Effiziente und skalierbare Remote Produktion auf IP-Basis

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Ein Schritt in Richtung Cloud

Wo es früher nicht ohne Ü-Wagen und große Teams vor Ort ging, lassen sich komplexe Liveproduktionen heute mit deutlich geringerem Aufwand realisieren. Möglich macht das die Kombination aus komplett IP-basierter Produktion und der richtigen Software. So sparen Produktionsfirmen nicht nur Kosten, sie machen auch einen entscheidenden Schritt in Richtung cloudbasierter Produktion.

Ein paar Experten, ein paar Bier, fachkundiges Publikum und ein Phrasenschwein – und das ganze live. Der TV-Stammtisch „Doppelpass“ gehört für Fußball-Fans seit 1995 zum festen Inventar der Bundesliga. Bei der Produktion der Talkshow kommt seit August 2016 kein kompletter Ü-Wagen mehr zum Einsatz. Stattdessen läuft die Übertragung aus dem Hotel Kempinski Airport München komplett IP-basiert. Die Folge: Weniger Personal und Hardware vor Ort, mehr Flexibilität und höhere Produktivität.

Das für den aktuellen „Doppelpass“ eingesetzte System hat LOGIC media solutions aus Bickenbach bei Darmstadt mit der Produktionsfirma Plazamedia und LOGICs Partner Nevion aus Norwegen entwickelt. Eine redundante 10-Gigabit-Ethernet-Verbindung (10GE) transportiert Audio- und Videosignale von den Kameras und Mikrofonen im Hotel zum Produktionsstandort von Plazamedia in Ismaning und zurück zum Aufnahmeort. Alle live-relevanten Bilder überträgt die Technik dabei unkomprimiert (SMPTE 2022-6), weitere Bilder, für zum Beispiel On-Set-Monitore, werden per JPEG2000 komprimiert, um Bandbreite zu sparen.

Kleines Team, große Produktion

Durch diese Konfiguration bleiben Team und Technik vor Ort relativ schlank: Benötigt werden nur die Kameraleute, ein Audiotechniker sowie Bildmischer und Regisseur, bei dieser Produktion in Personalunion. Sie arbeiten mit den Kameras, zwei Flightcases und den dazugehörigen Kabelverbindungen, ein Ü-Wagen ist nicht mehr nötig. Alle weitere Experten – darunter Videooperatoren und Grafikproduzenten – sitzen in Ismaning.

Die Folgen: Höhere Produktivität und niedrigere Kosten, nicht nur für die Anschaffung der schlanken Technik und durch den geringeren Personalbedarf, sondern auch im laufenden Betrieb. So bieten Provider Glasfaser-Verbindungen wie das hier genutzte 10-Gigabit-Ethernet dank des intensiven Wettbewerbs inzwischen zu Preisen an, die vor fünf bis zehn Jahren kaum denkbar gewesen wären.

Fast noch wichtiger ist die hohe Flexibilität der hier eingesetzten, IP-basierten Technik. Denn dadurch stehen die Signale allen Geräten im Netz zur Verfügung. Das bedeutet konkret: Obwohl sich beim Doppelpass die MainFrame in Ismaning befindet, der Arbeitsplatz des Bildmischers aber vor Ort im Hotel Kempinski, kann sich der Mischer alle aktuell produzierten Bilder ganz einfach live anzeigen lassen. Mit klassischer Technologie wäre das zwar ebenfalls möglich, allerdings ungleich komplizierter in der Umsetzung.

Unkompliziert von Sendung zu Sendung

Produktionshäuser wie Plazamedia profitieren außerdem davon, dass sich mehrere aufeinanderfolgende oder überlappende Sendungen besser umsetzen lassen als zuvor. Schließlich sitzt der Großteil des produzierenden Teams in der Zentrale und nicht mehr im Ü-Wagen und kann nach Ende der Sendung einfach zum nächsten Programmpunkt wechseln. Mehrere Live-Übertragungen von verschiedenen Standorten, sei es in der Bundesliga, in der Wintersport-Saison, bei einem Monster-Event wie Olympia oder an einem Wahlabend, lassen sich so deutlich effizienter produzieren.

Gehirn der hier eingesetzten Technik ist die von Nevion entwickelte Netzwerksteuerung VideoIPath, die auf Basis der Adaptionstechnik auf den IP-Switch aufsetzt und das Verbindungsmanagement über ein komplett durch die Software definiertes Netzwerk (SDN) übernimmt. Die Geräte steuern sich also nicht mehr selbst; klassische Herausforderungen komplett IP-basierter Produktion existieren so nicht mehr. Adresskonflikte gehören der Vergangenheit an, das Produktionsnetzwerk ist beliebig skalier- und erweiterbar, ohne dass es dabei Probleme mit Treibern gibt. Zudem ist das System auch für Laien ohne jegliche Kenntnis über IT oder das darunterliegende Netz bedienbar und muss sich in Sachen Latenz und Schaltgeschwindigkeit nicht vor der klassischen Lösung aus SDI und Kreuzschiene verstecken.

Effizient, kostengünstig – und zukunftssicher

Die Flexibilität und die Skalierbarkeit der Remote Produktion auf IP-Basis sind außerdem eine Grundlage für zukünftige Remote Produktion in der Cloud – also die Verschiebung von Teilen des Produktionsequipments auf Online-Plattformen. Das eröffnet neue Möglichkeiten, etwa durch die leichtere Integration sozialer Netzwerke oder durch die Gelegenheit, Inhalte unkompliziert auf Plattformen wie Facebook, Youtube und anderswo auszuspielen.

Dazu kommen neue Geschäftsmodelle: Eine Produktionslösung wie diese, mit möglichst schlanker Technik und kleinem Team vor Ort, lässt sich unkompliziert ganz oder teilweise als Managed Service vermieten, für einzelne Events oder sogar stundenweise. Auf diesem Weg macht die Remote Produktion auf IP-Basis nicht nur die aktuelle Produktion des „Doppelpass“ effizienter und unkomplizierter, sie ist auch zukunftssicher für die Bundesliga-Stammtische kommender Jahre – und für viele weitere Produktionen.

- Logic Media

Redaktion: Tobias Hanraths

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