Ein Blick auf die Farben der Malerei für die Gestaltung des digitalen Bildes


Vortrag 01: Prof. Rolf Coulanges - Berufsverband Kinematografie e.V. BVK

Dieser Vortrag möchte den Prozess der Farbgebung in einem digitalen Bild, beispielsweise einem Filmbild, in Beziehung setzen zur Geschichte der Farben, wie wir sie in der Geschichte der Malerei, später auch der Fotografie und der Reproduktion von Naturfarben in der Drucktechnik verfolgen können. Der Ausgangspunkt meiner Überlegung liegt darin, dass die Verwendung der Farbe und ihr Charakter nur beim ersten Hinsehen als „realistisch“ oder „weniger realistisch“ bzw. „mehr der Wirklichkeit entsprechend“ oder „mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmend“ klassifiziert werden kann. Wir alle wissen, dass der Sinneseindruck der Farbe eine Funktion unserer Wahrnehmungsfähigkeit ist und wir mit dem „Sehen von Farben“ lediglich auf physikalische Phänomene von Lichtstrahlen reagieren; es gibt keine Farbe „an sich“. Auch wissen wir, dass durchaus unterschiedliche physikalische Reize zur gleichen Farbwahrnehmung führen können, sodass auch hier keine eindeutig lineare Beziehung zwischen physikalischer Einwirkung und Farbempfindung hergestellt werden kann. Die Farbe ist eine im besten Sinne subjektive Empfindung, hervorgegangen aus der Synthese von Sinneswahrnehmung und Bewusstsein. Unsere Farbwahrnehmung unterliegt damit dem Zusammenwirken sowohl physikalischer Umgebungsfaktoren wie psychologischer Voraussetzungen.


Über den Referenten

Rolf Coulanges studierte erst Philosophie bei Georg Picht, dann an der Film- und Fernsehakademie in Berlin Film und arbeitet seit 1979 freiberuflich als Director of Photography bei Dokumentar- und Spielfilmen. Er drehte als Regisseur und Kameramann mehrere Dokumentarfilme, meist in Lateinamerika, darunter den Film SACY PERERE, der 1985 beim Londoner Filmfestival von der British Society of Cinematographers als „Outstanding Film of the Year“ ausgezeichnet wurde. 1988 bis 98 unterrichtete er für das Goethe-Institut an Filminstituten verschiedener Länder Afrikas sowie Brasiliens und Mexikos. In Deutschland unterrichtete er mehrere Jahre Kamera an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) und der Filmakademie Ludwigsburg und ist seit 1992 bis heute regelmäßiger Gastprofessor der Internationalen Hochschule für Film und Fernsehen (EICTV) in San Antonio, Cuba. Er lehrt dort im Studiengang Kamera, den er von 1999–2005 auch leitete. 2001 wurde er als Professor für Bildgestaltung und Lichtführung im Film an die Hochschule der Medien in Stuttgart berufen und war dort bis zu seiner Emeritierung 2010 für den Bereich Film und Digital Cinematography verantwortlich. Seit 2011 zurück in Berlin, ist Rolf Coulanges wieder freiberuflich als Director of Photography und in der Lehre auf den Gebieten der klassischen und digitalen Filmfotografie tätig, so weiterhin als Gastprofessor für Kinematografie an der EICTV und an Filminstituten in Kirgistan, Myanmar und Zimbabwe. Er ist Autor von Publikationen zur Lichtgestaltung in Murnaus Sunrise, zur Fotografie der Kameraleute Michael Ballhaus, Renato Berta, Raoul Coutard und Robby Müller und zu grundlegenden Fragen an die Bildgestaltung der digitalen Kinematografie. Parallel zu seiner Arbeit als Kameramann arbeitet er im Rahmen der IMAGO gegenwärtig in einem Forschungsprojekt zur Konzeptionen kreativer Tools in der digitalen Filmaufnahme & Bildentwicklung. - Rolf Coulanges war 1996 - 2016 im Vorstand des Berufsverbandes Kinematografie (BVK) und ist seit 2 Jahren im Vorstand der IMAGO, dem internationalen Dachverband der Kameraverbände, tätig.

Wichtige Arbeiten als Kinematograf sind der experimentelle Tanzfilm JU NI HITOE ODER DIE ENTDECKUNG DER SEELE, die Dokumentarfilme SACY PERERE (Outstanding Film of the Year 1985), DER LAUTLOSE KRIEG, DAS PRINZIP DORA, CHERCHER LA VIE und PATRICE LUMUMBA - EINE AFRIKANISCHE TRAGÖDIE (von Thomas Giefer, Grimme-Preis 2000) sowie Harald Bergmanns Kinofilm SCARDANELLI über die zweite Lebenshälfte Friedrich Hölderlins (Hölderlin-Preis 2007).