Jahresbericht 2014 des IRT: "Wir gestalten Zukunft "

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In diesen Tagen erhielt ich die gedruckte Ausgabe des Jahresberichts 2014 des Instituts für Rundfunktechnik in München. Die Broschüre gefällt mir dieses Jahr besonders gut. Gleich auf der zweiten Innenseite ist eine umfangreiche aber klare und verständliche Darstellung, die ich mir sehr lange angeschaut habe. Sie zeigt auf der Außenseite des Kreises eine Themenlandschaft, mit all den Themen, mit denen sich das Institut für Rundfunktechnik intensiver beschäftigt. Diese Auflistung stellt gleichzeitig eine hervorragende Gliederung unserer gesamten, oder sagen wir fast gesamten, heutigen Medienwelt dar. Zwei Dinge werden auf Anhieb plötzlich klar erkennbar. Die Themenlandschaft umfasst Aufgabenbereiche, von denen geschätzte 60 % vor 20 Jahren noch völlig unbekannt waren. Und ich meine damit nicht, dass natürlich bei den bekannten Anwendungen heute neue Techniken gegenüber damals im Vordergrund stehen, sondern es handelt sich um vollkommen neue Bereiche, die sowohl tief in die IT-Welt hineinragen als auch den klassischen Bereich deutlich vergrößern.

Mit Mausklick vergrößernAlle diese Themen sind in irgendeiner Weise miteinander verzahnt, das eine hängt oft mit anderen zusammen und auch das ist gut durch die Verbindungslinien innerhalb der Grafik erfasst, die ich mir hier des besseren Verständnisses wegen erlaubt habe, aus dem Bericht herauszunehmen und zu veröffentlichen (Bild links, mit Mausklick vergrößern). Ich habe noch nie eine Darstellung gesehen, die die Einzelthemen und deren Zusammenhänge in einer derartig klaren und logischen Weise darstellt und sie wird mir künftig eine gute Hilfe für mein eigenes Interessenverständnis sein.

Sie ist gleichzeitig auch Fahrplan durch den Inhalt des Jahresberichts. Dr. Rainer Schäfer berichtet eingangs über die Herausforderungen der Netzwerktechnik in der Live-Produktion. Er macht klar, warum es nur einen möglichen Ansatz geben kann, und der bedeutet, dass das Netzwerk und seine Komponenten selbst dafür sorgen muss, dass keine Daten verloren gehen und gegenüber Laufzeiten und Laufzeitschwankungen entsprechend robust ausgelegt sein müssen.

Im Projekt IMB5 erforscht das IRT zusammen mit Partnern die Integration von Rundfunk und Mobilfunk in LTE/5G. Erste Testausstrahlungen und Messungen fanden statt. Aber man ist noch in einem sehr frühen Forschungsstadium, sodass sich die Erkenntnisse noch nicht auf neue Dienste oder geplante, wie zum Beispiel DVB-T2, auswirken werden.

Das IRT beschäftigt sich ja auch mit dem Hörrundfunk und dazu gehört auch der Verkehrsinformationsdienst. Die dort gemachten Erfahrungen weitet das IRT nun auch auf das Elektroauto aus mit Entwicklungen zur multimodalen Reiseplanung und sogar der Anzeige von Lademöglichkeiten für derartige Fahrzeuge, über die dann das Digitalradio oder über das Internet informiert.

Wer sich heute ein neues Fernsehgerät kauft wird wahrscheinlich schon von Beginn an darauf achten, dass es für den Dienst HbbTV vorgesehen ist. Diese interaktive Fernsehdienst, an dessen Einführung 2009 das IRT maßgeblich beteiligt war, hat sich in Westeuropa und auch Australien gut etabliert und Tests in Russland, einigen afrikanischen und arabischen Ländern sowie in Südamerika lassen erwarten, dass der Standard auch da eine Rolle spielen könnte. Im Berichtsjahr 2014, zur IFA, schaltete zum Beispiel die ARD auf einer Reihe ihrer Mediatheken sowie auf dem ARD-EPG das First-Connect System frei, das eine Verbindung vom TV-Gerät mit einem Second Screen, also einem Smartphone oder Tablet, erlaubt. Hier sind von dem neuen Standard HbbTV 2.0 neue und interessante Features zu erwarten, die ab 2016 verfügbar sein sollen. HbbTV 2.0 gestattet auch eine synchrone Verbindung beispielsweise zum Fernsehprogramm oder ist für Interaktivität mit sozialen Netzwerken ausgelegt.

Zum Thema DVB-T2 und HEVC findet sich ein kurzer Abriss über den Stand der Dinge und auch ein Thema der Frequenzsuche bei Live-Übertragungen soll mit dem Software-Tool FreqScan leichter lösbar sein und wird behandelt. Sehr spannend ist das Thema der objektbasierten Audioproduktion. Es steht im IRT unter dem Motto „Hören wie der Produzent oder der Regisseur es beabsichtigt haben, nicht wie es das Endgerät zulässt“. Das scheint aber doch noch ganz schön Zukunftsmusik zu sein, denn in der Realität steht immer noch, und das schon seit 20 Jahren, das Thema der richtigen Aussteuerung in der Diskussion und zwar nun im Zusammenhang mit der Lautheitsaussteuerung 2.0, ein Thema, das auch im Jahresbericht näher erläutert wird.

Neben diesen längeren aber nicht nur für den Fachmann lesbaren sondern im Gegenteil sehr populär dargestellten Themenberichten finden sich noch eingestreut einige informative Kurzmeldungen zum Beispiel über Low-Cost-DAB-Sender, den ARD-Medien-Filtransfer 2.0 und vieles mehr. Letztendlich werden am Ende des Heftes in einer Tabelle noch einmal die Forschungskooperationen, die 2014 beendet, begonnen worden oder liefen näher aufgeschlüsselt.

Alles in allem handelt es sich um eine sehr lesenswerte und auch kurzweilige Darstellung vieler Themen der Medienzukunft und wer sich etwas mehr vertiefen will findet unter dem Link https://goo.gl/bPbyaQ auch die Möglichkeit, die Broschüre als PDF-File herunterzuladen.

Boljour: Das Weblog von Norbert Bolewski