Harmonisierung der Lautheit hört sich anders an

Seite ausdrucken und/oder als E-Mail versenden
Beiträge von FKTG-Mitgliedern - Für die Inhalte sind die Autoren verantwortlich

 

Autor: Prof. Dietrich Sauter

 


Die Harmonisierung der Lautheit  in einer Sendung und unter den Sendern war sicherlich Ziel und Hoffnung, als die Fernsehbetriebsleiter-Konferenz von ARD und ZDF die Broschüre über die „Sprachverständlichkeit im Fernsehen“ in den „Empfehlungen für Programm und Technik“ 2014 veröffentlichten. Leider wird das im Ergebnis aber nach wie vor in vielen Sendungen nicht im Mindesten erreicht. Selbst bei klassischen Sendungen wie Tagesschau/Tagesthemen oder die Heute-Sendung sind erhebliche Tonsprünge an der Tagesordnung.

Erste Untersuchungen und Erfahrungen haben gezeigt, dass bei einer guten Mischung
der Lautheitsabstand zwischen Sprache und Hintergrund mindestens 7LU beträgt. In
kurzen Sprachpausen sollte dieser Abstand beibehalten werden.“ – so ein Auszug aus den Empfehlungen.  Bei Tagesschau24 (15.8.2015 / 13:15) sind diese Werte offensichtlich bei der Zwischenmusik in die falsche Richtung ausgelegt worden.

Und weiter in den Empfehlungen: „Dabei sollte mit der Umsetzung der EBU-Richtlinie R128 als Standard zur Tonaussteuerung 2012 ein wichtiger Schritt in der Harmonisierung der Lautheit bei Fernseh-Produktionen vollzogen werden.“ Tatsächlich wirkt es wie eine Farce, wenn man z.B. in der Sendung „Liebe im Halteverbot“ des hr vom 14.8.2015 /12:10 ein Hintergrundgeräusch mit anhören muss und dabei den Text nicht versteht. Das sind herausgegriffene einzelne Beispiele, die aber im Laufe des Programms der öffentlich-rechtlichen Sender mehrfach täglich auftreten.

Eine weitere sehr unschöne Erscheinung ist die ständig auftretende Asynchronität zwischen Bild und Ton. Nach den Erfahrungen mit dem Internet glauben die Sender offensichtlich, diese Qualität nicht überbieten zu müssen.

Die Einführung der Richtlinie R128 der EBU sollte alles besser machen, leider ist fast alles schlechter geworden. Das stellte auch Dr. Michael Rombach, Vorsitzender der ARD/ZDF Produktion- und Technik-Kommission in seinem Vorwort zu den Empfehlungen fest: „Geblieben sind jedoch Beschwerden über störende Musikuntermalung, zu laute Hinter­grundgeräusche und schlechte Sprachverständ­lichkeit insgesamt“. Tatsächlich muss der Zuschauer ständig mit der Fernbedienung die Lautheit korrigieren, nicht nur beim Wechsel des Senders, sondern auch zunehmend innerhalb einzelner Sendungen und auch innerhalb einzelner Beiträge. Wo bleibt hier der Anspruch auf gute Qualität?

Doch in den Produktionen treten immer mehr Fehler auf. Der Beitrag in der Empfehlung zur „Sprachverständlichkeit“ klingt dann wie Hohn: Sprach-ver-ständ-lich-keit, so heißt es dort, sind „fünf Silben mit einem vielfältigen und bedeutungsvollen Hintergrund: Man kann sie mit Barrierefreiheit und der Verantwortung als öffentlich-rechtlicher Sender verbinden und der Begriff hat viel mit Hörvermögen und klarer, kundenfreundlicher Tongestaltung zu tun, die Akzeptanz bei unserem Publikum steht dabei ausdrücklich im Vordergrund“.

Aber bei welchem „Tatort“ werden solche Fehler nicht gemacht, wie zum Beispiel:

Sprache

  • falsche Betonungen
  • sehr schnell gesprochener Text
  • genuschelter oder gemurmelter Dialog
  • gleichzeitiges Sprechen (Dialogüberlagerung)
  • unvollständige Satzbildung
  • nicht vertraute Dialekte und ausgeprägte Akzente
     

Hintergrundgeräusche

  • starker Verkehrslärm, Lüfter und Klimaanlagen- Geräusche, plätscherndes Wasser, Tierstimmen, laute Menschenansammlungen, etc.
     

Hintergrundmusik

  • dynamische Musik und helle Klangfarben
  • Gesang und Soloinstrumente
     

Das gleichzeitige Sprechen wird sinnigerweise bei fast keiner Talkshow vermieden, vor allem Politiker reden mit Begeisterung dazwischen und verhindern so jede Verständlichkeit.

Offensichtlich ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht in der Lage, seinen eigenen Qualitätsanspruch zu erfüllen; am Geld kann es nicht liegen, siehe dazu die Leistungen der BBC.


Literatur

Sprachverständlichkeit im Fernsehen - Empfehlungen für Programm und Technik

Auftraggeber: ARD/ZDF Fernsehbetriebsleiter-Konferenz (FSBL-K) Juli 2014©ARD/ZDF

Autoren: Michael Eberhard (SWR, FSBL-K), Matthias Eberhardt (SWR), Erich Ebert (SWR),

Prof. Dr. Elmar Hergenröder (BR), Max Kiefer (WDR), Daniel Matejka (ZDF), Askan Siegfried (NDR)

Gestaltung: Chris Veit (SWR)

Bilder Titel: SWR, WDR, ZDF, Colourbox, ProTools

Nachdruck - auch auszugsweise - erwünscht!

Mit Genehmigung der Direktion Technik und Produktion im SWR:

z.Hd Herrn Michael Eberhard, SWR Stuttgart (Michael.Eberhard@swr.de)

Weitere Beiträge von FKTG-Mitgliedern