Expertenforum zur IBC 2013

Beiträge von FKTG-Mitgliedern

Terrestrik vor neuen Aufgaben

Die "Zukunft von DVB-T in Deutschland" stand auf der Tagesordnung einer erweiterten Expertenrunde, zu der die FKTG während der IBC 2013 am 16. September nach Amsterdam einlud – mit einem anschließenden Get-together. Über 70 Besucher nahmen an der Sitzung teil, die durch Siegfried Foessel vom Fraunhofer IIS und stellvertretendem FKTG-Vorsitzenden geleitet wurde.

Das Diskussionspanel war mit Prof. Ulrich Reimers (TU Braunschweig; DVB), Wolfgang Wagner (WDR), Holger Meinzer (Media Broadcast), André Prahl (CBC/RTLGroup) und Peter MacAvock (EBU) kompetent besetzt und brachte – vor allem in der Schlussphase – dann doch eine wichtige medienpolitische Erkenntnis.

Das Diskussionspanel wurde durch Siegfried Foessel vom Fraunhofer IIS und stellvertretendem FKTG-Vorsitzenden geleitet und war mit André Prahl (CBC/RTLGroup), Wolfgang Wagner (WDR), Prof. Ulrich Reimers (TU Braunschweig; DVB), Holger Meinzer (Media Broadcast), und Peter MacAvock (EBU) kompetent besetzt (v.l.n.r.). Foto: FKTG

Das Diskussionspanel wurde durch Siegfried Foessel vom Fraunhofer IIS und stellvertretendem FKTG-Vorsitzenden geleitet und war mit André Prahl (CBC/RTLGroup), Wolfgang Wagner (WDR), Prof. Ulrich Reimers (TU Braunschweig; DVB), Holger Meinzer (Media Broadcast), und Peter MacAvock (EBU) kompetent besetzt (v.l.n.r.). Foto: FKTG

Aber zuvor informierte Siegfried Foessel über die FKTG. Schließlich präsentiert sich die Gesellschaft nicht allzu häufig auf dem großen internationalen Parkett. So sprach er von der Gründung im Jahre 1920 und den rund 2000 persönlichen Mitgliedern sowie den 117 Förderfirmen, die zugleich auch fast alle auf der IBC ausstellten.

Terrestrische Programmverbreitung in Deutschland

Es folgte ein inhaltlicher Überblick über die Programmverbreitung in Deutschland, wobei die Zahlen aus dem Digitalisierungsbericht übernommen wurden: Kabel mit 46,3%, Satellit 46,2% sowie Terrestrik mit etwa 11% der Haushalte und IPTV mit rund 5%. Auch die Versorgung der verschiedenen Regionen wurde betont. In den Ballungsgebieten, in denen private und öffentlich-rechtliche Broadcaster präsent sind, kommt DVB-T auf einen Anteil von über 20% bei einer Hauptversorgung von 11%. In den ländlichen Gebieten liegt die Nutzung bei 11% - und die Hauptnutzung bei 5,5%.

RTL nimmt Abschied von DVB-T

Danach ging es ins eigentliche Thema. Nachdem RTL im Januar angekündigt hatte, sich aus der terrestrischen TV-Versorgung via DVB-T zurückziehen zu wollen, wurde zum 1. August der Großraum München DVB-T-mäßig „geerdet“, rund 100.000 Haushalte waren betroffen und wurden zur RTL-freien Zone. Ende 2014 ist dann in allen Ballungsgebieten Schluss mit RTL, RTL2, Super RTL, Vox und n-tv.

André Prahl nannte noch einmal die „ausstiegsrelevanten Fakten“, nämlich die Entwicklungen bei der TV-Nutzung, da Displays und Auflösung immer größer werden, die Nachfrage nach HDTV-Programmen zunimmt und die Zahl der DVB-T Haushalte, die die Terrestrik für den Hauptbildschirm nutzen, immer weiter zurückgeht. Zudem ist RTL „nicht sicher, ob in unserem Land ein ausreichender politischer Wille existiert, die nötigen Frequenzen zu garantieren“. Kein Kompliment für die Bundesnetzagentur.

Kosten sind nicht alles

Zudem sei die Versorgung über die Terrestrik im Vergleich zu Kabel und Satellit sehr, sehr teuer, zumal RTL da vom AGF/GfK-Fernsehpanel ausgeht. „Für DVB-T kommt da eine Nutzungszahl von weniger als 5% raus, und diese Zahlen sind unsere Währung.“ (Für das AGF-Gfk-Panel wird täglich aus 5.000 Haushalten berichtet, die dann 72 Mio. Personen in 36 Mio. Haushalten repräsentieren; aktuell liegen danach Satellit auf 46,5%, Kabel auf 45,5%, IPTV auf 4,3% und Terrestrik auf 3,7%. d.Red.). Vor allem sei DVB-T pro aktivem Zuschauer 30 mal teurer als bei Satellitenversorgung.

Öffentlich-rechtlicher Versorgungsauftrag

Für Wolfgang Wagner, Produktionsdirektor beim WDR, sind die Kosten auch wichtig – aber wichtiger ist das Commitment als öffentlich-rechtlicher Broadcaster zu DVB-T oder gar zu DVB-T2. „Free-to-air-Versorgung ist das Herz der öffentlichen Verbreitung und das Mandat der öffentlich-rechtlichen Medien“, so Wagner. Und weiter: „Terrestrisches Fernsehen ist seit Dekaden das Rückgrat der öffentlichen Medien-Verbreitung. Und es ist der einzige Übertragungsweg, der auch portable und mobile Empfangsgeräte bedient.“ Laut Wagner ist das Hauptziel der Öffentlich-rechtlichen „unsere Zuschauer zu erreichen, und nicht Kosten zu sparen.“ (Nur für die Kabeleinspeisung der HD-Programme scheint das nicht zu gelten und so gibt es für die öffentlich-rechtlichen Programmveranstalter offensichtlich genügend Gründe, keine weiteren Einspeiseentgelte zahlen zu müssen.)

Auch EBU war überrascht

Peter MacAvock von der EBU war offensichtlich auch von der RTL-Entscheidung überrascht und sieht für die EBU nach wie vor „die terrestrische Versorgung als Kernangebot in unseren Märkten – und als Korrektiv für die anderen Medien.“ Dass andere Länder dem „deutschen RTL-Weg“ folgen, hält der EBU-Experte für nicht sehr wahrscheinlich.

Media Broadcast baut auf Terrestrik

Für Media Broadcast hatte Geschäftsführer Bernd Kraus zugesagt – doch war der damit beschäftigt, seinen Schreibtisch zu räumen. Sein Nachfolger Wolfgang Breuer war noch nicht im Amt, so dass Holger Meinzer als Leiter der Business Unit TV den Platz auf dem Podium einnahm. Der ist wiederum Nachfolger von Henrik Rinnert, der mit der Markteinführung des Mobilen Fernsehens via DMB vor sieben Jahren nicht so recht vorankam.

Meinzer machte klar, „dass DVB-T seinen Preis wert ist, und zwar für die Zuschauer und für die Broadcaster. Für die Zuschauer ist es die einfachste und bequemste TV-Plattform, zudem kostenfrei sowie frei von Bandbreitenbegrenzung wie in IP-Netzen, außerdem geeignet für mobile und portable Nutzung“. Für den MB-Mann ist allerdings der Weg mit dem MPEG-2-Standard jetzt irgendwie am Ende der Lebenszeit und DVB-T hat ausgedient. „Wir müssen die Technik renovieren, und dafür gibt es bereits verschiedene Konzepte!“

Kostenvergleich auf höherem Niveau

Doch beim Kostenvergleich zieht Meinzer einen anderen Ansatz vor, möchte gerne das Geld der Broadcaster auf der einen Seite mit den Ausgaben des Konsumenten für den Kabelanschluss aufwiegen. „Da sind die Gesamtkosten für die Gesellschaft noch viel höher“, so sein Resümee. Hinzu kommt, dass beim DVB-T-Ausbau der portable Empfang eingeplant war, wodurch das gesamte Netz teurer wurde. Interessant auch, dass die freigewordenen Münchner Frequenzen wieder sehr schnell vergeben werden konnten.

Prof. Ulrich Reimers von der TU Braunschweig stellte das terrestrische Fernsehen in den politischen Zusammenhang der Wiedervereinigung, wo die Menschen in der DDR ganz schnell „Westfernsehen“ haben wollten, worauf sich Broadcaster und Satellitenbetreiber frühzeitig verständigen konnten. „Jedermann kann mit einer 60-cm-Schüssel in Deutschland 192 TV Programme kostenlos empfangen“, so Reimers. In der Tat – die Satellitenverbreitung ist im Prinzip für die Nutzer kostenfrei, von privaten HD-Programmen sowie Pay-Angeboten einmal abgesehen. Daher sei die Satellitenverbreitung der größte Feind der Terrestrik.

DVB-T2 mit vielen Möglichkeiten

Was DVB-T2 kann, wurde an der TU Braunschweig ausgiebig untersucht, und nun sieht Reimers vier Einsatzfelder: HDTV, doch sei da der Wettbewerb der Übertragungswege besonders stark. Dann gibt es SDTV+, mit der eine Bildqualität zwischen SD und HD erreicht wird. Mit SD könnten zudem portable oder mobile Empfänger versorgt werden. „Aber ich bin – was DVB-T2 für Deutschland angeht – eher skeptisch“, so Reimers.

Erfahrungen aus dem Ausland

Prahl hält den Zeitpunkt eines Technologiewechsels bereits gekommen, möchte ihn nicht erst 2018 oder 2020. Zudem müsse mit DVB-T2 auch eine kostenpflichtige HD-Plattform wie mit HD+ kommen. Allerdings hätte es sowohl dem RTL- als auch MB-Mann gut angestanden, etwas zu SimpliTV – der seit dem 15. April 2013 in Österreich gestarteten T2-Plattform – zu sagen, gibt es da sogar bundesdeutsche öffentlich-rechtliche HD-Kanäle – gegen Bezahlung. Betrieben wird das Ganze durch die Simpli Services GmbH, einer Tochter der Österreichischen Rundfunksender GmbH (ORS). Die entstand 2005 aus der Sendetechnik des ORF und gehört zu 60% zum ORF und zu 40% zur Raiffeisengruppe. Nach der einmaligen Registrierung werden die HD-Angebote von ORF1, ORF2 und ServusTV HD freigeschaltet. Sechs weitere HD-Programme, nämlich RTL HD, Sat.1HD, Pro7HD, VoxHD, ZDF HD und Das Erste HD, können für 10 € im Monat oder 110 € im Jahr abonniert werden. Die Vermarktung läuft auch über Shops von T-Mobile. Ab 2014 soll es Fernsehgeräte mit integriertem DVB-T2-Decoder geben, SimpliTV wird dann auch ohne externe Set-Top-Box zu empfangen sein. „Simples“ DVB-T soll es in Österreich voraussichtlich nur noch bis 2016 geben.

DVB-T2 contra Glasfaser

Holger Mainzer steuerte Erfahrungen aus Singapur bei, wo ein DVB-T2-Netz aufgebaut wurde, obwohl jeder Haushalt einen 1-Gbit/s-Glasfaseranschluss ordern könne. Doch die Regierung wollte nicht das sehr teure Glasfaser-Netz für linearen Broadcast-Content in HD-Qualität nutzen – die Terrestrik sei da effizienter.

Dauerthema Einspeisegebühren

Immer, wenn es in Anwesenheit eines ARD- oder ZDF-Vertreters um das Thema HDTV geht, kommt zwangsläufig die Frage nach der Gleichbehandlung der Zuschauer. So war es auch während des FKTG-Expertenforums, als Siegfried Foessel aus eigener Betroffenheit die Problematik auf den Tisch packte und das im Kabel reduzierte HD-Angebot monierte. Doch WDR-Mann Wagner machte deutlich, warum die Öffentlich-rechtlichen mit der Umstellung auf die Haushaltsabgabe Anfang des Jahres keine Einspeisegebühren mehr zahlen wollen. „Die Kabelnetzbetreiber können jederzeit auf unsere HD-Inhalte zugreifen. Doch dafür wollen und können wir nicht auch noch bezahlen. Ein solches Modell war historisch bedingt, ist aber keine Option für die Zukunft.“ ARD, ZDF und Arte zahlten 2012 etwa 27 Mio. Euro an Kabel Deutschland und 22,5 Mio. Euro an Unitymedia Kabel Baden-Württemberg, zusammen also knapp 50 Mio. Euro. Es gibt aber auch Veröffentlichungen, die von insgesamt 60 Mio. ausgehen. Übrigens sollen die öffentlich-rechtlichen Sender für die Satellitenübertragung rund 77 Mio. Euro und für die Terrestrik 260 Mio. Euro pro Jahr ausgeben, die Zuschauer müssen sich zudem für die drei großen Kabelnetzbetreiber jährlich 1,9 Mrd. Euro Kabelgebühren und für die kleineren Netze nochmals 500 Mio. € abbuchen lassen, neben rund 7,5 Mrd. Euro für die aus der GEZ-Gebühr mutierte Haushaltsabgabe.

Juristisch unumstritten

Die Kabelnetzbetreiber konnten bislang keine juristisch plausible Begründung für die Berechtigung ihrer Forderung vorlegen, alle gerichtlichen Bemühungen waren daher zum Scheitern verurteilt. Dumm nur, dass die ans Kabel gefesselten Zuschauer das alles bei den großen Kabelnetzbetreibern in Form von weniger Regionalprogrammen, reduzierter Bildqualität und vorenthaltenem HD-Content ausbaden müssen. Nur wenige – wie Tele Columbus – sind da auf der Seite der Zuschauer und speisen alle 17 (!) öffentlich-rechtlichen HD-Sender ein, und zwar ohne Mehrkosten…

Umstrittene Frequenzbedarfe

Den Frequenzbedarf für mobile Anwendungen sieht Peter MacAvock durchaus kritisch: „Es gibt keinen direkten Bedarf für zusätzliches Spektrum für IMT-Dienste (International Mobile Telecommunications) im UHF-Band. Doch die Verwaltungen wollen mit Frequenzzuweisungen weitere Umsätze generieren.“ Allerdings sei zur Weltradiokonferenz WRC12 gegen alle Regeln der ITU quasi eine Zuweisung für das 700-MHz-Band (694 MHz bis 790 MHz) für Broadcasting und IMT-Dienste erfolgt. Und nun bliebe es jedem Land überlassen, einen Zeitplan für die Migration des 700-MHz-Bandes für IMT-Dienste aufzusetzen. „Doch es gibt keine Notwendigkeit, den gesamten 700-MHz Bereich für IMT- Dienste zur Verfügung zu stellen - es ist genügend Spektrum verfügbar.“

Probleme bei der 700-MHz-Band-Räumung

Um dennoch das 700-MHz-Spektrum mit der dichtesten Nutzung verwenden zu können, müssten laut Reimers die vorhandenen 158 Sender umgesetzt werden – er hält das für eine sehr teure Angelegenheit. Außerdem seien dort die Betreiber für Drahtlosmikrofone und wireless In-ear-phones unterwegs, eben die PMSE-Dienste (Programme Making and Special Events). „Wenn wir das 700-MHz-Spektrum weggeben, werden Fernsehproduktionen, Kirchen, Schulen Theater Museen, Universitäten und Eventorganisationen dieses Spektrum nicht mehr nutzen können“, warnte der Wissenschaftler. Auch müssten die Frequenzbedarfe für den Profifunk, also auch für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) berücksichtigt werden. „Wenn man den Broadcastern diese 100 MHz Spektrum wegnimmt, gibt es keine 100 MHz für Mobilfunknetzbetreiber“, stellte Reimers fest.

Spannende Schlussrunde

Zum Schluss konnte jeder seinen Gedanken über eine Zukunft für DVB-T/T2 freien Lauf lassen. MacAvock zählt zu den stärksten Protagonisten und sieht eine starke DVB-T/T2-Plattform für das deutsche Fernsehpublikum als sehr wichtig an. Auch Meinzer kämpft für die Terrestrik, hält aber eine Evolution des DVB-T-Standards für zwingend. Zudem würde Media Broadcast nicht nur an der Migration nach DVB-T2 arbeiten, sondern schon an der Generation danach, der Konversion zwischen Broadcast und IP. Und das könnte mit Tower-Overlay, der Teil einer internationalen 5G-Standardisierung werden müsse, möglich werden. Und abschließend: „Dann haben wir eine sehr langfristige Zukunft für terrestrisches Fernsehen.“

Blick in die Glaskugel

Reimers erlaubte einen Blick in die Glaskugel, nahm sich den – fiktiven – Digitalisierungsbericht 2016 der Medienanstalten vor, nachdem RTL sein Netz landesweit abgeschaltet hat. Es könne sein, dass die Zuschauer zu Satellit und Kabel migrieren und es immer weniger DVB-T/T2-Nutzer gäbe. „Dann haben wir ein großes Problem, ein solches Netz weiterhin ökonomisch zu betreiben. Doch das bedeutet nicht, dass die Terrestrik tot ist, es könnte bedeuten, dass das klassische Modell gewechselt werden muss.“

Weg durch den Nullpunkt

Eine Schlüsselbotschaft war für Prahl, dass etwas Neues nötig wird: „Wir müssen durch den Nullpunkt gehen und eine neue Empfänger-Infrastruktur aufbauen. Doch es ist die Frage, ob die Konsumer neues Equipment kaufen werden, um DVB-T2 nutzen zu können. Und dann ist die Frage, ob wir eine Plattform aufsetzen können, die einerseits ihre Bedürfnisse und unsere Bedürfnisse verbindet. Alleine für DVB-T brauchten wir 6 bis 8 Jahre, um zu der heutigen Situation zu kommen. Die Aufgaben sind sehr anspruchsvoll, und wir als RTL sind interessiert – aber skeptisch.“

Blick hinter den Vorhang

Wolfgang Wagner erlaubte zum Schluss einen Blick hinter den Vorhang, erwähnte noch einmal die Vorteile von DVB-T2 und sprach von mehr Kanälen, der Verknüpfung mit Breitband und auch von einer kosteneffizienteren DVB-T2-Distribution. Doch dann der wohl wichtigste Hinweise des Tages: „Die Intendanten-Konferenz der ARD entscheidet heute, das wir hoffentlich in 2016 oder 2017 mit T2 beginnen, und auch beim ZDF wird es vermutlich in diese Richtung gehen – am Mittwoch haben wir hoffentlich gute Nachrichten.“ Hätte der WDR-Technikchef das am Anfang gesagt – die Diskussion wäre eine andere gewesen.

ARD für DVB-T2 ab 2017

Zwei Tage später dann die offiziellen Presseerklärungen: „Die ARD plant, beginnend ab dem Jahr 2017 auf DVB-T2 umzusteigen. Der Umstieg soll bis 2020 abgeschlossen sein.“ Die ARD sieht darin den richtigen Entwicklungsschritt, um die Fernsehterrestrik auch in Zukunft zu sichern. Perspektivisch geht es um „vollständig konvergente Technologien für die Verbreitung von Rundfunkinhalten und den Mobilfunk“.

700-MHz-Bereich weiter für den Rundfunk

Und abschließend: „Um die DVB-T2 Migration erfolgreich durchführen zu können, ist für die ARD die Planungssicherheit im Frequenzbereich unabdingbar. In diesem Zusammenhang setzt sich der öffentlich-rechtliche Senderverbund dafür ein, die 700-MHz-Frequenzen mindestens bis zum Ende der Umstiegsphase 2020 zu erhalten.“ Allerdings wurde nicht kommuniziert, was passiert, wenn es keine Mitstreiter aus dem privaten TV-Lager gibt. Ob nämlich die RTL-Gruppe ihre DVB-Abstinenz aufgibt oder Pro7Sat.1 auch dabei sein wird, ist längst noch keine ausgemachte Sache. Aber bis 2017 dauert es ja noch und viele Kongresse und Verabredungen können da noch erfolgen.

ZDF will auch DVB-T2

Auch das ZDF steht zum digitalen Antennenfernsehen. „ Dieser Übertragungsweg bietet eine verbraucherfreundliche und kostenfreie Alternative für TV-Inhalte auch auf portablen und mobilen Geräten. Dieses Alleinstellungsmerkmal gilt es zu erhalten und durch den Umstieg weiter zu stärken. Der Systemwechsel bringt außerdem deutliche Qualitätsverbesserungen.“

Da DVB-T2 nicht abwärtskompatibel zu DVB-T ist, müssen die Zuschauer ihr Empfangsgerät einmalig umrüsten. Betont wird aber auch, dass der terrestrische Empfang weiter kostenlos bleibt.

Planungssicherheit erforderlich

Der Rundfunk braucht für den Umstieg Planungssicherheit bei den Frequenzen. Daher hat das ZDF dem Plan der Bundesnetzagentur, das für die Rundfunkverbreitung wichtige 700-MHz-Band bereits 2015 zu versteigern und ab 2017 dem Mobilfunk für eine Nutzung zur Verfügung zu stellen, früh und deutlich widersprochen. Und auch hier: „Eine veränderte Nutzung des 700-MHz-Bandes kann aus Sicht des ZDF frühestens ab 2020 erfolgen.“ Gut zu wissen.

Rainer Bücken


Zum Nachhören und Nachsehen: https://www.fktg.org/node/5562

Weitere Beiträge von FKTG-Mitgliedern