Alles IP? - noch lange nicht !

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Im zweiten Themenblock berichteten Vertreter von Forschung, Herstellern und Anwendern über den Stand der Entwicklungen bei reinen IP-Infrastrukturen und ihren Erfahrungen bei der Anwendung. Markus Berg und Franz Baumann vom IRT berichteten über die nach wie vor ungebrochene Inflation an neuen und oft herstellerspezifischen, inkompatiblen Standards, sowie über die Hoffnung, nun viele Einzelteile im neuen Standard SMPTE 2110 zusammenbringen zu können. Während Synchronisation und Essenz-Transport nun einigermaßen auf der Zielgeraden lägen, seien das (automatisierte) Management mit Hilfe der Networked Media Open Specifications (NMOS, entwickelt von der AMWA) und auch die Virtualisierung noch ein weiter Weg auf der Roadmap der Joint Task Force on Networked Media, einer Kooperation von AMWA, EBU, SMPTE und Video Services Forum. Markus Berg berichtete weiterhin von den Arbeiten des IRT zur der Bewertung des Proof of Concept für IP-Infrastrukturen bei der „RTL City“, dem Neubauprojekt von BCE in Luxemburg. Hier wurden eine Reihe von Interoperabilitätstests vor Ort in Luxemburg und im IRT in München durchgeführt.

Bernd Hänsch vom SWR gab einen ersten qualitativen Einblick in einen derzeit laufenden Proof of Concept der AG Infrastruktur der ARD-Konferenz IT, bei dem mehrere Komponenten eines IP-basierten Studios im IRT zusammengetragen und testweise auch über eine Strecke des CN der ARD vernetzt wurden. Hauptfokus der Tests ist die Prüfung des Verhaltens eines IP-Switches von Cisco als einem typischen Vertreter der existierenden IP-Infrastrukturen in existierenden Netzen.

Friedrich Gierlinger, der SMPTE-Spezialist des IRT, ging auf Details der PTP-Synchronisierung über IP ein, die das analoge Black-Burst Signal ersetzt. Seit Nov. 2015 gab es bei der SMPTE mehrere Interoperabilitätstests. Ein Erfolg bei Standardisierung und Tests ist neuerdings insofern zu vermelden, als die Sync-Standards für Video (SMPTE 2059) und für Audio (Teil von AES67), die beide auf bisher inkompatiblen Profilen von IEEE 1588 aufbauen nun im gemischten Betrieb im gleichen Netz eingesetzt werden können, wenn dort ein „SMPTE Grandmaster“ eingesetzt wird. Ein weiterer Interoperabilitätstest dazu ist im IRT geplant.

Felix Krückels von Lawo zeigte am Beispiel der Remote-Produktion für die Formel 1 bei RTL, der EURO 2016 und auch einer Testproduktion des rbb, welche Einsatzpotenziale mit IP-Netzen oder auch gemischten SDI/IP-Strukturen heute schon gegeben sind. Equipment und Personal vor Ort können erheblich reduziert werden, vor allem aber können beide Ressourcen in einer immobilen zentralen Regie viel enger getaktet und damit kostensparender eingesetzt werden. Das volle Potenzial wird erst mit einer Virtualisierung der Broadcast-Infrastruktur, der Abstraktion von Standorten und der flexiblen Software-definierten Verarbeitung erreicht.

Ralf Hermann von Tektronix zeigte Lösungsansätze für die messtechnischen Herausforderungen in der neuen IP-Welt, denn die Eigenschaften wie „packet interarrival over time“ (PIT), Packet Loss und das Verhalten des PTP-Datenverkehrs eines im schlimmsten Fall „unkontrolliert wabernden Netzwerks“ müssen exakt analysiert werden, um Probleme zu lokalisieren, zu lösen und im Idealfall vor dem Auftreten größerer Einbrüche schon zu erkennen. Eine Fehlerkorrelation zwischen Netzwerk- und Video-Ebene erlaubt zusätzliche Interpretationen der Analysen.

Detmar Wilcke vom ARD-Sternpunkt in Frankfurt berichtete über die Planung zum neuen Hörfunkdauerleitungsnetz, das zeitgleich bis zu 32 Leitungen jeder Rundfunkanstalt in der gesamten ARD zur Weiternutzung bereitstellt. Das System basiert auf Ravenna/AES67; eigene PTP-Grandmaster in jeder Anstalt werden über GPS synchronisiert. Die Planungen berücksichtigen ebenso Redundanzen und Security. Die Disposition erfolgt über das Projekt weConnect, das am folgenden Tag detaillierter vorgestellt wurde.

Bericht von Rainer Schäfer -

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