Dr. Wolfgang Immel ist von uns gegangen

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Die FKTG trauert um Dr. Wolfgang Immel.

Ende März 2021 erhielten wir die Nachricht vom plötzlichen Tod des Gründers des „3 F Deutsches Museum für Foto-, Film- und Fernsehtechnik“ in Deidesheim.

Wolfgang Immel wurde am 09.04.1932 in Diez an der Lahn geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Universität Darmstadt Chemieingenieurwesen und schloss das Studium mit der Promotion zum Dr. Ing. ab. Sein Beruf führte ihn zur BASF nach Ludwigshafen, wo er auch mit seiner Familie wohnte.

Schon von Berufs wegen an der Technik interessiert, entwickelte er eine tiefe Liebe zur technischen Seite der Kinematographie und begann Filmkameras und Projektoren zu sammeln, zu reparieren und zu restaurieren. Dr. Immel betrieb das Hobby so intensiv, dass bald kein Platz mehr war in seinem Einfamilienhaus.

Durch den Kontakt mit dem Ludwigshafener Kaufmann Dipl.-Ing. Klaus Becker, der aus Deidesheim an der Weinstraße stammte, kam die Idee auf, in diesem touristisch erschlossenen Gebiet ein Film - Museum zu eröffnen. Als dann der ebenfalls aus Ludwigshafen stammende Drogist Udo Zink mit seiner Fotokamera - Sammlung dazu stieß, konnte daraus das Foto- und Filmmuseum werden.

Die Idee wurde dem Ortsbürgermeister von Deidesheim, Herrn Stefan Gillich vorgestellt, der gleichzeitig Stiftungsvorsitzender der 1494 gegründeten Ritter von Böhl Stiftung war, der ältesten privaten Stiftung in Deutschland. Die Stiftung betrieb über viele Jahrhunderte bis nach dem zweiten Weltkrieg das Bürgerspital, dessen Räume aber 1980 teilweise leer standen und eine neue Nutzung suchten. Diese wurde zusammen mit Bürgermeister Gillich gefunden und 1982 ein Träger- und Förderverein für das Foto- und Filmtechnik Museum in Deidesheim gegründet. Das zu diesem Zeitpunkt ca. 300 Jahre alte Gebäude musste in Eigenleistung umfangreich hergerichtet werden. In rastloser Tätigkeit hat Dr. Immel immer neue Mitglieder und Helfer und gesucht und motiviert, Spenden gesammelt, Baufirmen zur pünktlichen Werk-erstellung angehalten und alles dem großen Ziel untergeordnet, in Deidesheim ein Foto- und Filmtechnik Museum zu eröffnen.

Nach fast einem Jahrzehnt der Vorbereitung war es dann im Dezember 1990 soweit: der stolze Museumsleiter Dr. Immel konnte mit vielen Gästen die Eröffnung des „Deutschen Museum für Foto- und Filmtechnik (DFTM)“ feiern. Zu dem beträchtlichen Anfangsbestand an Museumsstücken kamen in der Folge zahlreiche Sachspenden aus der deutschen Industrie und der Filmwirtschaft, später auch von den Fernsehanstalten. Was schon in der Bauphase ein Erfolgsrezept war, kam auch nach der Museumseröffnung erneut zum Tragen: Dr. Immel war ein begnadeter Netzwerker, der viele Menschen für seine Idee begeistern konnte. Durch enge Kontakte beispielsweise zu den Häusern Arnold & Richter (Arriflex) in München und Schneider/Kreuznach kamen viele Exponate ins Museum nach Deidesheim. Das Kodak –Archiv mit vielen Ordnern Firmengeschichte, Exponate von Siemens, München und von vielen weiteren deutschen Firmen sowie wichtige Nachlässe von Persönlichkeiten aus der Filmbranche wie z.B. die erste von der DKG/FKTG 1926 verliehenen Oskar-Meßter-Medaille an den Namensgeber selbst.

Nahezu alle Organisationen und Vereinigungen, die in Deutschland mit dem Film-, Foto- und Fernsehwesen zu tun haben, unterstützten das Museum und Dr. Immel war bei den meisten von ihnen auch Mitglied, wie auch viele davon Mitglied im Förderverein geworden sind. Die FKTG ist seit einigen Jahren ebenfalls Förderer des 3F Museums.

Nach vielen intensiven Jahren als Museumsleiter mit vielen Sonderveranstaltungen wechselte Dr. Immel 2015 in die Position des Vorsitzenden des Trägervereins, um auch von dort aus rastlos für „sein Museum“ unterwegs zu sein. Der gestiegenen Bedeutung der Fernsehtechnik geschuldet war dann deren Aufnahme in den Namen des Museums, das gleichzeitig umbenannt wurde in „3 F Deutsches Museum für Foto-, Film- und Fernsehtechnik“, wobei die drei F für die Anfangsbuchstaben der drei Museumsbereiche stehen.

Erst im letzten Jahr wurde er etwas ruhiger, auch weil ihn eine Alterskrankheit erwischt hatte. Trotz Reha hat sich Wolfgang Immel nicht wieder erholt. Er ist am 16.03.2021 zu Hause im Alter von 88 Jahren friedlich eingeschlafen.

Die FKTG wird das Erbe von Dr. Immel, das im 3F Museum weiterlebt auch weiterhin ideell unterstützen. Einen Besuch des 3F Museums in Deidesheim kann ich, wenn es wieder möglich ist, uneingeschränkt empfehlen, nicht nur für FKTG Mitglieder.

Jürgen Burghardt – FKTG Geschäftsführer

p.s. Ich danke Herrn Klaus Herrmann, designierter Nachfolger von Dr. Immel im Vorstand des 3F Museum Trägervereins, für die zur Verfügungsstellung der Informationen für diesen Nachruf.

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