UHD in Europa

Seite ausdrucken und/oder als E-Mail versendenSeite ausdrucken und/oder als E-Mail versenden
Beiträge von FKTG-Mitgliedern

Die IABM ist der internationale Fachverband für Anbieter von Broadcast- und Medientechnik. Die IBC2017 wird am 15. September im Rahmen der IABM State of the Industry Conference Session neue Daten zur UHD-Adoption durch die Rundfunkanstalten aus der alle zwei Jahre stattfindenden IABM-Endverbraucherbefragung vorlegen. Im Vorfeld dazu berichtete Lorenz Zanni, Forschungsanalyst der IABM, über den derzeitigen Stand von UHD in Europa.


HDTV heute fester Bestandteil der europäischen Haushalte

Der Übergang zu HD war in den letzten zehn Jahren einer der wichtigsten Ausgabenfaktoren für Medientechnologie in Europa. Die Rundfunkanstalten rüsteten ihre Infrastruktur für die gesamte Content-Produktion und -Übertragung auf, um HD-Aufnahmen und -Sendungen zu ermöglichen. Dies führte zu einer signifikanten Investitionswelle, die insbesondere im Zeitraum 2009 bis 2012 das Wachstum der Anbieter von Medientechnik beflügelte. Der Übergang zu HD ist inzwischen ausgereift, obwohl HD-Kanäle weiterhin gestartet werden, zum Beispiel durch die Kabeldigitalisierung in Nordeuropa und HD-Ausgaben für den Ersatz von Geräten, die vor zehn Jahren installiert wurden und deren Nutzungsdauer nun dem Ende zugeht. Jüngsten Zahlen zufolge ist HDTV inzwischen ein fester Bestandteil der europäischen Haushalte.

UHD liegt hinter den Erwartungen zurück

Die Fachwelt der Medientechnik hat darauf gewartet, dass das Gleiche mit UHD passiert.

UHD-Formate bieten höhere Pixelauflösungen (4K, 8K), höhere Bildraten (HFR), höhere Dynamikbereiche (HDR), größere Farbräume (WCG) und/oder deren Kombinationen - UHD-Erweiterungen wie HDR und HFR können auch HD-Sendungen hinzugefügt werden.

UHD gilt als das nächste natürliche Upgrade für Broadcaster. Mehrere Anbieter von Medientechnik haben daher massiv in die Entwicklung UHD-fähiger Produkte investiert, um die potenzielle Investitionswelle der Rundfunkanstalten zu nutzen. Doch obwohl die UHD-Einführung noch immer langsamer als erwartet verläuft, ist Europa bei den UHD-Einführungen besser als andere Regionen, schreibt Zanni. Dies hat sich in höheren F&E-Ausgaben niedergeschlagen. Die Zahl der gestarteten Kanäle liegt jedoch hinter den Erwartungen der Fachwelt zurück - insbesondere in Bezug auf UHD.

Hohe F&E-Ausgaben bei gleichzeitig geringer Akzeptanz bei den Kunden führten zu einem verstärkten Druck auf die Margen von Zulieferern, die stark auf UHD gesetzt hatten. Trotz der geringeren als erwarteten UHD-Aufnahme kann Europa als das Gebiet betrachtet werden, in dem mehr UHD-Initiativen gestartet wurden.

Die Daten ausgehend von April 2017

Die IABM hat sich die Daten des UHD Forums - zuletzt aktualisiert im April 2017 - zu den weltweiten UHD-Einsätzen angesehen und festgestellt, dass fast die Hälfte (45 %) der eingeführten Dienste europäische Initiativen sind. Asien-Pazifik hat einen Anteil von 31%, während Nordamerika nur 20% hält.Das zeigt, dass die UHD-Einführung zwar noch langsamer als erwartet verläuft, dass Europa aber bei den UHD-Einführungen besser abschneidet als andere Regionen.

Die meisten UHD-Kanäle wurden von Pay-TV-Betreibern ins Leben gerufen. Dies lässt sich an den europäischen Ländern mit der höchsten Anzahl von UHD-Initiativen in Großbritannien und Frankreich ablesen. In Großbritannien starteten BT und Sky im Sommer 2016 4K-Initiativen. BT hat im August 2016 seinen 4K/UHD-Service auf IPTV eingeführt, der Live-Sportarten wie die UEFA Champions League und die Premier League umfasst.

Seit August 2016 überträgt Sky Sport, Filme und Fernsehsendungen in 4K/UHD via Satellit und ab August 2016 auch über die Sky Q-Technik.

In Frankreich starteten IPTV-Anbieter wie Orange France und Free zwischen 2015 und 2016 4K-Angebote. Orange lancierte 2016 ein 4K-Angebot mit Sport- und Netflix-Programmen, während Free ab Ende 2015 einen 4K-Kanal - das Festival 4K - mit Musikfestivals, Konzerten und Unterhaltungsveranstaltungeneinführte. Weitere 4K-Angebote in Frankreich wurden von Fransat und SFR über Satellit bzw. IPTV gestartet

Kommerzielle und öffentlich-rechtliche Sender haben sich nicht über die Sendeversuche im hochauflösenden Format hinaus gewagt - und/oder gelegentliche Sendungen für spezielle Live-Events. Grund hierfür ist das geringe Potential an Umsatzsteigerungen von UHD im kommerziellen Rundfunk gegenüber Pay-TV. Tatsächlich kann das Angebot von UHD-Kanälen in PayTV-Bundles ein Abonnement und damit einen Umsatztreiber darstellen, während das gleiche nicht für ein kommerzielles Umfeld gilt, d. h. der Wert für die Werbeanbieter korreliert nicht mit der Bildauflösung.

UHD zur Zeit ein Nischenmarkt in Europa

Dies ist der bisher größte Unterschied zwischen HD und UHD in Europa. Während HD schnell zum Mainstream-Status aufstieg und zum De-facto-Qualitätsformat für kommerzielle und abonnementbasierte Sender avancierte, ist UHD bisher ein Nischenmarkt für Pay-TV-Betreiber. Rund 88% der UHD-Bereitstellungen in Europa wurden von Kabel-, IPTV- oder Satellitenbetreibern durchgeführt, wobei IPTV die beliebteste Plattform ist.

Das unterscheidet sich von Nordamerika, wo 64% der Initiativen durch OTT-Dienste gestartet wurden. Dieser Unterschied schlägt sich in unterschiedlichen Dienstleistungen auf beiden Kontinenten nieder: In Europa herrscht Live vor, während VOD in Nordamerika weit verbreitet ist.

Es ist sehr ungewiss, ob sich das ändern wird. Mehrere kommerzielle Rundfunkanstalten, die unter dem Druck eines stagnierenden Werbewachstums stehen, setzen bei der Anschaffung von Rundfunk- und Medientechnik auf Effizienzaspekte statt auf Auflösungsverbesserungen.

Man darf deshalb auf neue Ergebnisse, die auf der Konferenz am 15. September vorgetragen werden gespannt sein.

Norbert Bolewski


Der Artikel ist überwiegend die freie Transkription eines Berichts von Lorenzo Zanni  (persönliche Anmeldung erforderlich)

Weitere Beiträge von FKTG-Mitgliedern