4K (QFHD) im Wohnzimmer

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In meiner Antwort auf die Fragen von Thomas Nowara (Diskussion, Teil 3) hatte ich mich skeptisch über die Einführung von 4K geäußert. Dabei führte ich an, dass kein Programm da sein wird und der exorbitante Preis der 4K-Fernseher einer raschen Einführung entgegen steht. Ich schrieb, dass ich nicht vor fünf Jahren mit einem regulären Betrieb mit 4K rechne und somit auch erst dann mit einer generellen und bezahlbaren Einführung in die Haushalte. Hubertus Beckmann, Technischer Direktor der Lang AG ist da ganz anderer Ansicht und übermittelte mir dazu einen interessanten Statusbericht  (siehe unten).              

Norbert Bolewski

Statusbericht Hubertus Beckmann:

  • Es gibt voraussichtlich ab April den Sharp PN-K321H im deutschen Markt (Foto rechts). In Japan geht es ab Februar los, dort werden Verkaufspreise von 450.000 Yen (etwa 3600 EUR)  gemeldet.

  • LG liefert für den Profibereich den 84WS70 aus. Sony hat ebenso einen 84 inch LCD mit LG-Panel inside nun im Markt. VK-Preise von unter 20.000 EUR sind zu hören. Ok, das ist für den Otto Normalverbraucher zu weit weg.

  • Aber der Sharp ist da schon deutlich greifbarer: Ist es ein Fernseher oder ein PC-Monitor? Ich würde sagen beides. Mit dem DisplayPort 1.2 Input kann QFHD (3840x2160 pix) mit einer Framerate bis 60p mit voller RGB-(aka 4:4:4)-Abtastung verarbeitet werden. Viele neue Grafikkarten verfügen bereits heute über eine Schnittstelle gemäß DP V 1.2. Darüber gehen vier sog. Lanes mit einer effektiven Datenrate von je 4,32 Gbit/s, was somit einer nutzbaren Gesamtrate von 17,3 Gbit/s entspricht und damit für QFHD in 8 Bit Tiefe, voller RGB-Abtastung und einer Framerate bis zu 60fps ausreicht (= etwa 12 Gbit/s). „Gamen“, Fotos schauen endlich in 8 Megapixel Auflösung, eine Alternative zum Doppel-Monitorbetrieb wie auf vielen Schreibtischen heute zu finden, ist somit schon sehr bald machbar. Das gibt es sogar schon seit Jahren von anderen Herstellern, aber eben für deutlich höhere Budgets.

  • Gerüchte zur Playstation 4 mit 4K Output noch in 2013 reißen nicht ab. Ich tippe, hier wird aber wohl noch die Verabschiedung des neuen HDMI2.0 Standards (Sommer 2013) abgewartet. Dieser Standard leistet dann ebenso QFHD bis 60fps. (HDMI1.4a bietet lediglich QFHD mit max. 30fps). Gerüchteweise wird man hier wohl ein 4:2:0 Chromasubsampling verabschieden. Für Konsumeransprüche sicher gut vertretbar. Für echtes HighEnd nunmal nicht.

  • Ein BluRay-Standard mit HEVC-Coding für 4K BluRays ist für mich gut vorstellbar. Ich wundere mich, dass es das noch nicht gibt.

  • 4K Semiprofi-Camcorder gibt es schon mehrere im Markt. Sogar die kleine „GoPro Hero3 Black Edition“ kann in 4K aufzeichnen (wenn auch nur in 15fps). Und diese ist für unter 500 EUR heute verfügbar.

Fazit:

4K fürs Wohnzimmer/Arbeitszimmer muss überhaupt nicht auf den ersten Rundfunksender warten, der damit seinen Sendestart beginnt. Die Motivationen der Käufer gibt es reichlich an anderer Stelle, und erste echte akzeptable Angebote im Gerätemarkt gibt es schon im Frühjahr 2013.


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Kommentare

Ultra-High-Definition (4K und höher)

Die größere Auflösung ist nur mit größeren Bildschirmen machbar, da sonst die Pixeldichte leidet. Für das Fernsehen gilt bei 2K ein Abstand von der 3-fachen Höhe, bei  4K die 1,5-fache Höhe. Für den Heimbereich bedeutet das die doppelte Höhe, um den gleichen Bildabstand bei der Betrachtung zu wahren. Wer kann sich einen solch großen Fernseher leisten und aufstellen? Außerdem: Bei größerem Abstand vom Fernseher wird die Auflösung nicht mehr wahrgenommen.

Für den Zuschauer wäre eine zeitliche Auflösung von 100 Bildern notwendiger, damit wäre allen geholfen. Das Format 1080p100 sollte forciert werden und nicht die Erhöhung der Auflösung auf 4K und mehr.

Und wer denkt dabei an den Ton, der bei so geringem Abstand dann von unten oder oben oder weit draußen seitlich auf uns einwirken würde?

Bei den heutigen schlechten Aufnahmen in angeblichem HD (Tiefenschärfe, Farbdarstellung, Kontrastumfang etc.) - wahrscheinlich wegen des geringen Budgets so schlecht-, wird die 4K-Variante nicht realisiert. 

Bei anderen Anwendungen wie Spiele, Museen, radiologischen Auswertungen, Simulationen und Grafik-Design ist 4k schon etabliert und dort auch sinnvoll einsetzbar. Beim Fernsehen on-air glaube ich nicht an eine Einführung. Zuerst sollte man hier besseres HD produzieren und senden und nicht den Zuschauer mit hochkonvertierten SD-Inhalten hinters Licht führen wollen. 4K-Bilder schauen, das muss man zugeben, auch in der 2K-Projektion besser aus als HD, aber das weiß man ja schon aus der SD-Zeit.


Siehe auch: Anmerkungen von Professor Sauter zur HD-Zukunft

Bei allen technischen Argumenten vermisse ich das Wichtigste: Unsere Sehschärfe.

Ein "Normalsehender" hat eine Sehschärfe / einen Visus von 1,0. Das bedeutet, dass er zwei Punkte nur dann als getrennte Punkte unterscheiden kann, wenn diese von ihm in einem Blickwinkel von mindestens 1 Winkelminute (=1/60 Grad) voneinander entfernt liegen. Bleiben wir der Einfachheit halber bei den Punkten als Abstandsmaß.

Daraus lässt sich errechnen, dass der Betrachtungsabstand mindestens 3438 Punkte betragen muss.

Bei einer "gewöhnlichen" HD-Auflösung von 1920 x 1080 Punkten heißt das:

Der Betrachtungsabstand muss sogar mindestens das 3,5-fache der Bilschirmhöhe oder das 1,8-fache der Bildbreite betragen.

Und das gilt nur für Normalsichtige (allerdings natürlich auch für solche, die erst mit Brille oder Kontaktlinsen bei genanntem Betrachtungsabstand diesen Visus erreichen).