Rüdiger Sand gestorben

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Erst jetzt erhielten wir die Nachricht, dass Rüdiger Sand einen Monat vor Erreichen seines 82. Geburtstags am 30. Oktober 2013 gestorben ist. Unseren Mitgliedern ist er aus seiner jahrzehntelangen Tätigkeit im Institut für Rundfunktechnik bekannt. Insbesondere bemühte er sich ab 1982 um das 3D-Fernsehen und hat wesentliche Grundlagen aber auch ganz pragmatische Arbeiten geleistet. Im Auftrag der Technischen Kommission ARD/ZDF an das IRT zeigte er 1983 in Berlin im technisch-wissenschaftlichen Rahmenprogramm der IFA die Präsentation „Dreidimensionales Fernsehen“. Dazu wurde ein 20minütiges „Abendmagazin in 3D“ produziert, das große Beachtung fand. Die SD-Produktion erfolgte in Zweikanaltechnik mit getrennten PAL-Signalen für das linke sowie das rechte stereoskopische Halbbild.

1983 berichtete er selbst in der FKT  8/1983, S. 321ff, über die Möglichkeiten und seine Arbeiten zu dem Thema. Rüdiger Sand demonstrierte auch 1985 auf der IFA  die 3D-TV-Experimental-Produktion „Lebenslauf". Die Aufzeichnung erfolgte auf zwei MAZ-Anlagen (B-Format), die über einen gemeinsamen Zeitcode synchronisiert waren. Projiziert wurde die mit einer Polarisationsbrille zu betrachtenden Bilder über Farbfernsehprojektoren (Bilddiagonale 2,5 m).

1994 ging Rüdiger Sand in den Ruhestand. Zu diesem Anlass beschrieb sein IRT-Kollege G. Möll, seinen Lebensweg: „Geboren am 30. November 1931 in Königsberg/Ostpreußen war sein Berufswunsch zunächst Toningenieur. Doch der damals im RTI neu eingerichtete Bereich „Fernsehtechnik“ unter Prof. Theile hinterließ bei dem angehenden Ingenieur großen Eindruck. So trat er nach Abschluss des Studiums Nachrichtentechnik am Ohm-Polytechnikum in Nürnberg als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die Fernseh-Abteilung „Sonderentwicklung“ des inzwischen zum „IRT“ umgewandelten Instituts ein. In dieser Abteilung der „Sonderlinge“ waren seinerzeit alle Aktivitäten auf die Wegbereitung für das künftige Farbfernsehen gerichtet. Am Bau erster Farbfernsehgeräte und -einrichtungen — angefangen von Taktgeber, Farbbalkengenerator, Coder bis hin zu 35-mm-Filmabtaster und Farbmonitor — war R. Sand ebenso maßgeblich beteiligt wie am späteren Bau einer mit drei Superorthikons ausgestatteten Farbkamera. Unter Einsatz dieser Geräte wurden die ersten Farbfernsehversuchsausstrahlungen in Deutschland vorgenommen.

Bereits aus dieser Zeit resultiert auch die intensive Beschäftigung mit der Display-Technik. Aufgrund seiner dadurch erworbenen hohen Sachkenntnisse wurde er mit der Leitung des 1975 im IRT neu eingerichteten Arbeitsbereichs „Fernseh-Wiedergabe“ betraut. Nach der Einführung des Farbfernsehens im Jahre 1967 waren auch im IRT erste Überlegungen zur Weiterentwicklung der Fernsehtechnik im Hinblick auf eine Einbeziehung der „dritten Dimension“ angestellt worden. Nach ersten Vorarbeiten zum SD-Fernsehen entstanden unter Leitung von Rüdiger Sand verschiedene Versuchsanlagen, denen dann der Aufbau von Einrichtungen für die stereoskopische Farbfernseh-Großbildprojektion folgten. Höhepunkt seiner Arbeiten stellte dann die maßgebliche Mitarbeit bei der Produktion von SD-Demonstrationsprogrammen und ihre Präsentation im Rahmen des Technisch- wissenschaftlichen Programms während dreier Internationaler Funkausstellungen (1983, 1985, 1987) in Berlin dar; das diesen Demonstrationen zuteil gewordene Medienecho führte zu weiteren Vorführungen der SD-Fernsehtechnik im In- und Ausland. Als 1991 das neuaufgelegte europäische Forschungsprojekt COST 230 „Stereoscopic Television“ Ausschau nach einem kompetenten Vorsitzenden hielt, hatte man sehr bald in Rüdiger Sand den geeigneten „Chairman“ gefunden.“

Er war dann noch von Nürnberg aus bis 1996 weiterhin Chairman dieser EU-Forschungsgruppe „European Cooperation in the Field of Scientific and Technical Research (COST)“ und an deren Abschluss 1998 beteiligt. Mit seinen Kenntnissen und Verbindungen half er noch bei einigen wissenschaftlichen Arbeiten (Diplomarbeiten und einer Dissertation) mit und wurde zu praktischen Hardware-Entwicklungen gefragt. Zur 3D-Software ergaben sich interessante Kontakte mit 3D-Produktionen, u.a. mit der Fakultät Design der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg.

Er verfolgte aus der Distanz des Ruheständlers mit einem gewissen Stolz, dass das IRT schon in den 70er Jahren mit seinen Arbeiten zu dieser weltweiten Entwicklung beigetragen hat, die ja gerade wieder in den letzten Jahren ein neues Revival erlebt.

Wir trauern um einen höchst sympathischen und liebenswerten Menschen und Kollegen, an den sich die älteren von uns gern erinnern werden.

Norbert Bolewski

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