Gründung der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft

Die Gründung der Zeitschrift „Kinotechnik“ erwies sich als eine wie sich schnell herausstellte hervorragende Plattform, um den Gedanken der fachlichen Informierung der Filmingenieure auszuweiten. Denn es zeigte sich, dass über die Zeitschrift hinaus viel Informationsbedürfnis vorhanden war und auch persönliche Kontakte und der Erfahrungsaustausch als Intensivierung gewünscht wurden. Und so kam es dann, dass sich an einem Freitag, dem 30. April 1920, 22 Herren aus allen Gebieten der Kinotechnik, aus geografisch gesehen Berlin, aus Dresden, aus Jena, im photochemischen Auditorium der Technischen Hochschule zu (Berlin) Charlottenburg versammelten, zu einem Termin der 10 Tage vorher in einer zwanglosen Vorbesprechung festgelegt wurde. Es waren alles Personen, die sich in praktischer oder in theoretischer Hinsicht um irgend ein Feld des Filmingenieurwesens oder um ein ihm nahe verwandtes Gebiet in anerkannter Weise Verdienste erworben hatten: reine Wissenschaftler sowie Aufnahme- und Entwicklungstechniker, Gerätekonstrukteure sowie Rohfilmfabrikanten, Optiker und Beleuchtungsfachmänner, Architekten und Chemiker.

Die Versammlung entstand vor allem durch die persönliche Initiative von Dr. Hans Rolle (Leiter des phototechnischen Dezernats der Ufa und spätere Betriebsleiter der Kopieranstalt der Decla-Bioscop-Gesellschaft in Neubabelsberg, 1924 Schriftleiter der „Kino-Technik“), tatkräftig unterstützt durch die Herren Guido Seeber (Filmpionier, Kameramann, Leiter des ersten Studios in Babelsberg), Karl Freund (Kameramann der Ufa, später durch seine „entfesselte Kamera“ im Film „Der letzte Mann“ berühmt geworden) und Kurt Waschneck (Kameramann, Produktionsleiter, Technischer Direktor der P.-A.-G. Union, Berlin-Tempelhof). Alle vier hatten vorher Einladungen an bekannte Filmingenieure und Fachwissenschaftler Deutschlands versandt, die fast alle der Gründung einer solchen Fachgesellschaft zustimmten. Die Berliner Geladenen versammelten sich nahezu vollzählig in den Räumen, die Geheimrat Prof. Dr. Adolf Miethe (Inhaber des Lehrstuhls für Photochemie, Photographie und Spektralanalyse, TU Berlin) für diesen Zweck zur Verfügung stellte und die auch künftig oft als Treffpunkt dienten. Bereits nach einer kurzen Aussprache schritt man zur feierlichen Gründung der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft, deren erster Vorstand sich dann zusammensetzte aus:
 

  • Oskar Messter (Vorsitzender),
  • Guido Seeber (stv. Vorsitzender),
  • Dr. Hans Rolle (Geschäftsführender Vorsitzender),
  • Dr. Konrad Wolter (Schriftführer, bereits Schriftleiter der „Kinotechnik“),
  • Geheimrat Prof. Dr. Carl Forch (stv. Schriftführer),
  • Willi Böcker (Kassenwart),
  • Prof. Otto Mente bzw. Direktor Kurt Waschneck (ab September 1920) (stv. Kassenwart) sowie
  • Geheimrat Prof. Dr. Miethe und Prof. Dr. Goldberg (beide Beisitzer).

Der Jahresbeitrag wurde für persönliche Mitglieder auf 50 Mark, für korporative Mitglieder auf 200 Mark festgelegt. Der Erhalt der „Kinotechnik“ war darin nicht eingeschlossen. Sie kostete im Abonnement vierteljährlich 6 Mark (Einzelheft 2 Mark). Da in Deutschland ab 1918 die Inflationsrate sehr hoch war (aber noch nicht die Hyperinflation, die kam 1923), lassen sich die Beträge nicht genau bewerten, aber sie waren vergleichbar mit anderen Mitteln des damaligen täglichen Lebens als moderat bezeichnen.