Trends der professionellen Aufnahme und Postproduction

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Was sind die wichtigsten Trends bei der professionellen Aufnahme- und Postproduction? Dr. Siegfried Foessel (Bild links), Chef der Abteilung Bewegbildtechnologie beim Fraunhofer IIS in Erlangen und Vorsitzender der FKTG, listete sie kürzlich unter yahoo Finance auf.

Als Wesentlich führte er an, die Konvergenz zwischen den unterschiedlichen Medien Kino, Rundfunk und Multimedia weiter zu entwickeln. Zwar gäbe es die spezifischen Standards für die verschiedenen Anwendungen aber sie unterscheiden sich beispielsweise durch unterschiedliche Auflösungen, Bildraten, Farbräume und Dynamikbereiche. Die Auswertung der Inhalte sollte indes schon allein aus wirtschaftlichen Gründen optimal über die ganze Palette an Wiedergabemöglichkeiten gegeben sein. Dies setzt universelle Technologien und harmonisierte Standards voraus, zum Beispiel bei den Datenformaten und Codecs. Um dies alles unter einen gemeinsamen Hut zu bringen ist zur Zeit das so genannte Interoperable Master Format IMF bei der SMPTE in der Standardisierungsphase. Das IMF ist ein universelles Format, das in jedes Verteilformat umgesetzt werden kann und dann den Austausch und die Arbeiten zwischen Post-Produktionsstufen, Postproduktion und Content-Lieferanten in verschiedenen Produktionsumgebungen ermöglichen wird.

Die Nachfrage und Entwicklung moderner Kompressionstechniken für die Bereitstellung der nötigen Bandbreite und Infrastruktur für Live-Produktionen wird indessen immer schwieriger. Tatsächlich wird es noch gewaltiger Anstrengungen bedürfen, um die heutigen Anforderungen an Auflösung und Dynamikbereich bis zu 4K und darüber hinaus über Ethernet oder HD SDI-Kabel übertragen zu können. Die Entwicklung von Codecs zur visuell verlustfreien Übertragung dieser Inhalte für professionelle Szenarien zu gewährleisten wird indessen immer wichtiger.

Die Technik geht auch hin zu Aufnahmetechniken, die mit einer einzigen Aufnahme sehr unterschiedliche Wiedergabemöglichkeiten abdecken können wie neben der üblichen zweidimensionalen Wiedergabe im Kino oder im Fernsehen, auch 3D-Darstellungen und VR-Anwendungen Hier gibt es verschiedene Entwicklungen mit Mehrkameraarrays, Kameras mit einer zusätzlichen Tiefenaufzeichnung, aus denen sich die dritte Dimension des Bildes ableiten bzw. errechnen lässt oder zum Beispiel die Lichtfeldkamera, an der gerade am Fraunhofer-Institut auch sehr intensiv geforscht und entwickelt wird. Entscheidend ist, dass man nicht unterschiedliche Aufnahmekameras einsetzen muss, sondern gewissermaßen mit einer Art Universalkamera unterschiedliche Wiedergaben in der Postproduction von einem Ausgangsmaterial erstellen kann. Bei Fraunhofer werden dafür übrigens auch Plug-ins für die nachträgliche Fokuseinstellung sowie für Spezialeffekte, wie zum Beispiel virtuelle Kamerabewegungen, Dolly-Zooms sowie den "Matrix "-Effekt entwickelt und getestet.

Toll, aber ehrlich gesagt, bis eine solche Lichtfeldkamera, die es ja schon seit einiger Zeit als Stehbildausführung zu kaufen gibt, für filmische Aufnahmen im Produktionsprozess am Set reif ist, dürfte noch viel Zeit ins Land gehen. Noch scheint mir selbst für Standbilder die Auflösung für Profianwendungen zu gering zu sein und wenn man bedenkt, was für eine derartige Videokamera an Datenmengen zu speichern und zu verarbeiten wären, bin ich hier doch skeptischer. Ich glaube das übersteigt noch deutlich unsere heutigen technischen Möglichkeiten. Wenn es allerdings gelänge, und Fraunhofer IIS scheint mir da sehr weit in ihrer Forschung zu sein, wäre das in der Tat ein mächtiger Schritt in die Wirtschaftlichkeit künftiger Filmproduktionen. Auf der Website www.iis.fraunhofer.de/de/ff/bsy/tech/lichtfeld.html gibt es eine Reihe interessanter und weiterführender Informationen.





 

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