Spektakuläre Filmaufnahmen mit selbständig per Algorithmus gesteuerten Drohnen

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Die ETH News berichtet über Filmaufaufnahmen spektakulärer Actionsszenen mit Drohnen, die über einen Algorithmus selbständig die vom Regisseur bzw. Kameramann gewünschten Bildkompositionen ausführen können. Diese „Übersetzungsleistung“  bietet die definierte Vorabeinstellung der Parameter, wie Bildausschnitt, die zu verfolgende Person oder Kranen- sowie Kamerafahrten, die  ausgeführt werden sollen. Hinzu kommen räumliche Begrenzungen, innerhalb derer sich die Drohne frei bewegen kann. Der genaue Weg und Zeitpunkt für Richtungsänderungen werden von der Drohne 50 Mal pro Sekunde neu berechnet. Die dafür benötigen Daten stammen von GPS-Sensoren.

Für einen ersten Machbarkeitsnachweis nutzte der ETH-Doktorand Tobias Nägeli eine einfache Drohne, die über das Internet für weniger als 500 Franken zu kaufen ist. Der Algorithmus läuft nicht auf der Drohne selbst, sondern auf einem externen Laptop, der über Funk und Richtstrahlantenne mit der Drohne verbunden ist. Damit sind Flüge bis zu einer Reichweite von eineinhalb Kilometern möglich.

In einer ersten Publikation Anfang des Jahesr bewies Nägeli gemeinsam mit Forschern des Massachusetts Institute of Technology (MIT), dass die Drohne zuvor definierte Shots unter Berücksichtigung von Bildausschnitt sowie Position und Winkel eines Schauspielers im Bild selbständig ausführen kann.

Dabei erkennt die Drohne auch störende Objekte und weicht diesen automatisch aus. Für eine zweite Publikation beauftragte Nägeli die Filmemacherin Christina Welter der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) damit, eine Szene mit vorgegebener Handlung zu skizzieren, für die normalerweise mehrere Kameras und Schienen für Kamerafahrten nötig wären. Nägeli programmierte zwei untereinander kommunizierende Drohnen mit den entsprechenden Regieanweisungen. Damit gelangen ihm auch traditionell schwierig umsetzbare Aufnahmen, wie eine Kamerafahrt durch ein offenes Fenster oder das Filmen mit zwei Kameras in einem engen Innenraum. Durch entsprechende Programmierung konnte Nägeli ausserdem verhindern, dass sich die Drohnen gegenseitig ins Bild flogen.

Nägeli spielt derzeit mit dem Gedanken, nach Abschluss seiner Doktorarbeit einen Spin-off zur Vermarktung der Technologie zu gründen. Die ETH Zürich hat bereits ein Patent für den Algorithmus angemeldet. Nägeli ist überzeugt, dass Medien- und Filmproduktionen ein Interesse daran haben könnten. Dies zeigt unter anderem ein Forschungsprojekt mit Beteiligung von Deutsche Welle und der italienischen RAI, das von der EU im Rahmen von Horizon 2020 gefördert wird. Ein erstes Einsatzgebiet für die Algorithmen sieht Nägeli bei Sportübertragungen für das Fernsehen, zum Beispiel für Skirennen.

N. Bolewski


  • Eine ausführlichere Information findet man hier
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