Hans Kiening gestorben

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Die Historie der Kinotechnik zeigt eine Reihe von hochbegabten Tüftlern und Ingenieuren auf, zu denen auch Hans Kiening gehörte, der, wie ich heute erfuhr, am 7. Mai 2016 im Alter von 80 Jahren gestorben ist.

Mit der Filmtechnik kam der am 17. März 1936 Geborene schon früh als technischer Mitarbeiter bei den Bavaria Filmstudios in Kontakt. Ende der 1950erJahre entstand dort das Electronic-Cam-Verfahren. Dort beschäftigte er sich mit dem Thema der Flügelblendengeometrie und nahm auch Patente auf seine Entwicklung. 1971 eröffnete er seine eigene Firma mit dem Namen Kodika in Bad Tölz. Bereits seine erste Entwicklung dort führte zu einem Beitrag in der „Kino-Technik“ über die Stabilisierung von Bildkopierlampen. 1976 stellte er dort auch eine motorisch arbeitende Filmtransporteinrichtung vor, bei der der Filmzug elektronisch geregelt wurde. Das war eine absolute Neuheit und brachte neben einem hohen Bekanntheitsgrad auch erste Verkaufserfolge. Schon 1977 stellte er in einem Vortrag vor der FKTG in Kiel den Einsatz der sogenannten Bildzähltechnik zur Auslösung von Lichtsteuerungen an Kopiermaschinen vor. Anstelle der bisher üblichen Zweistreifenmethode kam dieses Verfahren mit nur einem Lochstreifenband aus. Wenige Jahre später entwickelte er sein Anti-Schrammen-Kopiersystem SES, bei dem der Film aus einerin einem bestimmten Abstand vor dem Bildfenster angebrachten Düse kurz vor dem Kopierfenster besprüht wird. Trotz einiger Erfolge konnte sich das System jedoch nicht durchsetzen. 1987 entwickelte er eine neue Additiv-Durchlauf-Kopiermaschine in modularer Bauweise, mit der die Produktivität beispielsweise eines sogenannten C-Printers von Bell & Howell deutlich gesteigert werden konnte. Die Geräte dieses ideenreichen Ingenieurs wurden weltweit geschätzt und oft auch von ihm auf die besonderen Anforderungen seiner Kunden passgenau „frisiert“. Der Niedergang der klassischen Filmtechnik insbesondere im Kopierwerkbereich hatte auch entsprechende Folgen für sein Unternehmen. Kodika wird es aber weiter geben – seine beiden Söhne werden die verbleibenden Geschäfte weiterführen.                                                                  

Boljour: Das Weblog von Norbert Bolewski