Empfängerkompatible Erweiterung von DAB+ zur Unterstützung lokaler Programmangebote

Vortrag 29: Fabian Schrieber

Der digitale Hörfunk DAB+ wird derzeit in Deutschland eingeführt und soll den analogen Hörfunk als letztes analoges Massenmedium digitalisieren – nachdem dies beim Mobilfunk und beim Fernsehen längst erfolgt ist. Eine Besonderheit von DAB ist, dass es als erstes kommerzielles System die Übertragungs-technik OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplexing) nutzt, das seitdem weit verbreitet ist (z.B. beim terrestrischen Fernsehen, Mobilfunk der 4. Generation (LTE) und WLAN). Die Nutzung von OFDM ermöglicht es, dass DAB+-Sendernetze als Gleichwellennetze ausgelegt werden können, die besonders spektrums- und kosteneffizient sind. Der Nutzung von Gleichwellennetzen stehen aber aktuelle Geschäftsmodelle – insbesondere von privaten Hörfunkanbietern – entgegen. Diese strahlen ihre Programme beispielsweise in Niedersachsen zwar über lange Zeiten des Tages landesweit aus, teilen sie aber zu beliebigen Zeiten zur Ausstrahlung lokaler Nachrichten oder Werbeeinblendungen in lokale Versorgungs-gebiete auf. Im Extremfall werden einzelne Lokalprogramme jeweils nur von einem einzigen UKW-Sender ausgestrahlt. Die lokalisierte Werbung stellt für die kommerziellen Programmanbieter nach eigenen Aus-sagen eine erhebliche Einnahmequelle dar.

Die Einführung von DAB+ in Deutschland und die dann folgende mögliche Abschaltung von UKW gerät in Gefahr, wenn private Programmanbieter mit DAB+ ihre derzeitigen Geschäftsmodelle zukünftig nicht mehr realisieren können.

In diesem Vortrag wird vorgestellt, mit welchen Erweiterungen des derzeitigen DAB+-Standards die zeit-weise Auseinanderschaltung von DAB+-Sendern innerhalb von Gleichwellennetzen, möglichst kompatibel zum derzeitigen DAB+-Standard, realisiert werden kann. Eine Schwierigkeit der Bereitstellung lokaler Inhalte bei DAB+ bildet die differentielle Modulation, welche die verschiedenen Programme miteinander koppelt. Das Institut für Nachrichtentechnik hat ein Verfahren erfunden, das kompatibel zu bestehenden Empfängern ist und die Entkopplung der landesweiten Programme von den lokalen Programmen ermöglicht. Dadurch bleibt die Empfangbarkeit der landesweiten Programme bei Präsenz von lokalisierten Pro-grammen ungestört. Die Empfangbarkeit der lokalisierten und landesweiten Programme unterscheidet sich jedoch. Zusätzlich hängt die Empfangbarkeit der lokalisierten Programme nicht nur von den eingesetzten Übertragungsparametern, sondern auch von der verwendeten Datenrate ab. Die Untersuchungen dazu, die sowohl in Computersimulationen als auch in einem kleinen Test-Netz in Braunschweig durchgeführt wurden, werden in dem Vortrag vorgestellt.


Über Fabian Schrieber


Fabian Schrieber studierte von 2009 bis 2015 Elektrotechnik an der Technischen Universität Braunschweig.

In seiner Masterarbeit beschäftigte er sich mit einem Feldversuch zu Redundancy on Demand mit DVB-T2.

Seit seinem Abschluss ist Herr Schrieber als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Nachrichtentechnik der TU Braunschweig tätig.

Dort beschäftigt er sich mit der lokalen Auseinanderschaltung in Gleichwellennetzen bei DAB+.