Norbert Bolewski – 70 Jahre und doch nur ein halber Rentner!

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Zugegeben, richtige Rentner sind anders. Aber Norbert ist eben auch anders, immer informativ, innovativ, kommunikativ, kooperativ und vor allem kreativ. Und nun ist er schon 70. Kaum zu glauben, aber wahr. Dazu, lieber Norbert, unsere ganz herzlichen Glückwünsche und mach noch viele Jahre so weiter.

Das vorweggestellt, hier dann doch noch etwas „Butter bei die Fische“. Ganz klar – wer am 17. Juni 1944 geboren wurde, muss heute 70 Jahre alt, oder besser, jung sein. Und bei Norbert Bolewski ist das der Fall, daran gibt’s nichts zu deuteln.


Autoren

  • Rainer Bücken               
  • Prof. Dietrich Sauter

Geboren wurde Norbert in Pommern, auch wenn man ihm heute das nicht mehr ansieht. Es muss wohl an den Kriegswirren gelegen haben, dass er kein „echter“, aber ein Beinahe-Berliner wurde. Zumindest kein Zugereister. Und das ist auch gut so. Immerhin – Ende 1945 kam Norbert wieder nach Berlin zurück – in die Stadt, in der er nicht geboren werden sollte.

So wurde Zehlendorf zum Ausgangspunkt seines kindlichen Treibens und Forschens. Seine erste funktechnische Begegnung hatte einen blauen Punkt – nutzte er trotz Verbotes das Vorkriegsradio seines Vaters, erlebte die blau-grünen Bewegungen des „magischen Auges“, einer kreisrunden, grünen Feldstärkeanzeige. Mittel- und Langwelle – das war‘s, und für den funktechnischen Kontakt in die Außenwelt ein voller Erfolg.

Der Sprung vom Radiohörer zum Foto- bzw. Filmfreak muss bei Norbert irgendwann während des Gymnasiums erfolgt sein. Es war vor allem eine 6x6-Kamera von Photo Porst, die er schon als Zehnjähriger bekommen hatte, absolut ungewöhnlich in der damaligen Zeit und nur vergleichbar mit den Smartphone-Gaben an heutige Kinder. Bilder machen schließlich beide. Nur war die Porst Kamera ausbaubar, Filter, Vorsatzlinsen oder Kopierrahmen ließen sich zusätzlich nutzen, der Zubehörhandel florierte schon damals, schließlich wurde hama 21 Jahre zuvor gegründet. Trotzdem bastelte Norbert sich selbst ein Vergrößerungsgerät, ein unglaubliches Monstrum mit einer alten Plattenkamera und einem riesigen Kondensor. Für Schwarzweißaufnahmen funktionierte es wohl schon ganz gut und so konnte er als etwa 12jähriger bereits seine Nachmittage und Abende in einem Fotolabor verbringen. Doch das war in der Toilette untergebracht, was ein kontinuierliches Arbeiten aus naheliegenden Gründen nicht zuließ. Später kam ein erstes Solidaritätserleben hinzu, konnte er doch mit dem Labor in den Keller eines Freundes umziehen. Doch erst im verheirateten Zustand und noch dazu mit zwei Töchtern gesegnet, geschah die räumliche Expansion – der Umzug in die berühmte Malvenstraße. Und da konnte er seinen Traum von einem großen und modernen Fotolabor realisieren.

Die Liebe zur Fotografie und die Neugierde – das waren die treibenden Faktoren für seinen Berufswunsch, eine Symbiose von Fotografieren und Reisen, kurzum, Kameramann bei der Wochenschau wollte er werden und viele Abenteuer erleben und bestehen.

Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen Welten, und was Norbert damals nicht kannte, war das berühmte Vitamin „B“. In gesundheitsfördernder Hinsicht schon, war es halt selbstverständlicher Bestandteil der Nahrung. Aber im Berufsleben? Da war er mit seinem Wunsch ein echtes Greenhorn, auf Beziehungen konnte er nicht zurückgreifen. So machte er sich auf den Weg zur Berufsberatung, wo man ihm eine Lehre als Filmkopienfertiger empfahl. Nach vielen Mühen klappte es in Kreuzberg bei der Fikopa und seinem Inhaber Emil Müller, der in Norbert wohl schon einen zweiten Jörg Schmidt-Reitwein witterte, der gerade ausgeschieden war und sein erstes Spielfilmdebüt vorbereitete. Kurzum, Norbert konnte 1961 dort mit der Lehre anfangen und sie später – wegen der fortschrittlicheren Technik – in der Ufa mit allerbesten Noten beenden.

Sein fachliches Interesse an der Foto-, Film und Fernsehtechnik war jedenfalls geweckt, studierte er schon während der Lehrzeit die FKT und die SMPE (das T wurde erst später spendiert), wobei der Zugriff recht beschwerlich war. Einmal lagen die Hefte auf dem Dachboden und zum anderen in der Amerika-Gedenkbibliothek. Im zweiten Lehrjahr kam es zum Erwerb einer gebrauchten Spiegelreflexkamera, einer Praktika aus der DDR. Doch die Lehrzeit war für Norbert nicht der Start in den Beruf, sondern ins Studium, wobei es die Hürde Fachschulreife zu nehmen galt. So musste ein Intermezzo eingelegt werden, und da kam ein Job als Filmtheaterleiter gerade recht, was auch mit filmvorführenden Tätigkeiten verbunden war.

Mit all diesen Vorkenntnissen ging Norbert in die Aufnahmeprüfung an der Fachschule für Optik und Fototechnik, Abteilung Filmtechnik, wurde Bester und bekam ein Leistungsstipendium in Form vollkommener Lehrmittelfreiheit über die gesamte Studiendauer. 1966 schloss er das Studium als „staatlich geprüfter Filmtechniker“ ab, verzichtete übrigens später auf eine mögliche Nachdiplomierung. Mit seinem Prüfungsfilm, in dem Norbert mit einem Kommilitonen die Kamera machte, gab es einen zweiten Preis in Oberhausen. Nach dem Studium arbeitete er dann als freier Kameramann/-assistent und Cutter/-assistent in freien Filmproduktionen und beim SFB. 1968 ging er zu Kodak nach Stuttgart, arbeitete in der Abt. Kinetechnik/Audiovision.

Für die Pressestelle des Unternehmens verfasste er für die Zeitschrift Photo-Technik und –Wirtschaft einen ersten Beitrag, dem noch viele weitere folgen sollten. So gewann die Tätigkeit in der Pressestelle gegenüber der Arbeit in der Abteilung Filmtechnik immer größere Bedeutung – und machte zudem mehr Spaß. Doch dann kam das Angebot als Technischer Redakteur der beiden Zeitschriften „Photo-Technik und –Wirtschaft“ (PTW) sowie „Fernseh- und Kino-Technik“ (FKT). Kurzum – beworben und zum 1. April 1969 angefangen. Bereits 1971 wurde Norbert stellvertretender und 1972 Chefredakteur der "Photo-Technik und -Wirtschaft". Das Glück bei der Zeitschrift PTW währte nur bis 1975, da der Verlag verkauft und die Zeitschrift eingestellt wurde. Doch dafür wurde Norbert stellvertretender Chefredakteur der FKT – und konnte zum 1. Januar 1979 seinen Mentor Wilhelm Roth beerben und das „Stellvertretender“ ablegen.

Aber der Verlag hatte noch mehr zu bieten, fand er dort doch seine Irmgard, und am 9. Mai 1975 kam es zur Hochzeit.

1981 stieg der Pflaum-Verlag aus der Verlagsgemeinschaft Hüthig- und Pflaum aus, Hüthig blieb aber unter schlechten Bedingungen bei der Stange, allerdings musste Norbert freiberuflich tätig werden, das Gehalt wurde auf ein kleines Honorar eingedampft, das Büro ins Home Office verlagert. So waren weitere Pakete zu stemmen, Norbert wurde Autor für eine Reihe von Photo- und Video-Zeitschriften, insbesondere des Foto-Magazins. Auch entstanden drei kleinere Fotobücher und ein sehr großes und umfangreiches Fotofachbuch im schweizerischen Photographie-Verlag.

Gearbeitet hat Norbert dann in einer Villa in der Malvenstraße, wo die inzwischen zu einem Vier-Personen-Haushalt angewachsene Bolewski’sche Familie lebte und zwei Etagen durchaus sinnvoll auslastete.

Technische Fortschritte in der Produktionstechnik wusste Norbert frühzeitig zu nutzen, schaffte er sich doch bereits im ersten Jahr seiner freiberuflichen Tätigkeit einen (Olivetti-)Schreibcomputer mit Drucker an, investierte so in die „mittlere Datentechnik“. Neben seinen Arbeiten für verschiedene Fotozeitschriften arbeitete er als Realisator für zwei hauseigene Filme im und für das Berliner ZDF und übernahm viele Fachübersetzungen aus dem Englischen.

Im eigenen 3R-Verlag entstand 1987 als erstes Buch „Die digitale Audiotechnik“ von Horst Zander, gefolgt von über 10 weiteren Fachpublikationen.

Als 1988 erneut die Einstellung der FKT anstand, investierte Norbert in die CTP-Technik, auch Computer to Plate oder auch Digitale Druckplattenbelichtung DDB genannt. So rettete er die FKT ein weiteres Mal als Organ der FKTG.

Die FKT erhielt am 18. Oktober 1989 in Montreal von der UNIATEC – der International Union of Technical Cinematograph Associations – den „Prix de littérature technique“ und damit die höchste internationale Anerkennung. Nebenbei managte Norbert als europäischer Presseleiter AES-Conventions in Hamburg, Montreux sowie Berlin, und war zunehmend als Berater der FKTG tätig. Dann ging es Schlag auf Schlag. Unter Prof. Dr. Ulrich Reimers, seit 1990 erster Vorsitzender der FKTG, kam es zu einer Kopplung von Mitgliedschaft der FKTG und Bezug der FKT. 1993 bekam Norbert die vakant werdende Position der Geschäftsführung. Schließlich ergänzten sich die Funktionen von Chefredaktion der FKT einerseits und Geschäftsführung der FKTG andererseits idealtypisch. Allerdings blieb keine Zeit mehr für andere Tätigkeiten, der 3R-Verlag ging ebenso in Stand-by wie die nach der Wende durch ihn mitgekaufte Fachzeitschrift „Bild und Ton“. Ende 2001 dann die Eingliederung der Rundfunktechnischen Mitteilungen des IRT in die FKT. So hat das Institut noch heute eine Plattform, wo viele Berichte aus Forschung und Entwicklung erscheinen.

Als Geschäftsführer der FKTG hatte er es mit einer schnell steigenden Zahl von Mitgliedern zu tun, die nicht nur gut und schnell informiert, sondern auch organisatorisch bestens betreut werden wollten. So hat Norbert selbst entsprechende Programme entwickelt und erfolgreich implementiert, war eher Vereinsmanager als Geschäftsführer. Die Feuertaufe war im Mai 1994, galt es doch „seine“ erste Jahrestagung der FKTG in Nürnberg zu organisieren. Gleichzeitig hatte er den Vorstand davon überzeugen können, eine kleine Ausstellung zu etablieren, die seitdem ein guter Erfolg wurde. Bis 2010 erschien auch immer eine Ausstellungsbroschüre, ein „Who-is-Who“ der Broadcastbranche, die inzwischen leider – wie so manches andere – ersatzlos aufgegeben wurde.

Für Norbert ging es immer darum, eine würde-, respekt- und vertrauensvolle Zusammenarbeit sowohl mit dem Vorstand als auch mit den Mitgliedern zu pflegen, entsprechend beliebt und geachtet ist er noch heute. Diskussionen mit ihm waren immer auf Konsens ausgerichtet – und das funktionierte wunderbar. Natürlich hat er das alles nicht alleine auf die Beine gestellt, hat neben der immer stärker eingebundenen Familie auch ein gut funktionierendes Netzwerk an Helfern und Unterstützern aufgebaut.

Zusammen mit dem Vorstand und FKTG-Fachleuten entwickelte er verschiedenste Seminare und Kooperationsmodelle, durch die die Mitgliederzahlen in die Höhe schossen – und der Bekanntheitsgrad der FKT ebenfalls. Und ganz sympathisch – seine Zusatztätigkeiten hat er sich nicht extra honorieren lassen, was auch der Kasse der Gesellschaft gut tat.

Bei der Übergabe der Geschäftsführung im Juni 2007 hatte die FKTG nach über 14jähriger Tätigkeit fast 1900 Mitglieder, mehr als eine gute Verdreifachung. Die FKT entwickelte sich ebenfalls munter weiter, doch waren die damit eingefahrenen Gewinne dem Hüthig-Verlag offensichtlich zu marginal, so dass das Objekt bei Schiele & Schön weitergeführt wurde – und noch immer wird. Nach rund 40jähriger Tätigkeit als Fachjournalist, davon 38 Jahren bei der FKT und davon wiederum 28 Jahren als ihr Chefredakteur legte Norbert Ende 2007 seine beiden Hauptjobs nieder. Reinhard Wagner trat dann zum 1. Januar 2008 die Nachfolgerschaft in der FKT-Chefredaktion an. Doch damit war auch eine symbiotische Beziehung aufgelöst – FKT und FKTG sind geschäftlich nicht mehr miteinander verbandelt, sieht man mal davon ab, dass der FKTG noch einige wenige Seiten in eigener Regie zur Verfügung stehen. Eines ist aber geblieben – ein Großteil der Beiträge stammt noch immer von Mitgliedern der FKTG.

Eine Zeitlang war Norbert dann noch Herausgeber, bis er sich darauf beschränkte, die Mitglieder durch seinen Boljour-Blog und in der FKT über Veranstaltungen der FKTG in der FKT zu informieren.

Boljour – das ist nicht nur ein Bolewski-Tag, es ist der Bolewski-Tag. Persönliches, Kulturelles und Fachliches – dieser Mix ist es, der immer wieder zum Anklicken und Herunterladen einlädt – und natürlich auch zum Lesen. Norbert recherchiert und schreibt sicherlich den Hauptteil, ist aber dennoch nicht allein. Boljour ist vielmehr eine offene Plattform, die den Namen verdient.

Lieber Norbert, wir beide wünschen Dir noch viele Jahre munterer Schaffenskraft – und vor allem Spaß bei Deinem Tun. Daneben dann noch die nötige Portion Gesundheit und viel Freude mit der Familie und den Freunden – Rainer Bücken Dietrich Sauter


(Foto: D.Sauter)

 

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