Sind Sie Cloud-ready?

Seite ausdrucken und/oder als E-Mail versenden
Beiträge von FKTG-Mitgliedern - Für die Inhalte sind die Autoren verantwortlich

Die Zeiten, in denen die Rechner nur mit ihrer eigenen Rechenleistung und Speicherkapazität arbeiteten, sind längst passé. Denn die Cloud stellt all diese IT-Infrastrukturen außerhalb des Rechners zur Verfügung, in nahezu unbegrenztem Maße. Selbst die Software muss nicht mehr auf dem Rechner liegen, auf dem sie benutzt werden soll. Im privaten Bereich erfreut sich die Cloud großer Beliebtheit, auch in den Medien ist sie präsent. Die unternehmerische Sparte indes reagiert zurückhaltend – auch die öffentlichen Rundfunkanstalten nutzen die Cloud bisher lediglich für einige spezielle Workflows und Anwendungsbereiche. Madeleine Keltsch vom Institut für Rundfunktechnik (IRT) erwartet hier eine Strategie für das große Ganze. Ohne diese, so ist Keltsch überzeugt, könne man die Vorteile der Cloud nicht nutzen. Schließlich ist es keineswegs damit getan, lediglich die Daten auszulagern.

Warum überhaupt eine Cloud?
Der technologische Fortschritt, allem voran die digitale Transformation, verändert den Zugang zu und die Produktion von Inhalten beim Rundfunk. Denn Inhalte können heute von jedem generiert und über Portale wie YouTube verbreitet werden. Die Konkurrenz wird größer, die Luft dünner – die Monopolstellung des klassischen Rundfunks bröckelt. Der Rundfunk muss handeln, nur dann kann er konkurrenzfähig bleiben, seine Bedeutung behalten und damit auch seinen Auftrag erfüllen.

Die Kundenwünsche sind die Treiber dieser Entwicklung: Die Zuschauer möchten von verschiedenen Endgeräten aus auf die Inhalte zugreifen können, und zwar on-demand. Auch die Mitarbeiter wollen flexibel mit allen möglichen Endgeräten arbeiten. Eine Möglichkeit, diesen Wünschen zu begegnen, liegt in der Nutzung von Cloud-Lösungen: Sie sind ständig verfügbar, werden nach Bedarf abgerechnet, sind skalierbar, arbeiten schnell. Somit könnten sie ein Mittel sein hin zum digitalen Rundfunk von morgen.

Geschäftliche Herausforderungen
Allerdings birgt die Cloud auch Herausforderungen – schließlich verbirgt sich dahinter nicht nur eine Technologie, sondern auch ein Business-Modell. Es findet ein Paradigmenwechsel statt vom Kaufmodell zum Mietmodell. Dies wirkt sich auf die Kostenplanung aus, denn die Investitionsausgaben verlagern sich zum Teil hin zu den Betriebskosten. Auch das bestehende Monolithen-System dürfte sich kaum noch aufrecht erhalten lassen. Was das heißt, lässt sich am besten an einem Beispiel erläutern, sagen wir an den Schnittsystemen. Diese werden üblicherweise als Komplettbox gekauft, die sowohl Hardware als auch Software umfasst. Nutzt man eine Cloud, wird das überflüssig – man kauft stattdessen den Gesamt-Service „Schnitt“ ein. Momentan mangelt es hier allerdings noch an entsprechenden Angeboten mit flächendeckend verfügbaren breitbandigen Netzzugängen.

Da die Cloud unbegrenzten Speicherplatz bietet, lassen sich deutlich mehr Kundendaten sammeln als bisher – anonymisiert versteht sich. Differenzierte personelle Angebote werden möglich, wobei es auf die Einhaltung des Datenschutzes zu achten gilt. Auch gilt es, die Vertragsbedingungen detailliert festzuschreiben. Denn von einem Anbieter zu einem anderen zu wechseln, hält Keltsch für nicht allzu einfach. Zwar gebe es Standardisierungsversuche, allerdings scheinen die Anbieter kein allzu großes Interesse zu haben, an einer Interoperabilität zu arbeiten. Und – last but not least – habe ein Wechsel hin zur Cloud auch personelle Folgen: Die Mitarbeiter brauchen neues Know-How.  

Technische Herausforderungen
Nicht für alle Anwendungen ist eine Auslagerung in die Cloud sinnvoll. Denn teilweise gibt es die entsprechenden Services noch nicht oder es handelt sich um sensible Daten, die – etwa zum Schutz von Informanten – nicht ausgelagert werden sollten. Es gilt daher, beide Welten miteinander zu verbinden. Ein Hybrid-System hält Frau Keltsch daher für sehr wahrscheinlich. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Verfügbarkeit: Setzt man auf die Cloud, macht man sich sowohl abhängig vom Anbieter als auch von der Internetverbindung. Wird etwa bei Bauarbeiten versehentlich die Internetleitung gekappt, kann dies schnell zu schwarzen Bildschirmen bei den Fernsehzuschauern führen. Hier braucht es Strategien, um solche Probleme auszugleichen, quasi eine Art Back-up-System. Was die Datensicherheit angeht, so gilt es laut Frau Keltsch vor allem auf zwei Punkte zu achten: Auf den Schutz der Transportwege sowie der gespeicherten Daten z.B. mittels Verschlüsselung. Sensible Daten sollten keinesfalls ausgelagert werden.

Rechtliche Herausforderungen
Auch rechtlich gesehen bringt die Nutzung der Cloud einige Herausforderungen mit sich. Bisher galt: Der Firmenstandort des Anbieters entschied darüber, welches Recht zum Einsatz kommt. In einem Rechtsstreit zwischen Microsoft und den Vereinigten Staaten im Jahre 2013 hat allerdings ein Gericht in zweiter Instanz Microsoft Recht gegeben: Es sei nicht verpflichtend, Daten herauszugeben, die in Drittländern liegen. Doch nach wie vor gilt: Möchte man seine Daten in eine Cloud auslagern, die deutscher Gerichtsbarkeit unterliegt, sollte man darauf achten, dass sowohl der Firmensitz als auch das Rechenzentrum in Deutschland liegen – so ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Denn die Verantwortung, personenbezogene Daten entsprechend des Bundesdatenschutzgesetzes zu behandeln, liegt beim Auftraggeber, nicht beim Anbieter der Cloudlösung. Allerdings kann ein beträchtlicher Teil der Anforderungen aus dem Bundesdatenschutzgesetz über entsprechende Zertifizierungen – über die eigentlich jedes große Rechenzentrum verfügt - abgedeckt werden.

Der Weg wird nicht an der Cloud vorbeiführen, davon ist Frau Keltsch überzeugt. Allerdings gilt es bei der Umstellung Wildwuchs zu vermeiden, sondern vielmehr strategisch an die Sache heranzugehen. Anders gesagt: Man sollte seine Prozesse und Workflows kennen und genau überprüfen, was man auslagern kann und was besser in-house bleibt. Die Cloud sollte dabei kein Selbstzweck sein, sondern vielmehr Mittel zum Zweck. Denn sie bringt – wie könnte es anders sein – nur da Vorteile, wo sie einen Mehrwert bietet.

Weitere Beiträge von FKTG-Mitgliedern