EAM im Rundfunk – IT-Komplexität beherrschbar machen

Vortrag 37: Peter Altendorf - IRT-- Dirk Vollmerhaus – WDR

Die Medienbranche steht aktuell vor vielfältigen Herausforderungen: Transformationsprozesse zu nicht-linearen, crossmedialen Diensten bzw. Produkten mit vollständig IT-basierten Prozessen sind noch nicht abgeschlossen, im Internet entstehen und vergehen ständig neue Plattformen und Medien- und Informationstechnologien entwickeln sich immer rasanter. Daraus resultierende fachliche Anforderungen an die Technik werden immer dynamischer und führen zu immer komplexeren Abhängigkeiten. Kurzum: die heutigen Systemlandschaften sind oft noch nicht optimal auf die Anforderungen an eine Medienproduktion im digitalen Zeitalter ausgerichtet - aber der Kostendruck nimmt weiter zu.

Enterprise Architecture Management (EAM) ist ein geeigneter Lösungsansatz, um den daraus resultierenden Herausforderungen angemessen zu begegnen. Er ermöglicht den IT-Verantwortlichen, Transparenz über die Systemlandschaften eines Unternehmens herzustellen und sie auf dieser Grundlage proaktiv und zielorientiert weiterzuentwickeln. Mittels EAM können durch Identifikation von Konsolidierungspotentialen und das bewusste Steuern der Komplexität und Änderbarkeit einerseits kostenreduzierende Effekte erzielt werden, andererseits die heute notwendige Flexibilität und Nachhaltigkeit erreicht werden. Hauptaugenmerk ist dabei eine bessere Verzahnung von geschäftlichen und (informations-) technischen Aktivitäten im Unternehmen.

Je nach konkreten Fragestellungen, die mit einer EAM-Initiative beantwortet werden sollen, wird zunächst die bestehende Unternehmensarchitektur analysiert. Dazu ist eine Erfassung der relevanten Elemente aus den verschiedenen Architekturebenen (Geschäftsarchitektur, Anwendungsarchitektur, Datenarchitektur und Technologiearchitektur) notwendig. Nach Festlegung von Architekturprinzipien können Zielarchitekturen modelliert und Migrationsszenarien zur Umsetzung im Rahmen von Projekten abgeleitet werden. Neben der Konsolidierung unterstützen die Architekturprinzipien auch bei Neueinführungen, indem durch diese allgemein gültigen Architekturempfehlungen bei neuen Systemen Flexibilität und Wartbarkeit sichergestellt werden können.

Eine EAM-Initiative umfasst neben den genannten Methoden und notwendigen Datenerfassungen auch immer organisatorische Anpassungen durch die Ausgestaltung entsprechender Organisationsbereiche und die Einführung neuer oder Veränderung bestehender Prozesse, z.B. im Projekt- und Changemanagement.

EAM wird in einigen Branchen, z.B. bei Banken und Versicherungen, schon seit einigen Jahren erfolgreich eingesetzt und findet zunehmend auch in anderen Bereichen Anwendung. Auch einige Rundfunkanstalten in Deutschland und Europa machen bereits erste gute Erfahrungen mit EAM. In ihrem Vortrag führen die Referenten kurz in das Thema EAM ein, liefern Argumente für die Anwendung von EAM im Rundfunk und veranschaulichen anhand von konkreten Beispielen aus der Praxis den Nutzen von EAM. Abschließend berichten sie über den aktuellen Stand zum gemeinsamen Vorgehen in der ARD.


Über Peter Altendorf

Dipl.-Ing. (FH) Peter Altendorf (IRT) studierte „Photoingenieurwesen“ mit der Vertiefung „Medientechnik“ und arbeitet nach Stationen beim Westdeutschen Rundfunk und bei ARRI Film & TV seit 2007 am IRT in verschiedenen Bereichen der IT-basierten Medienproduktion. Er leitete die Aktivitäten des IRT in verschiedenen nationalen und internationalen Forschungsvorhaben zu Media Mining und Empfehlungssystemen sowie zur Vernetzung von Produktionsprozessen in Service-orientierten Architekturen. Seit 2015 befasst er sich intensiv mit „Enterprise Architecture Management (EAM)“, mit dem Ziel, Referenzarchitekturen für die cross-mediale Medienproduktion zu erarbeiten. Er organisierte seit 2016 regelmäßig Workshops im IRT, um die Rundfunkanstalten über EAM zu informieren, einen anstaltsübergreifenden Erfahrungsaustausch zu ermöglichen und gemeinsame Aktivitäten im Rundfunk zu initiieren. Die Veranstaltungsreihe mündete Anfang 2018 im „Cooperation Center EAM“, in dem die ARD das Thema im Kontext des „Netzwerk IT-Vorhaben“ nun weiterverfolgt.


Über Dirk Vollmerhaus

Dipl.-Ing. Dirk Vollmerhaus (Westdeutscher Rundfunk) studierte "Elektrotechnik" mit der Vertiefung "Informationstechnik" und arbeitet seit 1998 beim WDR. Er hat dort die ersten Schritte der virtuellen Technik begleitet, später im Umfeld Redaktionssysteme und Kollaborationsplattformen Projekte geleitet und war als Team-/Gruppenleiter in der IT darüber hinaus mit übergreifenden Fragestellungen wie der Einführung von IT-Managementmethoden und Multiprojektmanagement betraut. Ein nachhaltiger Gesamtblick auf die Anwendungslandschaft war und ist ihm dabei immer ein wichtiges Anliegen. Außerdem wirkt er in der ARD in Arbeitsgruppen wie der "OpenMedia Koordination OMKO" mit.

Seit dem 1.7. 2017 leitet Dirk Vollmerhaus das Team "Enterprise Architecture Management" in der Abteilung "Planung und Projektierung". Als Vorsitzender des Cooperation Center „Enterprise Architecture Management“ unterstützt er das „Netzwerk IT-Vorhaben“ bei der ARD-übergreifenden Architekturentwicklung.