Die Zukunft des Kinos

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Um die Zukunft des Kinos ging es bei einer Veranstaltung im ARRI-Kino am 27. Juni 2013. Prof. Franz Kraus, ARRI-Vorstand, eröffnete die Veranstaltung und sprach gleich eine Warnung aus, denn alle, die nicht in den Reihen 1 bis 3 säßen, können die 4K- Vorführung nicht wahrnehmen. Seine Kernsätze waren:
 
  • Der analoge Film wird aus dem Leben verschwinden,
  • 90% aller Kinos haben eine digitale Projektion, und
  • in den USA werden nach 2013 keine analogen Filmkopien mehr gefertigt.
  • Bisher waren die Entwicklungen in der Filmtechnik kompatibel, mit der Digitalisierung gehört dies der Vergangenheit an.

Trend für die Kinos

Das Kino muss eine überzeugende Darstellung bringen, um weiterhin die Besucher anzulocken. Dazu gehören eine gute Ausstattung der Kinos in Bild und Ton. Die herkömmliche Projektion mit einerpassiven Bildwand gehört wahrscheinlich der Vergangenheit an. Vorstellungen von der Firma Cisco auf der NAB sprachen von einer OLED-Wand, die selbstleuchtend hohe Kontraste wiedergeben kann. Damit werden auch im Kino hohe Kontraste darstellbar, wie sie bei den Monitoren bereits realisiert werden.
 

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Ein Ausschnitt aus Fritz Langs Film „Metropolis“ zeigte, wie hoch die Reserven des Schwarzweißfilms schon waren. Die gezeigte Fassung wurde in 6K-gescannt und wurde mit einem 4K-NEC-Projektor wiedergegeben.

Der gute Klang

Über den Ton referierte Thomas Schwenke. Was kann der Mensch überhaupt hören? Tatsächlich kann selbst ein älterer Mensch durchaus Gefallen am Klang haben, wenn er nicht mehr alles hört. Das Gehirn hilft hier mit und ersetzt das Klangerlebnis. Eine gelungene Demonstration zeigte die entwickelten Formen der Tonwiedergabe. Die Zukunft gehört dem 64-Kanal-Ton mit Atmo von Dolby.

Kontrast und Farbwahrnehmung

Harald Brendel berichtete über die Bildverarbeitung, den Kontrast und die Farbwahrnehmung. Der Kontrastumfang des Auges liegt bei 10 000:1 (13 Blenden) ohne Adaption. Kein Monitor kann 13 Blenden darstellen. Für die Bildwände liegen die Werte noch schlechter. Mit 48 cd/m2 Leuchtdichte liegt der Kontrast bei maximal 500:1 im Bild (Bild-Leuchtdichte). Die Bildhelligkeit ist besonders beim 3D-Film besonders kritisch. Durch die geringe Helligkeit der 3D-Bilder wird die Fähigkeit, Farbe zu sehen, eingeschränkt (beginnend bei  einer Leuchtdichte von 20 bis 30 cd/m2). Im HD-Fernsehen liegt die Leuchtdichte bei 100 bis 200 cd/m2 mit Tendenz zu 600 cd/m2 (siehe Dolby-Prototyp). Der Kontrast kann dann bis 2000:1 betragen. Eine weitere Steigerung wird mit OLEDs erreichbar sein. Da das Farbensehen von den Zäpfchen wahrgenommen wird, die sich vornehmlich im zentralen Bereich des Augapfels befinden, spielt der Betrachtungswinkel eine entscheidende Rolle. Der Sehwinkel für die Detailerkennung liegt bei 1/60 Grad, das sind 30 Linienpaare/Grad. Damit ergibt sich für das ARRI-Kino: 4K sind in der 3. Reihe noch sichtbar, 2K in der 7. Reihe. An einem Modulationsbeispiel wurde die Theorie bestätigt.

Auflösungsbeispiele

Der Colorist „Utzi“ zeigt weitere Beispiele der Auflösung bei 2K, 3K und 4K. Durch die limitierte Datenrate bei DCPs wurden die drei Ausschnitte in einem Bild dargestellt, damit keine Verluste durch die Kompression entstehen. In einem langsamen Schwenk (1/2 der empfohlenen Geschwindigkeit) waren zwischen der 2K- und der 4K-Darstellung keine Unterschiede sichtbar. Da das Kino und auch das Fernsehen von bewegten Bildern lebt, ist eine 4K-Auflösung nicht notwendig.
Auch der projizierte 65-mm-Film zeigte, dass im Schwenk die Auflösung reduziert wird, scharfe Berge, aber unscharfe Personen im Vordergrund.

Bildschärfe und Bewegungsauflösung

Über Bildschärfe und Bewegungsauflösung referierte Dr. Johannes Steurer. Die Kamera- oder die Objektbewegung verändern die Schärfe. Das Objekt bewegt sich und das Auge sieht die Bewegung verschwommen und zeitlich versetzt, das Bild flackert. Mit einer Erhöhung der Bildrate (auf 48 Bilder/s) wird bei gleichem Shutter eine Verbesserung der Schärfe erreicht.
Eine Erhöhung der Bildrate bringt allen Beteiligten ein schärferes Bild.

Fernsehen und Kino heute

In einer abschließenden Übersicht ging Franz Kraus weiter auf die Bildgüte ein. Gegenübergestellt wurden Fernsehen heute und Kino heute: das Fernsehen kann ohne Kino existieren. Das Kino ist ein Präsenz-Medium, es erfordert eine Konzentration für eine gewisse Zeit. 50 Filme im Jahr sorgen für 80% der Einnahmen. Es herrscht ein geringer Innovationsdruck. Das Kino braucht das Fernsehen.

Fazit

  • Die Bildrate bis 120 Bilder/s bringt Vorteile für die Zuschauer, ebenso die höhere Dynamik, während die höhere Auflösung nur in den vordersten Reihen wahrgenommen wird (2x Höhe der Bildwand).
  • Der Look eines Films wird nicht durch die Technik bestimmt, vielmehr ist die künstlerische Darstellung der Ästhetik gefragt und diese nutzt die neuen Möglichkeiten.
  • Der 4K-Boom, der zurzeit von der Industrie erhofft wird, wird vielleicht bei 3D-Geräten zu einem Erfolg führen, für alle anderen Darstellungen ist bei einem Sehabstand von durchschnittlich 2,7 Meter kein Mehrwert für den Zuschauer vorhanden.

 

Insgesamt war es eine sehr interessante und aufschlussreiche Veranstaltung.


Prof. Dietrich Sauter

 

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