Sie jetzt nicht länger mit noch anderen Erkenntnissen belästigen, die sich durch unterschiedliche Artefakte bei der Bewegungsdarstellung ergaben. Sie können aber vielleicht ersehen, was allein bei diesen einfachen, einmaligen Durchläufen unter wahrlich nicht laborgemäßen Situationen an interessanten Aussagen zu treffen waren.

Verbesserungsvorschlag

Noch besser wäre es gewesen, wenn es eine umfangreichere schriftliche Darstellung der Testbilder und ihrer Interpretation gegeben hätte, da in den Testbildern manchmal  eine Anzahl unterschiedlicher  Parameter zu prüfen sind, die sich einem aber nicht sofort erschließen. 

Boljour: Das Weblog von Norbert Bolewski