Digitalisierungsbericht der Medienanstalten

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In diesen Tagen ist von den Medienstalten Deutschlands der Digitalisierungsbericht „Rundfunk und Internet – These, Antithese, Synthese?“ herausgegeben worden. Wer glaubt, dass dies ein trockener, schwer lesbarer Text ist, irrt sich gewaltig. Die Einzelberichte sind trotz absoluter Sachlichkeit außerordentlich locker lesbar und – was zum Beispiel die Analyse der Videonutzung anbelangt – richtig spannend zu nennen.

Der Digitalisierungsbericht, der dieses Jahr zum neunten Mal erschien, kann wieder als reales Buch über den Vistas-Verlag für 15 Euro erworben (ISBN 3-89158-590-0) oder hier kostenlos als pdf-File aus dem Netz geladen werden.

Netzneutralität und Managed Services

Im ersten Kapitel geht es um die Netzneutralität und der Autor Dr. Hans Hege stellt fest, dass die Chancengleichheit der Anbieter mit einem besonderen Schutz für neue Meinungen und solche von Minderheiten ein zentrales Prinzip des Medienrechts ist. Er stellt aber demgegenüber den Begriff der Priorisierung, wenn Medien für die öffentliche Meinungsbildung von besonderer Bedeutung sind. Er versucht dabei, eine Balance zwischen Neutralität und Priorisierung herzustellen. Die Medienanstalten begrüßen es, dass über geschlossene IPTV-Netze gebündelte lineare Fernsehprogramme in gesicherter Qualität übertragen werden. Sie haben aber gravierende Bedenken dagegen, dass dies unter dem Label „Managed Services“ auf beliebige Medieninhalte und Dienste erweitert wird.

Zur „green economy“ mit DAB+

Dr. Gerd Bauer geht mit der Überschrift „Widerstand ist zwecklos“ auf das Digitalradio ein und priorisiert das System DAB+, das neben vielen anderen Vorteilen sogar als ein modernes Verkehrsleitsystem wahrgenommen werden könnte und zu einer „green economy“ beiträgt.

Situation bei der Analyse der Videonutzung ist verfahren

Guido Schneider berichtet ganz spannend, dass TV- als auch Online-Anbieter einen einheitlichen Standard für die Fernseh- und Online-Videonutzung erstellen wollen. Allerdings finden die Lager nicht zusammen und versuchen eigene Messmodelle voranzutreiben. Das Nutzungsverhalten ist für die Werbebranche außerordentlich wichtig, denn bislang weiß kein Werbekunde genau, wie viele Nutzer einen Werbespot gesehen haben, der sowohl im klassischen Fernsehen als auch online im Umfeld eines Videos, einer statischen Website oder eines Werbebanners gelaufen ist. Doch im Moment ist die Situation ziemlich verfahren und die beiden System-Favoriten scheinen möglicherweise auch 2014 nicht zusammenzukommen.

Digitalisierung der deutschen TV-Haushalte

Für viele Fernsehschaffende wird sicherlich die Darstellung des aktuellen Stands der Digitalisierung in den deutschen TV-Haushalten von Interesse sein. Dr. Kristian Kuno hat sich diesem Thema gewidmet und zeigt auch anhand zahlreicher Tabellen und Grafiken die Durchdringung der einzelnen Systeme. Der gesamte Digitalisierungsgrad liegt bei den deutschen TV-Haushalten im Jahre 2013 bei 80,8%, in 19,2% der deutschen TV-Haushalte wurde Mitte des Jahres noch ausschließlich analog ferngesehen. Es bedarf also noch einiger Anstrengungen um in die Nähe von 100 % zu gelangen.

Er geht neben dem Satellitenempfang auch auf den Kabelempfang ein. Hier hatten sich die Medienanstalten in den letzten Jahren wiederholt für die Aufhebung der Grundverschlüsselung im Kabel ausgesprochen, da sie ein großes Hindernis auf dem Weg zur vollständigen Digitalisierung der Kabelhaushalte darstellen. Schlussendlich behandelt er sehr dezidiert die mobile und, wie er es bezeichnet, die nomadische Fernsehnutzung. Der mobile Empfang von linearen Fernsehprogrammen ist in Deutschland noch sehr gering, und DVB-T hat sich in dem rein mobilen Bereich auf Smartphones und Tablets nicht eingeführt.

Auch auf die Nutzung von Video on Demand und HbbTV geht der Autor ein und berichtet, dass diese Zusatzangebote bei 26,2% der Personen, die Zugang zu einem Smart TV-Gerät haben, gelegentlich genutzt wird.

UKW dominiert gegenüber DAB

In einem weiteren Kapitel behandelt Johannes Kors die Digitalisierung des Radios, wobei aber festzuhalten bleibt, dass UKW sowohl bei den Empfangsgeräten als auch bei der Nutzung weiterhin gegenüber DAB klar dominiert.

Ein Viertel aller Europäer sieht HDTV

Mario Hubert behandelt abschließend den Digitalisierungstrend in europäischen TV-Haushalten, der weiter anhält. Nach der Analogabschaltung im Satellitenbereich sind mittlerweile alle Satellitenhaushalte digitalisiert. 85 Millionen (43%) sehen digital, am meisten über Satellit, aber immerhin 59 Millionen über DVB-T. Vorreiter bei IPTV ist Frankreich. Kabel und Terrestrik teilen die noch verbliebenen 52 Millionen analogen Haushalte in Europa unter sich auf. Große Änderungen gegenüber dem Vorjahren konnte nicht festgestellt werden. Als einer der Hauptvorteile des digitalen TV-Empfangs hat sich das hochauflösende Fernsehen HDTV stetig weiterentwickelt. Europaweit sind es zum Jahresende 2012 insgesamt fast schon seit 65 Millionen Haushalte gewesen, was über einem Viertel aller TV-Haushalte entspricht. Die europäischen TV-Märkte haben innerhalb des letzten Jahres einen großen Schritt in Richtung vollständiger Digitalisierung gemacht. Es bleiben aber noch Herausforderungen insbesondere in Osteuropa bezogen auf das Kabel, DVB-T und IPTV aber auch in Deutschland, das Kabel betreffend.

Ausführung und Fazit

Zum Ende des insgesamt 85 Seiten dicken Buches werden Angaben zur Methodik der Erstellung des Digitalisierungsbericht gemacht, die Landesmedienanstalten und ihre Aufgaben sowie die Autoren vorgestellt. Auch ein Glossar ist vorhanden, das bei den zum Teil ja relativ neuen Wortschöpfungen Hilfe leisten kann. Zahlreiche Tabellen und Grafiken signalisieren die statistischen Fakten. Ein dickes Lob sollte auch der Gestalter des Buches bekommen, der auf den Seiten zwischen den Kapiteln sehr künstlerische Graphiken erstellt hat, die auch einer Bildergalerie zur Ehre gereichen würden und von denen einige unterhalb des Titelfotos hier dargestellt sind.

Alles im allem bietet auch der neunte Digitalisierungsbericht der Medienanstalten die gewohnt hohe Qualität und eine klare Analyse des bestehenden, was gleichzeitig den Blick auf den Weg in die Zukunft erleichtert.

Norbert Bolewski
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