Bewerbermangel für Professuren an Fachhochschulen

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Viele Ingenieure im Technikbereich, gerade auch Mitglieder der FKTG, streben früher oder später eine Professur an einer Fachhochschule an. Sie arbeiten zum Teil in der Entwicklung von Systemen und Anlagen und viele von ihnen haben jahrzehntelange Erfahrungen in der Praxis, ein Wert, der oft sehr differenziert beurteilter wird. Oder Sie kommen aufgrund gesetzlicher Regelungen nicht infrage, obwohl man sie eigentlich gerne hätte. Dies belegt auch die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung "Bewerberlage bei Fachhochschulprofessuren", die am 30. Mai 2017  veröffentlicht wurde. Die gesamte 150-seitige Studie ist unter [1]  als pdf-File downzuloaden,


Das Problem

Dort wird auch festgehalten, dass insbesondere staatliche Fachhochschulen in manchen Fächern und Regionen große Probleme haben, Professorinnen und Professoren zu gewinnen. Und Schwierigkeiten gibt es besonders häufig in den Ingenieurwissenschaften. Die Hälfte aller Berufungsverfahren konnte in dieser Fächergruppe in der ersten Ausschreibungsrunde nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Differenziert nach Ländern stellen sich die Herausforderungen bei der Besetzung von Professuren laut der Studie unterschiedlich dar. Besonders problematisch ist die Lage in Baden-Württemberg. Hier reichte in 48 Prozent der Verfahren eine Ausschreibung allein nicht aus. Auf Deutschland insgesamt bezogen haben periphere Regionen größere Probleme als Ballungszentren.

Dass die Bewerberlage schwierig ist, zeigt sich auch daran dass, der Studie zufolge in 49 Prozent der Verfahren keine Liste mit drei potentiellen Kandidaten aufgestellt werden kann, was in Berufungsverfahren der Regelfall sein soll. 29 Prozent aller Bewerber scheiden aus formalen Gründen gemäß Landeshochschulgesetz aus, darunter mit einem Anteil von 47 Prozent überproportional häufig wegen unzureichender außerhochschulischer Praxiserfahrung.

Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung hat für seine Studie alle staatlichen deutschen Fachhochschulen und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (ohne Verwaltungshochschulen) zur Mitwirkung eingeladen. 41 von ihnen stellten Daten zu 773 Berufungsverfahren zur Verfügung, bei denen die Stelle zwischen Juli 2013 bis einschließlich Juni 2015 ausgeschrieben war.

Mögliche Ansätze zur Verbesserung der Situation

Besonders interessant ist im abschließenden Kapitel 7. die Diskussion möglicher Ansätze zur Verbesserung der Bewerberlage.

Verbesserung der Information, ist einer der vielen Ansätze, die man vorschlägt. Es zeigten sich nämlich bei zahlreichen Interviews eklatante Informationsdefizite potenzieller Bewerberinnen und Bewerber hinsichtlich der Voraussetzungen für eine Fachhochschulprofessur und der  Karrierewege dorthin.

Eine klarere Strukturierung der Karrierewege sollte ein weiteres Ziel sein. Professuren an Fachhochschulen sind durch das Erfordernis der doppelten Qualifikation sowohl in der Wissenschaft als auch in der Berufspraxis charakterisiert, aber es sind keine systematischen Wege definiert, diese Doppelqualifikation zu erwerben. Bei zahlreichen Bewerbungen auf Fachhochschulprofessuren erfüllen die Kandidat(inn)en deshalb die rechtlich vorgegebenen Zugangsvoraussetzungen nicht.

Unter dem Teilkapitel “Ausdifferenzierung der Professuren” ist der Hinweis zu finden, das eine Standard-Professur an einer Fachhochschule als  W2-besoldete Professur mit einem Lehrdeputat von 18 Semesterwochenstunden und geringer Ausstattung charakterisiert werden kann. In den öffentlichen Diskussionen findet man aber eine Reihe von unterschiedlichen Bezeichnungen von Professuren, die vom Standardmodell abweichen. Sie werden in der Studie aufgelistet und näher spezifiziert.

Schließlich gibt es Kooperationsstrukturen zwischen Fachhochschulen, Universitäten und Unternehmen, die unter anderem auch einen verlässlichen Rahmen für verschiedene gemeinsame Personalentwicklungsmaßnahmen schaffen können. Hier macht sich die Studie für Kooperationsplattformen stark, die die Sichtbarkeit und langfristige Erfolgswahrscheinlichkeit der Maßnahmen erhöhen und zumindest in einer Anfangsphase von Bund und Ländern finanziell gefördert werden sollen.

Die Politik ist gefordert

Die Erstellung einer Studie ist nur die eine sehr wichtige Seite der Situation. Viele Dinge, die zum Teil auch im Hochschulgesetz verankert werden müßten, verlangen zwingend die Zustimmung und den Einsatz der Politik. Inwieweit die gemachten Vorschläge also in die Praxis überführt und gesetzmäßig sowie finanziell abgesichert werden können, ist die andere Seite der Medaille. Und die kennt noch niemand.

N. Bolewski


[1] http://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201703.pdf

 

 

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