Virtuelle Wolken - Schönwetter oder Gewitter?

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Der dritte Themenblock adressierte die Verlagerung von Funktionen typischer Broadcast-Hardware in virtuelle Server, Data Center und die Cloud.

Mario Weigmann von der Deutschen Welle in Berlin stellte eindrucksvoll die Erfahrungen bei der Virtualisierung von Infrastruktur, Anwendungen, sowie von Desktops beim Umbau der Regien der Deutschen Welle vor. Basis für die Virtualisierung von Rechnern ist ein Blade-basierter VMWare-Cluster, der 288 genutzte Maschinen auf ein Rack mit 7HE konzentriert. Bei der Virtualisierung von Desktops wurde mit Zero-Clients eine Verdoppelung der Arbeitsplätze bei gleichzeitiger Halbierung des Rack-Bedarfs und einer Reduktion des Energieverbrauchs incl. der Klimatisierung auf ein Zehntel erreicht.

Rainer Schäfer vom IRT und Rainer Kellerhals von Microsoft regten mit zwei Impulsreferaten eine Diskussionsrunde zum Thema „Cloud-basierte Medienproduktion“ an. Rainer Schäfer verwies auf potenziell unterschiedliche Sichtweisen bei IT oder Technik, Journalisten, Datenschützern bzw. Juristen, sowie dem Zuschauer. Ängste könnten nur mit einem gemeinsamen Verständnis abgebaut werden. Bei der Migration herkömmlicher Broadcast-Hardware in die „echte, elastische und selbstskalierende“ Cloud gäbe es mehrere Zwischenstufen über flexibel programmierbare Hardware und die Virtualisierung in eigenen Rechenzentren, die je nach Anwendung und Anforderung durchaus ihre Vorteile besitzen. Als Basis für eine strukturierte Migration könne ein Enterprise Architecture Management (EAM) dienen, wie es in einem eigenen Projekt des IRT in Kooperation mit der AG Mediensysteme in mehreren Workshops im Laufe des letzten Jahres diskutiert wurde. Als prominentes Beispiel verwies er auf den Beitrag von Thomas Edwards von Fox Networks anlässlich des FKTG-Panels auf der IBC 2016, in dem die komplette Migration des Zulieferungs- und Abnahme-Vorgangs in die Cloud vorgestellt wurde. Im IRT werde derzeit ein erstes Testprojekt mit zwei

industriellen Partnern gestartet, das die Portierung einfacher Live-Workflows in ein Datacenter oder eine Cloud zu Ziel hat. Letztendlich sei aber gezielt der Mehrwert der Cloud oder einer anderen Realisierungsform zu bestimmen und für Entscheidungen ausschlaggebend. Ein Mehrwert „echter Clouds“ könne die Einbindung dort verfügbarer Dienste in eigene Workflows sein.

Solche Dienste stellte Rainer Kellerhals am Beispiel der Microsoft Azure Media Services als einen der führenden Anbieter vor. Viele Anbieter im Rundfunkbereich bieten bereits Software as a Service auf dieser Basis an, eine weitere Einbindung von Microsoft-Grundfunktionen könne zusätzlich harmonisieren und Effizienz steigern. Als konkrete Anwendungen auf der Basis von Azure nannte er ScreenerONE, ein bei der UFA zwischen den Standorten eingesetztes Collaboration Tool, den MXF-Analyzer des IRT, den MXF-Legalizer von Cubetec, sowie eine automatisierte Content-Analyse und Metadaten-Extraktion von GrayMeta, die Cloud-basierte Funktionen wie Video OCR, Keyword-Extraktion, Gesichts- und Stimmungserkennung integriert.

Im anschließenden Panel vertieften Michael Gamböck von Adobe,  Jochen Pielagevon AVID, Michael Bauer von Sony, Jens Gnad von LogicMedia als Partner von Amazon Web Services und Rainer Kellerhals zu dem Thema. Cloud-Dienste sind insbesondere für die file-basierte Produktion und eine dezentrale Kooperation längst Realität. Auch für Live-Produktionen finden erste testweise Implementierungen statt. Die Latenzen für Server und Netze sind im Vergleich zu den Latenzen der nötigen Codecs für die Signalzuführung gering. Sie sind nur durch eine sehr hohe Bandbreite ausreichend zu reduzieren, dafür bieten viele Cloud-Anbieter aber bereits spezielle Anbindungen an. PTP wird in der Cloud noch nicht unterstützt.

Bericht von Rainer Schäfer -

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