Nachruf auf Johannes Webers

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Obering. Johannes Webers, eine der stärksten Persönlichkeiten der deutschen Filmtechnik, hat seine Augen am 14. Mai 2015, vier Monate vor seinem 90. Geburtstag, für immer geschlossen. Sein ganzes Leben, sogar noch bis kurz vor seinem Tod, stand die Ton-, Film und später auch audiovisuelle Technik im Vordergrund seines Interesses und seines reichen Schaffens.

Am 21. September 1925 in Chemnitz geboren, studierte er nach Abitur und geleisteter Wehrpflicht Elektrotechnik. Nach einer kurzen Zwischentätigkeit bei der Firma Blaupunkt kam er aber bereits 1948 als Tontechniker und Prüffeld-Leiter zur Bavaria. Eine seiner ersten Aufgaben war es, die Lichttonqualität des Films zu verbessern. 1950 wurde er Leiter des Prüffeldes und des Messdienstes für die Tonfilm-Apparaturen. In diese Zeit fiel die Einführung des Magnetfilms in die deutschen Ateliers, an der er wesentlich beteiligt war. Ab 1952 arbeitete er an der Einführung der vierkanaligen stereophonischen Aufnahmetechnik für den Film (CinemaScope). In dem von ihm konzipierten großen Musikstudio der Bavaria in der Schornstraße fanden Juni 1957 die ersten vierkanalig-stereophonischen Musikaufnahmen statt.

1959 zog das Fernsehen in die Studios der Bavaria ein. Johannes Webers wurde Leiter der Abteilung Film- und Tontechnik. Neue Aufgaben mussten bewältigt werden: Der gesamte Tonkomplex wurde baulich umgestaltet, die Technik modernisiert und den Forderungen des Fernsehens angepasst. Alle diese Aufgaben bewältigte Johannes Webers mit einem geradezu unerschöpflichen Arbeitseifer und unglaublicher Belastbarkeit.

1974 wurde er technischer Leiter des Kopierwerks und 1978 Geschäftsführer der Bavaria GmbH. Neue Aufgaben standen an: Modernisierung der technischen Einrichtungen, Einführung der Super-8-Filmbearbeitung, Einrichtung einer Videoabteilung, und dies alles bei laufendem Betrieb. 1981 wurde er technischer Leiter der Bavaria. In diese Phase seines Wirkens fällt der Bau des Videozentrums mit modernster Technik.

1991 trat J. Webers in den Ruhestand, der allerdings nichts mit Ruhe zu tun hatte. Seinen schon damals zahlreichen Veröffentlichungen, allein damals über 30 Beiträge seit 1967 in der FKT, schlossen sich zahlreiche weitere an und sein reichhaltiges Repertoire an Fachbüchern wurde erweitert und stets auf den neuesten Stand gehalten. Noch bis kurz vor seinem Tod arbeitete er an einer Neuauflage seines „Handbuchs der Film- und Videotechnik". Alle seine Bücher trugen seine Handschrift und waren geprägt durch seine kurzen, präzisen und schnell auf das Wesentliche kommenden Darstellungen, die insbesondere auch das Interesse vieler Berufsanfänger und Studierende fanden. Auch als Ruheständler hielt er noch Vorlesungen an der HFF München.

J. Webers erhielt viele Auszeichnungen. So zum Beispiel für seine geleistete Normungsarbeit die DIN-Ehrennadel 1983. In die FKTG (damals DKG) trat er bereits 1952 ein, und zählt somit zu den ältesten Mitgliedern dieser Gesellschaft. Von 1977 bis 1982 war er im Vorstand unserer Gesellschaft, die 1986 sein Lebenswerk mit einer ihrer höchsten Auszeichnungen, der Verleihung der Oskar-Messter-Medaille, würdigte. Er war außerdem Fellow der Society of Motion Picture and Television Engineers (SMPTE), Ehrenmitglied der FKTG, Life Member der Audio Engineering Society (AES) und Gründungsmitglied des Verbandes Deutscher Tonmeister (VDT).

Ein erfülltes Leben ist zu Ende gegangen. Die FKTG verneigt sich in Würdigung seiner Verdienste um die Gesellschaft. Wir alle haben einen guten Stern verloren, und wenn man sich an ihn erinnert, stehen nicht nur seine fachlichen Kenntnisse im Vordergrund, sondern auch sein freundliches und hilfsbereites Wesen gepaart mit seiner einzigartigen bayerischen Lebensfreude. Er wird uns fehlen.

Norbert Bolewski

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