UHDTV nur mit höherer Auflösung ist nicht zufriedenstellend

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Von Norbert Bolewski


Es ist, wie ich meine, höchst erfreulich, dass das Technische Komitee der European Brodcasting Union am 16. Juli deutliche Worte in einem Positionierungspapier veröffentlicht hat, das in Originalfassung von  Advanced Television unter [1] wiedergegeben wurde und das hier sinngemäß behandelt wird.

 

Kein Erfolg nur mit Auflösungserhöhung

4K Ultra HD, so heißt es im Positionspapier, kam im Jahr 2013 auf den Markt und bietet ein   Display mit vierfacher (3840 x 2160 Pixel) Auflösung gegenüber HDTV. Es wird erwartet, dass im Jahre 2015 etwa 12% des weltweiten Verkaufs auf diese Geräte entfällt.

Der UHDTV-Standard selbst, bietet indessen zusätzliche Erweiterungen gegenüber den HDTV-Parametern. Das sind höhere Bildraten, mehr Kontrast in den Bildern (Dynamic Range), bessere Farben und Immersiv-Audio. Und man ist bei der EBU deshalb der Meinung, dass der derzeitige Fokus der CE-Industrie nur bei der höheren Auflösung (4k) liegt und die anderen Verbesserungen ignoriert werden. Das aber wäre kein ausreichend großer Schritt für die erfolgreiche Einführung eines neuen Fernsehdienstes.

Interessant bereits heute für Produktionen

In der Produktion nutzen einige Sender und Produzenten von hochwertigen Programmen aber bereits die neuen 4k-Geräte, um zum Beispiel bessere Produktionsflexibilität zu haben und ihre Inhalte für das Archiv zukunftssicher zu gestalten. Denn in ähnlicher Weise, wie HD-Produktionstechnologien die Bildqualität von SD-Dienstleistungen in den letzten zehn Jahren verbessern konnten, können nun verbesserte 4k-Kameras und -Produktionsanlagen die technische Qualität der aktuellen HD-Dienste steigern. 4k-Aufnahmetechniken bieten zum Beispiel die Möglichkeit,  HD-Programme aus den 4k-Bildern zu extrahieren. Die ITU-R hat deshalb bereits die Verwendung von UHDTV-Bildsystemen für die Erfassung, Bearbeitung, und Archivierung von hochwertigen HDTV-Programmen empfohlen. Es sollte aber beachtet werden, dass die Mainstream-Produktionsinfrastrukturen für 4 k und UHDTV noch in der Entwicklung sind.

Der Distributionsbereich im Blick des DVB-Konsortiums

Das Technische DVB Konsortium hat gerade jüngst festgelegt, dass es ein Phase-1-UHDTV-Sendeformat geben soll, das nur die höhere Auflösung berücksichtigt, nicht hingegen die anderen sich bietenden Möglichkeiten. Die Parameter (oder eine Kombination von ihnen), die ein noch intensiveres Fernseherlebnis bieten, wie höhere Bildrate, höhere Dynamik, größerer Farbraum und verbessertes Audio, soll als ein späteres Phase-2-UHDTV-Sendeformat betrachtet werden.

HDTV mit spezifischen UHD-Parametern als neuer HD-Service

Wie ein verbesserter 1080p-basierter HD-Service, der eine bestimmte Kombination von UHDTV-Parametern mit Ausnahme der Erhöhung der Auflösungserhöhung ausgelegt werden könnte, ist noch nicht standardisiert. Genau solch ein 1080p-basiertes-HD-Format wäre indessen eine attraktive Option für einige Rundfunkanstalten und sollte sowohl bei der Standardisierung als auch bei den weiteren Untersuchungen berücksichtigt werden. Die EBU schlägt vor, dass auf dieser Basis ein verbessertes 1080p-Format für den Rundfunk entwickelt werden sollte.

4k Ultra HD unbefriedigend

Das Technische Komitee der EBU ist der Ansicht, dass der aktuelle '4k Ultra HD '-Ansatz unbefriedigend für die Unterhaltungsindustrie ist und deshalb nur begrenzten Erfolg im Rundfunk finden wird. Es wird in der Öffentlichkeit mit dem Begriff 4k Ultra HD mehr Verwirrung gestiftet, wenn mit dem Begriff nur eine höhere Auflösung repräsentiert wird.

Zurzeit kein UHDTV-Fahrplan für Europa

Man diskutiert zurzeit viele unterschiedliche Kombinationen von Parametern. Und wichtige Standards für die Interoperabilität werden noch vermisst. Ein UHDTV-Fahrplan für Europa ist noch nicht definiert.

Das Technische Komitee bittet deshalb darum, dass seine Fachgruppen die bislang verfügbaren Daten auf  'zukunftssichere' Standards hin untersuchen und interpretieren, um objektive Informationen zu erarbeiten, auf deren Grundlage die Mitglieder gut fundierte strategische Entscheidungen treffen können. Die EBU-Mitglieder werden sich weiterhin, so heißt es abschließend in dem Papier, für einen zufriedenstellenden Phase-2 Digital Video Broadcast-Dienst einsetzen.


[1] Die englische Originalfassung des Positionspapiers findet sich hier, bei Advanced Television

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Kommentare

Hallo,

wenn meine Information aus dem "hdtv-forum.ch" stimmt, enthält die UHD Phase 1 entgegen der Darstellung des EBU-TC doch zusätzlich zu mehr Pixeln mit der Festlegung auf "10 bit pro Pixel" auch bessere Pixel...

Zitat:

DVB-UHDTV Phase 1 verabschiedet
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Das weltweit operierende Digital Video Broadcasting Consortium hat Anfang Juli 2014 wichtige Parameter eines UHD-Sendeformates verabschiedet. Das Format DVB-UHDTV Phase 1 erlaubt nun Bildwechselraten von 60 Bps und durch 10 Bit per Pixel einen massiv erhöhten Bildkontrast.

Aus den vielen Möglichkeiten des Kompressionsstandards HEVC Main C Profile wurde Level 5.1 für UHDTV spezifiziert. Diese Beschlüsse stellen in Rechnung, dass ein späterer Standard UHDTV Phase 2 höhere Bildwechselraten erlauben wird. Hier wurde auf sichere Kompatibilität geachtet.

Quelle: www.hdtv-forum.ch (Albrecht Gasteiner)

Gruß Kramer