Historie Magnetbandtechnik: 75 Jahre öffentliche Vorführung des HF-Magnetophons

Friedrich Engel ist einer der profiliertesten Historiker für den Bereich Magnetband und Magnetbandtechnik.  Er war während des überwiegenden Teils seines Berufslebens als Anwendungstechniker Magnetband bei BASF Aktiengesellschaft tätig, u.a. von 1975 bis 1996 für deren Technische Datenblätter Magnetband zuständig. 1984 brachte ihn die Organisation einer internen Ausstellung "50 Jahre Magnetband" erstmals in näheren Kontakt mit der Geschichte dieses Speichermediums. In den nächsten Jahren folgten, vielfach in Zusammenarbeit mit unserem verstorbenen FKTG-Ehrenmitglied Heinz Thiele, Publikationen zur Geschichte der magnetischen Aufzeichnungstechnik. Seit 1997 betreute er durch freie Mitarbeit im Unternehmensarchiv der BASF SE, zahlreiche Publikationen im Deutschen Technikmuseum Berlin, dem Betriebsarchiv Wolfen u.a.m. Schwerpunkte waren die historische Entwicklung der Magnetspeichertechnik und der Magnetbänder.


Vor kurzem erreichte mich nun ein Bericht aus diesem Historienbereich, die wohl recht unbekannt ist, nämlich die erste öffentliche Vorführung des HF-Magnetophons am 10. Juni 1941 – also vor 75 Jahren. Er verweist auf eine musikgeschichtliche Tatsache, die seines Wissens bisher noch nirgends aufgefallen, geschweige denn gewürdigt worden wäre: die Datierung der ersten Magnetophon-Aufnahme Wilhelm Furtwänglers.  Da wir in unserer FKTG zahlreiche Mitglieder haben, die sich auch für die Historie der Magnetband-Audiotechnik interessieren, stelle ich seinen Bericht hier in meinen Blog ein. Friedrich Engel legt Wert darauf, insbesondere die Abschlußzeilen seines Berichts zur Kenntnis zu nehmen, denn gerade im Juni 1941 erfolgte ja der Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion.  "Als Verfasser" - so schrieb er - "lege ich Wert darauf, keiner Verharmlosung oder Banalisierung der Zeitgeschichte Vorschub zu leisten. Es geht nicht zuletzt um den zeittypischen Kontrast und Widerspruch zwischen künstlerisch-technischen Höchstleistungen und bis zum Verbrechen verantwortungsloser Politik mit Akten beschämendster Unmenschlichkeit. Ein beträchtlicher Teil unseres jüngeren kulturellen Erbes ist auf Trägern festgehalten, deren entscheidende Entwicklungsphase in diese Zeit fällt."

Der Bericht wurde von ihm als pdf-File versandt und kann hier heruntergeladen werden

Das nebenstehende Bild zeigt das Laufwerk des Magnetophons K 4, „Basisgerät“ mit Gleichstrom-Vormagnetisierung. Äußerlich wird sich das am 10. Juni 1941 benutzte Gerät kaum davon unterschieden haben; Änderungen betrafen Lösch- und Aufnahme-Kopf sowie weitgehend neu entwickelte Verstärker (u.a. HF-Generator für Vormagnetisierung und Löschen, angepasste Entzerrung bzw. Frequenzgang-Auslegung).

 

Boljour: Das Weblog von Norbert Bolewski