Verarbeitung und Verwaltung von "Massendaten im Medienumfeld“

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Am 22. August 2013 fand in der Regionalgruppe Nord in Hamburg, eine Regionalveranstaltung über einen ganzen Nachmittag gehend statt. Sie wurde von den Regionalleitern Tim Kader und Graumann (der leider an der Teilnahme verhindert war) und – auch das ist anders als sonst – in Kooperation mit den Firmen Bechtle, NetApp und Quantum organisiert. Insgesamt kamen die Unternehmen mit insgesamt elf Personen, die in mehreren Vorträgen referierten oder aber auch Fragen in der Diskussion beantworteten. Moderator war nach einem Grußwort von Tim Kader Marc Sundermann von der Firma Bechtle in Hamburg.

Wie man die IT zur Produktion von Filmen und Animationen optimal gestalten und ihre digitalen Informationen speichern und verwalten kann, war der Grundtenor. Begleitet von praxisorientierten Beispielen und Referenzen wurde über Lösungen referiert, die bereits im Einsatz sind. Dieser Bericht kann allerdings nur kurz über die jeweils einzelnen Themen informieren, da die rund vierzig Minuten dauernden Einzelvortrage die jeweilige Thematik sehr detailliert betrachteten.

Projekte und Media Assets, zentral verwalten und teilen

Der erste Referent war Marco Stahl. Er ist einer der Gründer der Berliner Firma Flavoursys, die sich spezialisiert hat auf den Digital-Assets-Markt und hier auf die Verknüpfung von klassischen Postproduktions-Workflows wie Avid Composer Final Cut mit Storage-Systemen.

Wie kann man sich in einer modernen Postproductionsumgebung möglichst ohne proprietäre Speichersysteme einen Workflow schaffen, der alle User miteinander vernetzt und sämtliche Arbeitsabläufe synchronisiert. Die aus dieser Fragestellung resultierende Entwicklung heißt Strawberry. Es ist eine der weltweit wenigen Lösungen,mit dem speicherunabhängig und unabhängig vom Filesystem Editing-Workflows kollaborativ gestaltet werden können. Es lassen sich alle Nutzer in einer zentralen Datenbank zusammenzuführen, sie können dabei alle auf die gleichen Medieninhalte parallel zugreifen. Er erläuterte anschließend das System und stellte besonders die Vorteile der Entwicklung in den Vordergrund. Das sind aus technischer Sicht:

  • Es werden keine Duplikate von Metadateien erstellt.
  • Es ist in IT-Hardware-Umgebungen einsetzbar.
  • Es werden organisierte Strukturen sowohl auf der Datenbank als auch auf der Dateisystemebene verwendet und
  • Nutzer können vom eigentlichen SAN/NAS-Volume ferngehalten werden.
 

Aus Workflows-Sicht ergeben sich die Vorteile, dass

  • Nutzer an beliebigen Computern arbeiten können,
  • Projekte auf „Bestellung“ erscheinen,
  • Nutzer keine technischen Interaktionen durchführen müssen und
  • Subprojekte nicht modifiziert werden können.
 
Dieses System wird sukzessive weiter entwickelt. Einige Entwicklungen wurden angesprochen, zum Beispiel ein reduziertes Feature-Set und eine Software-only-Lösung als Lowcost-Version sowie die Hinzufügung eines Asset-Archiv-Managements für die Highend-Version.

Die Zukunft der Daten ist der Schnee von morgen

Die Brainpool TV GmbH  ist eine sehr erfolgreiche TV-Produktionsfirma für leichte Unterhaltung (Light Entertainment) in Deutschland. Sie erstellt, verwaltet und archiviert die produzierten Sendungen und verkauft sie an Sendeanstalten in alle Welt. Carsten Maul, der IT-Koordinator von Brainpool, hielt den Vortrag mit dem beziehungsreichen Titel „Die Zukunft der Daten ist der Schnee von morgen“. Meine daraus abzuleitende freie Interpretation wäre „Die Zukunft der Daten ist das Kapital von morgen“. Aber erst einmal ging er in seinem Referat weit zurück und beschrieb mit historischem Blick den Beginn der technischen Entwicklung bei diesem Unternehmen, beginnend noch in der Analogzeit und mit Tape-basierten Arbeitsabläufen und einem Archiv auf Bandbasis. Dann kamen erste Digitalisierungsansätze und stetige Verbesserungen und Vereinfachungen. In der Postproduktion begann es mit Avid-Systemen als Standalones.

2008 ging man über zu ersten Netzwerkfunktionalitäten zur einfachen Übergabe von Grafik, Audio und Videomaterial und 2009 begann mit „Editshare“ die Zentralisierung auf einen Online-Speicher zur Verwaltung von digitalem Rohmaterial auf NAS-Systemen. Vorletzte Entwicklung war der komplette Umstieg auf digitales Rohmaterial und die Archivierung in der Postproduktion, den Umbau der vorhandenen NAS-Systeme auf hohe Datengeschwindigkeit und jetzt nun der Neubau der Netzinfrastruktur auf einen zentralen performanten Speicher. Der Speicherbedarf stieg jedes Jahr enorm, so dass die zentrale Netzinstallation extrem erweitert werden musste. Man stieg komplett auf eine SAN-Architektur um. Und schließlich verband man das Ganze mit dem StoreNext-System von Quantum, einem HSM-System, also einem Hierarchisches Speichermanagement. Es kommt zur Zeit mit „ nur“ zwei 40 Terabyte HDD-Laufwerken aus, das die 400 LTO-6 Bandlaufwerke bedient.

Animation, Fantasy, Action & Co.

Nach einer kurzen Pause ging es mit einem Vortrag eines Vertreters von Quantum weiter. Er stellte nochmals das StorNext-System vor. Es handelt sich ja dabei vereinfacht um ein File-System, das die Möglichkeit bietet, die Festplatte optional gewissermaßen unendlich groß auszubauen.

Bild 1

 

Die Grafik Bild 1 zeigt links das File-System und den allgemeinen Workflow, der trotz sehr unterschiedlicher Anwendungen bei allen Unternehmen und Einsätzen ziemlich gleich ist. Es gibt grundsätzlich einen Ingest von Daten, es gibt eine Auswertung und Verarbeitung und letztlich eine Datenausgabe. Es handelt sich also um ein hochperformantes Datensharing. Unterschied zu anderen und von besonderem Vorteil bei NexStore ist, dass auf einem gemeinsamen Speicher gearbeitet wird und man die Daten nicht auf eigenen Speicherplätzen vorhalten und für jeden Produktionsschritt ständig „umheben“ muss.

Der zweite Vorteil ist das hierarchische Speichermanagement, neudeutsch Storage Tiering genannt, bei dem die Daten nach bestimmten Definitionen und Beschreibungen auf kostengünstigen Speicherplätzen belassen werden können. Das können Tapes sein, NAS-Systeme oder auch langsame Plattensysteme. Alle diese Systeme sind in sich gesichert, so dass keine zusätzliche Sicherung nötig wird. Die Daten lassen sich von unterschiedlichen Tiers migrieren, was ein wichtiges Thema für Archive beispielsweise ist, die zukunftsorientiert den Dateninhalt auf neue Speicher überführen müssen. Als Neuheit wurde die Geschwindigkeitserhöhung bei der Skalierbarkeit durch „Object Storage“ vorgestellt. Im weiteren Verlauf des Vortrags ging der Referent dann sehr detailliert auf die Architektur von NexStore ein. Die ist gut strukturiert und könnte schon fast Plug&Play-mäßig angewendet werden, wenn vorher der Workflow präzise bekannt war und die genauen Anforderungen benannt werden konnten. Er stellte dann mehrere Architekturen mit ihren jeweiligen spezifischen Eigenschaften vor.

Media Content Management System

Der letzte Referent kam von NetApp und stellte ein Media Content Management System vor mit den beiden Grundkomponenten, dem StorNext von Quantum und den Speichern der E-Serie von NetApp. Dabei kombinierte er, um bei seinen Worten zu bleiben, zwei bewährte Technologien für einen effizienten Arbeitsablauf. Das StorNext-System bietet einen Namensraum für extrem große Bibliotheken und eine praktisch nur durch den Geldbeutel begrenzte Bandbreite. Auf der Festplattenseite bietet die E-Serie eine extrem hohe Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit. Und die Speicher bieten eine sehr hohe Packungsdichte.

Das unten stehende Bild 2 stellt die einzelnen Komponenten eines Media Content Management Systems dar, die rund um den StorNext als steuerndes Zentrum angeordnet sind. Die einzelnen Elemente wurden anschließend ausführlicher behandelt.

Bild 2

 

Das schlussendlich dargestellte Beispiel gipfelte in einer Lösung mit vier Mac Final Cut Pros, 22 HD-Videostreams und 60 Laufwerken (Bild 3).

Bild 3


Abschluss

Alles in allem bot die die Veranstaltung mit seinen zahlreichen Referenten die Möglichkeit sehr detailliert in die Materie einzusteigen. Auch wurden Fragen aus dem Auditorium gleich mit berücksichtigt.

Am Ende stellten sich nochmals alle Referenten für einen Gedankenaustausch mit dem Auditorium zur Verfügung, der aufzeigte, dass doch ein außerordentlich reges Interesse an dieser überaus komplexen Materie vorhanden war, das auf einem anschließenden Imbiss noch in Einzelgesprächen fortgeführt werden konnte.

Norbert Bolewski


© Text: N. Bolewski
© Foto linke Spalte: N. Bolewski, Bilder 1 bis 3 im Text: Folien der Referenten, © die einzelnen Referenten
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