4K? Es gäbe Wichtigeres ...

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Prof. Dietrich Sauter, Leiter der FKTG-Regionalgruppe München, hat uns wieder unbequeme (?) Reflexionen zur aktuellen 4K-Debatte geschickt. Welcher Meinung sind Sie?

  • Da es keine durchgehenden Standards gibt, hat der Neukäufer auch keine Gewissheit, dass das Gerät bei der Einführung weiterer Dienste, er diese auch nutzen kann.
  • HDTV ist noch nicht flächendeckend eingeführt, einige Anstalten senden zwar HD, benutzen aber überwiegend SD-Material, das dann hochkonvertiert wird. Es fehlt an Geld, die Produktionen mit der notwendigen Qualität herzustellen. Es fehlt auch am Willen in den Nachmittagstunden Serien anzubieten, die HD-Standards genügen.
  • Nachdem nun auch die EBU eingesehen hat, dass 4K allein – also nur als höhere Auflösung  –  nicht ausreicht, sondern mindestens die höhere Bildrate angedacht werden muss, stellt sich die Frage erneut: Ein Mensch sitzt ca. 2,7 Meter vor dem Fernsehgerät und kann so in den meisten Fällen die 4K-Auflösung nicht wahrnehmen. Erleben wir den gleichen Flop wie bei 3D? Der Kunde ist wieder der Dumme und den Nutzen hat nur die Empfängerindustrie.
  • Der angedachte erweiterte Farbraum ist ebenfalls vom Nutzen her gesehen fraglich, da die zusätzlich farbmetrisch richtig übertragenen Farben dem Menschen kaum etwas bringen. Der Mensch kann sich die Farben nicht merken, er erinnert sich nicht an die ursprüngliche Farbe und hat damit nur bei der Hautfarbe die Chance für einen Vergleich. Die Hautfarbe wird aber schon heute weitgehend richtig übertragen. Warum einigt man sich nicht auf den Standard P3 von DCI? Damit verfügten Film- und Fernsehproduktionen über den gleichen Farbraum.
  • Der höhere Dynamikumfang kostet zuhause erheblich mehr Energie im Endgerät und eine einheitliche Verarbeitung ist nicht in Sicht. Außerdem wird die vollständige Wirkung nur im völlig dunklen Raum erzielt. Viele Geräte müssen außerdem bei einer endgültigen Festlegung neubeschafft werden, denn die Industrie lehnt heute schon einen möglichen Upgrade ab.
  • Es gibt andere, schwerwiegendere Probleme in der Produktion von Fernsehinhalten als die 4K-Debatte.
    • Die Beleuchtung mit LED-Licht, dessen Auswirkung offensichtlich unbekannt ist oder auch nur falsch eingeordnet wird.
    • Die nicht vorhandene volle 4K-Auflösung bei den meisten Kameras.
    • Das Schärfentiefe-Problem, unscharfe Gesichter, falsche Lage der Schärfebene wären lösbare Aufgaben.
    • Zu guterletzt noch der Ton: Es vergeht kein Tag ohne Synchron- oder Lautstärken-Probleme. Seit der Einführung der EBU Richtlinie R 128 springt der Ton beim Senderwechsel fast regelmäßig und oft auch im selben Sender von Beitrag zu Beitrag. Ist die Einführung der Richtlinie falsch verstanden worden oder fehlt dem Rundfunk das qualifizierte Personal zur Einhaltung der wichtigsten technischen Parameter. Hier kann sich vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinem Anspruch erneut stellen.
  • Bei Sportübertragungen zeigt sich übrigens, wie gut Fernsehbilder sein können, warum nicht auch bei den übrigen Sendungen?      
Dietrich Sauter                         

Who is Who - Profil:  Prof. Dietrich Sauter 

 


Ihr Kommentar zur 4K-Debatte?


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Kommentare

Lieber Herr Prof. Sauter.

In Bezug auf den Sinn oder Unsinn von 4k kann ich Ihnen nur zustimmen. Um die Schärfe der 4k-Bilder wirklich wahrnehmen zu können, müsste man in einer Entfernung von 1 1/2-fachem der Bildhöhe vor dem Display die Bilder betrachten. Dieser Betrachtungsabstand wird von der überwiegenden Zahl der Zuschauer abgelehnt. Damit muss man davon ausgehen, dass der Zuschauer die höhere Auflösung also überhaupt nicht wahrnimmt. Bei Tablets oder Smartphones ist es fast unmöglich diesen Abstand einzuhalten.

Eine wesentliche Verbesserung der Bildqualität würde eine höhere zeitliche Auflösung für alle bringen. Man muss ja nicht gleich auf 100 oder 120 B/s umschalten. Schon 50 oder 60 B/s progressiv durchgängig im gesamten Produktions- uns Sendeprozess wären ein sichtbarer Gewinn. Welche Bildverbesserung eine größere Dynamik oder ein erweiterter Farbraum für den "Normazuschauer" ergeben würde, ist wohl bisher nicht hinreichend untersucht worden.

Die Geräteindustrie will natürlich Umsatz machen. Deren Reklame für den Kauf eines 4k-Gerätes suggeriert dem Kunden bessere und sichtbar schärfere Bilder, sie verschweigt aber fast immer, in welchem Abstand man die Bilder betrachten muss. Die Kunden werden nicht ausreichend aufgeklärt und wissentlich falsch beraten.

Mir fehlt in der ganzen Diskussion um 4k die Stimme der seriösen Programmanbieter, hier in erster Linie ARD und ZDF. Es wäre wünschenswert, wenn von dort ein wenig Aufklärung zum Thema 4k käme. Aber man soll ja die Hoffnung nie aufgeben.

W. Sommerhäuser

 

Aus vielen Diskussionen habe ich den Eindruck gewonnen, daß die Fachwelt sich darüber einigt,

4K bringt in der Distribution keinen echten Mehrwert.

Die technisch mögliche höhere Auflösung kommt, selbst wenn man sie denn übertragen würde,

spätestens aufgrund der Sehgewohnheiten beim Verbraucher nicht an.

 

Von der Empfängerindustrie werden wieder einmal nicht erfüllbare Erwartungen geweckt.

Eine ähnliche Situation gab es bereits vor nicht zu langer Zeit schon einmal mit 3D.

Das Desaster ist bekannt.

 

Zur Zeit scheint eine panisch um ihre Umsätze fürchtende Empfängerindustrie ihr Heil zu suchen

in einer Beschleunigung der Frequenz von (Pseudo-)innovationen.

Man könnte es nun abtun als das normale Verhalten in der Konsumgüterindustrie, das den

professionellen Bereich nur am Rande tangiert.

Aber so ist es nicht mehr und das wird zum Problem.

 

Um nicht als rückständig zu gelten, verweigert sich kaum eine der Sendeanstalten.

Man bezieht keine Stellung, wartet ab.

Für Hersteller im professionellen Bereich entsteht dadurch eine höchst problematische Situation.

Projekte werden verschoben, Investitionen zurückgehalten, eine verläßliche Planung ist kaum möglich.

Dazu kommt, wie geht es mit neuen Standard weiter?

AVB scheint tot, die NAB setzte auf SMPTE2022 und inzwischen versucht Sony einen neuen

Workflow in den Markt zu drücken.

Ähnliche Unsicherheiten zeichnen sich möglicherweise im CODEC Bereich ab.

 

Und, am Rande, 4K ist ja eigentlich schon überholt.

Die Zukunft heißt 8K, in Asien gibt es dazu seit einiger Zeit konkrete Roadmaps zur Implementierung.

Sehr geehrter Herr Eggersglüß.

Es ist wirklich an der Zeit, dass die Programmveranstalter ihren Zuschauern klaren Wein einschenken.

Der Sprung von HD auf 4K erfordert die vierfache Bandbreite. Die Einführung einer höheren Framerate von 50 auf z.B. 100 würde dagegen nur eine Verdoppelung bedeuten. Auch ein größerer Farbraum und höhere Dynamik wäre eine Bildverbesserung die von jedem Zuschauer wahrgenommen würde.

Hier sind die Programmveranstalter und auch die internationalen Gremien in der Pflicht, die öffentlichkeit über Sinn und Unsinn von Angeboten der Geräteindudtrie zu informieren.

Über die Sinnhaftigkeit von gar 8K muss man kaum ein Wort verlieren.

W. Sommerhäuser

Lieber Herr Sauter,


Vielen Dank für Ihre tolle Anregung zur Diskussion. Ich stimme Ihnen allerdings nicht in allen Punkten 100% zu. Höhere maximale Leuchtdichten ermöglichen zum Beispiel gerade im hellen Wohnzimmer Bilder mit akzeptableren Dynamikumfang. Und ich bin selber immer noch überrascht zu sehen wie Rec.2020 den gestalterischen Spielraum gegenüber P3 tatsächlich noch ein Stück erhöht. Nebenbei werden wir 95% von Rec.2020 ja ohnehin 'gratis' mit der nächsten Fernsehergeneration bekommen. Warum? Das erläutern wir am 13.Oktober an der Hochschule der Medien im Rahmen des nächsten FKTG Regionalgruppen-Treffs: https://www.fktg.org/regionalgruppe-stuttgart-18

Um nicht nur trocken zu diskutieren werden wir am 13.Oktober nicht nur Rec.2020 Bilder, sondern auch HDR, HFR, und 4K Video zeigen und diskutieren. Wir würden uns sehr freuen auch den ein oder anderen Gast außerhalb Stuttgarts an der Hochschule der Medien zu begrüßen.

Jan Fröhlich