Ist UHD TV auf dem Vormarsch oder blockiert?

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Obwohl die Ultra HD-Basisband- und Verbreitungsstandards festgelegt sind, sind Ultra HD (UHD)-Übertragungsangebote nach wie vor äußerst selten. Die Konsumenten erhalten Ultra HD-Inhalte meist auf Ultra HD Blu-Ray, über Pay-TV-Anbieter wie Sky oder über OTT-Anbieter wie Netflix und Amazon, die ihr Eco-System "besitzen".

Für die Rundfunkanstalten gibt es mehrere Faktoren, die die breitere Marktakzeptanz bremsen. Auch wenn es mittlerweile einen Konsens darüber gibt, dass High Dynamic Range (HDR) ein Muss für jeden neuen Dienst in Ultra HD ist und dass er selbst für HD-Fernseher einen erheblichen Mehrwert bringt, sind die Fernsehveranstalter um die operationellen Auswirkungen besorgt und unsicher, was die richtige Investitionsentscheidung sein könnte.

Die Akteure der Branche sind kurzsichtig in der Überzeugung, dass die Einführung individueller HDR-Lösungen die Marktakzeptanz schneller und zu ihrem eigenen Vorteil vorantreiben wird.

Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Investitionen und neue Service-Rollouts wurden auf Eis gelegt, bis sich die Branche stabilisiert hat.

Um dies zu vermeiden, wurden große Hoffnungen in zwei Verbände gesetzt: die Ultra HD Alliance,"kreiert im Sinne des Verbrauchers" und auf die Qualität der Erfahrung ausgerichtet; und das Ultra HD Forum, das "die Marktführer aus allen Bereichen der Branche - Rundfunkanstalten, Dienstleister, Unterhaltungselektronik und Technologieanbieter - zusammenbringen soll, um zusammenzuarbeiten".

 

IBC2017: UHD Forum Session: Ultra HD - wo wir sind und wo gehen wir

Die EBU wurde Mitglied in beiden Verbänden, um sicherzustellen, dass den Anforderungen der Rundfunkanstalten Rechnung getragen wird. Im Juli 2017 wurde sie jedoch aufgrund eines Beschlusses des EBU-Fachausschusses für Technik in die Ultra HD Alliance aufgehoben.

Derzeit wird viel über Crosskonvertierung zwischen verschiedenen HDR-Standards, Unterstützung von HDR in Endgeräten, Rückwärtskompatibilität und ob statische oder dynamische Metadaten oder überhaupt keine Metadaten verwendet werden sollen, diskutiert.

In ähnlichen Situationen der Vergangenheit dienten zukunftsweisende und einzigartige Logos wie die HDTV-Logos von Digital Europe als Orientierungspunkte für den Markt.

Bei Ultra HD konkurrieren derzeit mehrere Logos. Das aktuelle Digital Europe Ultra HD Logo konzentriert sich ausschließlich auf die Auflösung, und ein lang ersehntes Update steht noch aus. Die Ultra HD Alliance hat ein Ultra HD Premium Logo erstellt und führt auf ihrer Website eine kurze Liste von konformen Produkten. Das von Samsung und Amazon (u.A.)  entwickelte  HDR10+ Verfahren verwendet dynamische Metadaten, die auf einem SMPTE-Standard basieren, ähnlich wie Dolby Vision. Und Eurofins hat ein weiteres Schema mit dem Namen 4K HDR Ultra HD definiert.

Studien von BBC, IRT, EBU, dem 4Ever-Projekt und NHK haben den wahrnehmbaren Wert des Fernsehens mit höherer Bildrate (HFR) (für HD und Ultra HD), insbesondere für Fast-Motion-Genres, bewiesen.

Fazit bisher: Die Industrie hat eine sehr zersplitterte Umgebung geschaffen, die es den öffentlich-rechtlichen Sendern erschwert, in den Ultra HD Zug zu steigen.

 

HFR könnte nächste Entwicklungsstufe werden

Angesichts der zyklischen Charakters der Feature-Rollouts durch die Unterhaltungselektronik-Industrie für ihre großen Bildschirme (von 3DTV, über 4K-Auflösung, bis hin zu einem breiteren Farbraum und heute HDR), könnte HFR wohl die nächste große Sache sein. Es scheint auch ein einfacherer Übergang zu sein, da es nur zwei Möglichkeiten gibt: 100 oder 120 Hz (120/1.001).

In der Realität sind eine Reihe von Fragen noch offen: Werden CE-Geräte einfache oder komplexere Algorithmen für die Bildratenkonvertierung anwenden, oder werden sie von einem wirklich höheren Bildraten-Rundfunksignal abhängen? Und was ist mit Schnittstellen wie HDMI, um HFR-Signale zu übertragen?

In der Verteilung wäre die Bitratenzunahme eines HFR-Signals aufgrund des Entropiegewinns moderat. Allerdings müssen Probleme der Abwärtskompatibilität mit älteren Standard Frameraten (SFR)-Systemen behoben werden.

Auf der Produktionsseite stehen HFR-fähige Kamerasysteme zur Verfügung, aber die Handhabung der enormen unkomprimierten Bitraten ist eine Herausforderung und erfordert kostspielige IP-Netzwerke mit hoher Bitrate für die Live-Produktion.

HFR-geeignete Mezzanine-Kompressionssysteme sind eine Option, erfordern aber eine Standardisierung und erhöhen die Komplexität in der Produktionskette.

Optionen

Mit allen Technologieoptionen von BT. 2020 könnte die Branche idealerweise ein adaptives TV-System anstreben, das je nach der Eignung für ein bestimmtes Content-Genre die richtige Auflösung, Dynamikumfang und Bildrate wählt.

Die Industrie fragt die EBU häufig nach klaren Signalen, wann öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten Ultra HD TV-Dienste einführen werden.

Die EBU ist jedoch verpflichtet, im Interesse ihrer Mitglieder zu handeln, indem sie gemeinsam auf eine überschaubare Anzahl offener und stabiler Standards hinarbeitet, Marktleitlinien bereitstellt und Best Practices entwickelt.

Wenn die Industrie wirklich große Innovationen wie Ultra HD TV einführen will und danach schnelle Investitionen von Fernsehveranstaltern und Contentprovidern haben will, dann braucht es einen anderen Ansatz: eine Allianz zwischen Nutzern und Industrie um eine begrenzte Anzahl an Standards und Logos klar zu definieren.

Die nächste große Sache hat sich noch nicht erledigt - HFR-Fernsehen oder sogar ein adaptives TV-System.

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