Zukunftsperspektiven der AV-Produktion (Berichte IV und V.)

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IV. Ich bin dann mal Ultra


Im vierten Themenblock stellten sich Stefan Heimbecher von Sky und Thomas Palm von ARTE gleich am Morgen des zweiten Tages den Erfahrungen mit UltraHD.Stefan Heimbecher zeigte den Weg bei Sky auf, der schon 2012 begann und mit der Aufnahme erster UHD-Angebote für Sky Sport UHD und für Sky Sport Bundesliga UHD im Oktober 2016 einen vorläufigen Höhepunkt hatte. Ausführliche Untersuchungen und Probeproduktionen begleiteten dabei alle Testphasen. Der Mehrwert von UHD bleibe eine Herausforderung, komme aber inzwischen beim Kunden an. Schwerpunkt von Tests der letzten zwei Jahre bildete Higher Dynamic Range. Die Einführung von HDR erwartet Sky erst in 2017, denn „wir würden es liebend gerne machen, die Geräte geben es aber einfach noch nicht her“, so Heimbecher.

Thomas Palm beschrieb die ersten Erfahrungen bei ARTE als „Pilgerreise“, in der man Dinge im kleinen Umfang ausprobieren müsse und auch wieder abschalten, wenn etwas nicht funktioniert. Ausschlaggebend sei auch das Netzwerk aller Partner im Programmaustausch, das inzwischen steigende Anforderungen stelle. Bei arte wurden nach einem etwa zweijährigen Sensibilisierungsprozess Testproduktionen durchgeführt u.a. im April 2016 die Produktion der Oper „le Corsaire“, die live über Eutelsat und Astra, sowie mit Unterstützung des IRT auch live als UHD-DASH-Streaming-Angebot, eingebunden in HbbTV, ausgestrahlt wurde. Die Mehrkosten für UHD liegen nach den ersten Erfahrungen eher beim Erwerb der Rechte – im technischen Bereich ergab sich ein Mehraufwand von knapp 7% für das Color Grading und die Anfertigung eines zusätzlichen Masters. In zwei weiteren Thementagen zur IFA 2016 standen 8Stunden UHD-Material über DASH, Astra, Hotbird und Eutelsat bereit. Das Zuschauer-Feedback zeigte keinerlei Probleme auf, aber auch noch begrenzte Resonanz. In einem nächsten Schritt soll HDR einbezogen werden. Große Herausforderungen stelle noch die gesamte Signalkette mit geeigneten Produktions-Codecs, Kaskadierungen, Konversionen und Transcoding bei hoher Performanz dar.

V. Metadaten – keiner mag sie, jeder braucht sie !

Der fünfte Block behandelte aktuelle Entwicklungen im Umfeld der Metadaten. Andreas Ebner und Barbara Fichte vom IRT führten in aktuelle Entwicklungen zum Austausch von Metadaten in der ARD ein. Eine Vielzahl von Schnittstellen nutzt inzwischen Datenobjekte und Teilmodelle aus einem übergeordneten Gesamtmodell des Broadcast Metadata Formats BMF. Vorteile liegen damit in der Kompatibilität dieser Objekte über Anwendungen hinweg. Konkret sind dies die elektronische Medienbegleitkarte, programbegleitenden Metadaten in der Distribution, der Hörfunkbeitragsaustausch, der neue Medienfiletransfer 2.0 und der Hersteller übergreifende Austausch von Schnittlisten.

Joachim Bode vom NDR war leider kurzfristig verhindert und konnte seinen Beitrag nicht selbst vorstellen, stellvertretend erläuterte aber Andreas Ebner die Erfahrungen des NDR bei der Anbindung des Medienfiletransfers 2.0 an die bestehende Produktionsumgebung. Während der eigentlich Filetransfer „metadatenagnostisch“ ist und „nur“ Files hochperformant kopiert würden, sei die Medienbegleitkarte hochrelevant für die Beschreibung der ausgetauschten Essenzen. Drittsystemhersteller implementieren und testen bereits die dazu nötige Datenanbindung. Grundsätzlich ist der automatisierte Austausch zwischen den Content Management Systemen der einzelnen Häuser angestrebt – selbst wenn der Empfänger in einer Übergangsphase nicht alle Daten nutzen kann, soll immer ein Maximum an Daten angeliefert werden. Die praktischen Erfahrungen bestätigten zwar eine Einstiegshürde, sie zeigen inzwischen aber auch, dass anschließend viele Synergien nutzbar wären. Die Qualität vorhandener Metadaten stelle oft ein Problem dar, das durch diesen automatisierten Austausch erst sichtbar würde.

Tobias Schwahn vom ZDF bestätigte den Bedarf einer elektronischen MAZ-Karte auch beim ZDF. Die dort entwickelte Karte umfasst im Wesentlichen eine Untermenge der ARD-MAZ-Karte und nutzt ebenfalls das BMF-Datenmodell. Verschiedene Workflows sind bei der Zulieferung möglich.

Torsten Linde vom MDR beschrieb eine neue Entwicklung im MDR, die zukünftig eine automatisierte Rückverfolgung von Metadaten bis hin zum Ursprungsmaterial erlauben soll – und demonstrierte dies auch live. Dazu werden Schnittlisten möglichst automatisiert erfasst, automatisiert ausgewertet und in ein BMF-konformes XMF-File konvertiert. Tests erfolgen derzeit mit Systemen von AVID, Adobe und Medway. Zusätzlich würden Informationen aus dem ARD-Archivsystem FESAD aggregiert. Eine besondere, aber auch lösbare Herausforderung wäre die Verdichtung der vielen nun zugänglichen Informationen in geeigneten GUIs. Auch beim MDR wäre die Qualität der nun zu nutzenden Metadaten eine Herausforderung und das laufende Projekt derzeit ein „Brennglas auf die Sünden der Vergangenheit“ – eine Lösung und Aufgabe für die Zukunft läge in der verbesserten Datenerfassung direkt beim Ingest.

Matthias Ewert vom WDR erläuterte das im Hörfunk gerade ARD-weit in der Einführung befindliche Projekt „weConnect“, das eine offene Schnittstelle und Protokollsprache für den Austausch von multimedialen Beiträgen (Audios, Videos, Bilder, Texte) und von Leitungsinformationen festlegt. Damit werden neben einem Daten- und Essenzaustausch auch die Disposition ermöglicht. Auch dieses Projekt nutzt eine auf BMF basierende XML-Struktur. Die Einführung soll bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

Katharina Giesen vom BR und Rainer Schäfer vom IRT berichteten zum Stand des Austauschprojektes für Distributionsmetadaten auf der Basis des ARD Metadatenkranzes. In einem vorangehenden Projekt wurde bereits eine BMF-basierte Austauschschnittstelle entwickelt, die nun von einer größeren Anzahl von Projektpartnern aus der ARD umgesetzt und an die hausinternen Systeme angebunden wird. Die im vorangehenden Projekt – wie für alle Projekte zur übergreifenden Nutzung von Metadaten - erkannten Einstiegshürden bei der Anbindung bestehender Systeme und der Qualität bestehender Metadaten bestünden auch hier. Sie würden aber durch eine effizientere Nutzung und erleichterte oder gar nicht mehr nötige Eingaben kompensiert. Dies erläuterte Katharina Giesen anhand der Programmübernahme zwischen einzelnen Häusern.

Bericht von Rainer Schäfer -

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